Noten stehen in der Gemeinschaftsschule nicht so im Vordergrund wie bei anderen Schulformen. Da ist es naheliegend, dass die Gemeinschaftsschule Sachsenheim Berufsorientierungstage veranstaltet, an denen die Schüler in direkten Kontakt mit Firmen treten können. Diese finden in dieser Woche erstmals statt. Am Donnerstag stand eine Berufsmesse im Kulturhaus in Großsachsenheim an.

Natürlich wurde auf den Gängen auch ein wenig geblödelt und nicht alle zeigten gleich viel Interesse an dem, was da im großen Sitzungssaal für die Acht- und Neuntklässler aufgebaut war. Einige Schüler hatten sich aber richtig herausgeputzt für die Gespräche mit den Unternehmen am Donnerstagvormittag. Evangelische Altenheimat, AVL, Trumpf, Winkels, Netze BW, Schmid’s Domino, der Landesverband Garten-, Landschafts und Sportplatzbau, Konzelmann, die Bäckerei Kutterer und die Agentur für Arbeit – sie alle waren gekommen um den Schülern zahlreiche Ausbildungsberufe näherzubringen.

Vorbereitete Schüler

Die Jugendlichen hatten sich am Mittwoch auf die Arbeitnehmer und Berufsfelder vorbereitet. Mit Fragebögen zogen sie tags darauf los, um die Vertreter zu löchern: Seit wann existiert der Betrieb? Welche Qualifikationen muss ich für einen bestimmten Beruf mitbringen? „Die Idee war, den Schülern einen Einblick in die Berufswelt und einen Überblick, welche Betriebe es in der Umgebung gibt, zu geben“, sagte Debora Balko, die den Tag zusammen mit Lehrer-Kollegin Antonia Heinisch betreute. Letztere ergänzte: „Die Schüler können hier eine erste wichtige Hürde bei der Arbeitsplatzsuche nehmen und mit den Leuten ins Gespräch kommen.“

Und das taten sie. „Es ist total cool, dass wir durch so etwas die Chance haben, uns zu informieren“, freut sich die 14-jährige Leni Hein, die sich das Berufsfeld der Einzelhandelskauffrau besonders genau angeschaut hat. Ihre gleichaltrige Mitschülerin Johanna Benecke war begeistert, „dass hier alle so offen sind und man alles erklärt bekommt“. Finn Gooss, ebenfalls 14, hat durch den Tag auch neue Motivation für seinen Berufswunsch Mechatroniker gesammelt. „Man bekommt hier genau gesagt, was man für einen bestimmten Beruf braucht. Ich will mich jetzt auf jeden Fall noch mehr reinhängen.“

Auch für die Unternehmen ist die Veranstaltung wichtig: „Ich hoffe, hier Azubis zu finden, die sich sonst nicht bei mir bewerben würden“, sagt Stefan Schmid vom Möbelhaus „Schmid’s Domino“. Mit den Löhnen und Arbeitszeiten der Industrie könne man nicht mehr mithalten. „Der Markt hat sich so geändert, dass man um Azubis kämpfen muss.“

In kleinen Gesprächsrunden wurden in Nebenzimmern Kontakte zwischen Schülern und Unternehmen noch vertieft – und „der eine oder andere Praktikumsplatz eingetütet“, berichtet Lehrerin Heinisch. Der 14-jährige Luca Pavic ist davon angetan. „Ich finde es toll, dass so etwas an der Schule angeboten wird. Die gleichaltrige Andreana Pournarka schätzt vor allem den engen Kontakt in diesen Gesprächen. „Das ist sehr familiär und persönlich. Ich finde es toll, dass die Leute auch auf den Charakter schauen und nicht nur nach Noten gehen.“ Und Karin Beyer von der Bäckerei Kutterer schwärmt: „Hier kann man die Schüler richtig motivieren und ihnen sagen, was wichtig ist.“

Auch die Vertreter der Arbeitgeber sind beeindruckt, beispielsweise Stephan Scharnow von der Evangelischen Heimstiftung. Auf seine Frage, was der Beruf des Pflegers mit sich bringe, antwortete eine Schülerin: „Auf die Wünsche der Menschen eingehen und sie nach deren Belange zu versorgen.“ „Das hat mich schon positiv überrascht“, sagt er.

An diesem Freitag enden die Berufsorientierungstage mit einem Bewerbungstraining, bei dem erneut einige der Unternehmen vor Ort sein werden. „Ich bin gespannt, ob dann auch der eine oder andere tatsächlich mit einem Praktikumsplatz herauskommt“, sagt Schulleiter Bernhard Dietrich.

Unternehmen lernen Gemeinschaftsschule


Informationen gibt es bei den Berufsorientierungstagen der Gemeinschaftsschule Sachsenheim (GMS) nicht nur für die Schüler. Schulleiter Bernhard Dietrich brachte den Unternehmen und Organisationen auch die Prinzipien der Gemeinschaftsschule näher. Allem voran die Lernentwicklungsberichte (LEB), die an der Gemeinschaftsschule zu einem wesentlichen Teil Noten ersetzen. Denn hier arbeiten die Schüler.

Doch der im Fließtext gehaltene LEB, so Dietrich, sei schwer oder aufwendig zu entziffern. Zum besseren Verständnis erstellt die GMS deshalb zusätzlich Tabellen zur fachlichen Leistung sowie zum Lern- und Sozialverhalten. Diese, so der Schulleiter, geben einen detaillierten Einblick in die Stärken und Schwächen innerhalb einzelner Fächer als Noten. msc