Lange mussten die beiden Schulen dafür kämpfen, jetzt haben auch die Kraichertschule in Groß- und die Grundschule Kleinsachsenheim dauerhaft Schulsozialarbeit. Der Gemeinderat hat die Befristung der Stelle jüngst aufgehoben. Die Beteiligten freut’s, wenngleich sie sich noch mehr erhofft hatten. Denn die zwei Schulen müssen sich die 50-Prozent-Stelle der Sozialarbeiterin Katrin Schmitt teilen.

„Natürlich hätte ich mir vom Prozentsatz her mehr gewünscht“, sagt Kleinsachsenheims Grundschulleiterin Doris Engelbrecht, „trotzdem ist es ein großer Erfolg.“ Gemeinsam mit der Leitung der Kraichertschule hatte sie schon im Schuljahr 2015/16 um Schulsozialarbeit gebeten, war mehrfach gescheitert. „Viele Gemeinderäte waren damals noch sehr zurückhaltend. Es hat ein extremes Umdenken stattgefunden.“ Im Februar 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, auch die letzten beiden Schulen mit Schulsozialarbeit auszustatten – zunächst befristet bis Ende 2019. Anhand einer Bedarfsanalyse kam die Verwaltung nun zu dem Schluss: „Die Anforderungen an die Schulsozialarbeit sind, wie erwartet, auch an der Grund- und Förderschule sehr hoch.“ Heißt: Auch hier wird die Arbeit dauerhaft empfohlen.

Bedarf 50 Prozent je Schule

Der Träger der Schulsozialarbeit in Sachsenheim, die Jugendhilfe Hochdorf, hatte sogar vorgeschlagen, eine geteilte Vollzeitstelle einzurichten: „Wir sehen an beiden Schulen einen Stellenbedarf für Schulsozialarbeit von je 50 Prozent“, heißt es in der Evaluation, „damit wäre mehr pädagogische Arbeit möglich als kurzfristige Feuerwehreinsätze.“ Denn: „Präventiv und gestaltend zu agieren sowie strukturiert zu planen, erzielt eine höhere Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.“ Schulsozialarbeit müsse fester Bestandteil des Schulalltags sein. Das gebe die aktuelle Haushaltslage aber nicht her, hielt die Stadt entgegen. Man wolle die Schulsozialarbeit wie bisher sukzessive ausbauen. Der Gemeinderat folgte der Ansicht einstimmig.

Für Engelbrecht und ihre Kollegin Susanne Pohl von der Kraichertschule heißt das zunächst Planungssicherheit – aber auch Einschränkung. „Ich werde nach wie vor meine Anliegen reduzieren müssen. Mir ist es wichtiger, dass die Kinder, wenn sie Probleme haben, die Chance bekommen, diese zu bearbeiten, genauso Eltern und Kollegen.“ So würde Engelbrecht die Schulsozialarbeiterin Schmitt gerne deutlich stärker in die Beratung bei Feststellungsverfahren und Rückstellungen von Einschulungskindern einbeziehen. Das Mitwirken der Jugendhilfe im Schullandheim der aktuellen Viertklässler musste ebenfalls aus Zeitgründen wegfallen.

Das werde sie aber vorerst nicht angehen. „Prävention und Feuerlöscher“, das seien die Aufgaben, die bewältigt werden könnten. Immer wieder bräuchten Kinder Hilfe, die ein Verlust erlitten haben. Neben Gruppenarbeit soll in Zukunft auch ein Fokus auf die Medienkompetenz der Kinder gelegt werden. Ein „Internetführerschein“ und von der VR-Band gesponserte Tablets sollen die Kinder auf die digitale Welt vorbereiten.

An der Kraichertschule mit sonderpädagogischem Bildungsauftrag lagen Schwerpunkte auf Jungs-Gruppen zum Thema „Grenzen, Sexualität und Pubertät“ sowie das Projekt „Jugend trifft Alt“. Dabei geben die Jugendlichen ihr Wissen über die neuen Medien an Senioren des Kleeblatt-Pflegeheims weiter. Dafür wurde die Schule mit dem Schulpreis der Bietigheimer Zeitung ausgezeichnet.

Schulsozialarbeit in Sachsenheim


2008 startet das Modelprojekt Schulsozialarbeit an der Burgfeldschule. Stellenumfang: 40 Prozent, zunächst befristet, mit dem Projekt „soko – sozial und kompetent“.

2012 beginnt die Landesförderung, an der heutigen Gemeinschaftsschule wird auf 90 Prozent aufgestockt.

2015 bekommt die Realschule, 2016 die Kirbachschule in Hohenhaslach eine 50-Prozent-Stelle.

2017 startet das Pilotprojekt „Power macht schlauer“ an Kraichert- und Kleinsachsenheimer Grundschule, das letztlich zur Sozialarbeit führt.

190 Tausend Euro kostet die Sozialarbeit in der Stadt jährlich. 40 000 Euro übernimmt das Land. msc