Ein Streit kann harmlos beginnen aber böse ausarten. „Der hat mir meinen Stift geklaut“ sei, so Lehrerin, Anita Schröpfer, ein typischer Grund, warum sich Grundschüler streiten. Bei älteren Schülern kommen auch heftigere Aussagen vor, wie beispielsweise „ich will dich tot sehen“. Cyber-Mobbing hätte schon mal dazu geführt, dass ein Opfer seine Peiniger bedroht habe, er würde sie abstechen. Das sind zwar Ausnahmen, die sehr selten vorkommen, doch es gibt sie. Sieben Lehrer und drei Sozialarbeiter machen sich für Schüler stark und bilden einige als Streitschlichter aus. Jeder Klassenlehrer wählt Jugendliche aus, die sich sozial für die Funktion eines Streitschlichters eignen. Jugendliche der Eichwald-Realschule, der Gemeinschaftsschule und der Kraichertschule nehmen an der Ausbildung teil. So lernen sie mit Konflikten umzugehen, sich zu versöhnen und ihren Mitschülern zu helfen, sobald es zum Streit kommt.

Aktuell sind auf dem Schulcampus etwa 50 Streitschlichter auf Konflikte vorbereitet und beherrschen Methoden, die den Schulalltag vereinfachen. Jährlich kommen vier bis acht neue Schüler dazu. Die Ausbildung besteht unter anderem aus einer Persönlichkeitsschulung.

Die Schüler lernen, aktiv zuzuhören und das Vertrauen ihrer Mitschüler zu gewinnen. „Wir unterschreiben, dass das, was uns erzählt wird, nicht ans Licht kommt“, so Streitschlichterin Amelie. Mit Hilfe von Rollenspielen üben sie zu Beginn fiktive Streitsituationen zu meistern. Zu beachten ist: Schüler helfen Schülern, Lehrer schreiten nicht ein. Chantal, Amelie, Ranja und Kalliopi erzählen von ihren Erfahrungen. Achtklässlerin Kalliopi sagt: „Man lernt viele Leute kennen. Seit ich Streitschlichterin bin, ist mein Selbstbewusstsein gewachsen.“ „Und ich bin gelassener geworden“, sagt Chantal, die in die 10. Klasse geht. „Seit drei Jahren bin ich Streitschlichterin und es gab noch nie einen Streit, den ich nicht schlichten konnte“, sagt Ranja und schmunzelt. Sogar eine Massenprügelei zwischen 40 Schülern haben die Streitschlichter verhindern können.

Nicht mehr als drei Personen

Bei der Konfliktlösung gehe es darum, eine Win-Win-Situation zu erreichen, mit der alle zufrieden seien, erklärt Lehrerin Simone Birk. Damit das erreicht wird, dürfen maximal drei Personen, die in den Streit involviert sind, zu den Streitschlichtern gehen. Jedem Beteiligten wird ein Schlichter zugeordnet. Dann erzählt jeder die Lage aus seiner Sicht. Die Konflikte lösen sie in der Pause, allerdings „kann es über mehrere Tage dauern bis es zur Versöhnung kommt“, weiß Ranja.

Außer den drei Schulen setzt sich auch die Kirbachschule für die Konfliktlösung im Schulalltag ein. Dort sind fünf Schüler aus den Klassen 6 und 7 aktiv. Um zukünftig noch effektiver arbeiten zu können, wird es eine „Friedenstreppe“ geben. Am Freitag wird sie eingeweiht. Das Projekt, das die Schulsozialarbeit zusammen mit den Streitschlichtern durchgeführt hat, wurde vom Schulförderprogramm der VR-Bank Neckar-Enz mit 900 Euro bezuschusst.

Durch das Erklimmen der einzelnen Stufen wird die Bearbeitung des Konfliktes auch visuell erlebt. Die Kinder kommen ihrem Gegenüber stufenweise entgegen, bis sie sich auf der letzten Stufe gegenüberstehen und sich die Hände zur Versöhnung reichen können.

Damit die Friedenstreppe lange erhalten bleibt, wurde sie massiv aus Holz gebaut und mit Holzlack bemalt. Hierfür wurde einen Teil des Fördergeldes verwendet. Außerdem bekommen die Streitschlichter Wintermützen mit dem Aufdruck „Streitschlichter“, damit die Kinder auf dem Pausenhof erkennen, wer im „Dienst“ ist.