Gut in Stimmung waren wohl alle Beteiligten einer Massenschlägerei beim Markgröninger Schäferlauf 2017, die sich in einer Anklage auf gefährliche Körperverletzung bei der Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts niederschlug. Doch als sich selbst der Hauptbelastungszeuge an fast nichts mehr erinnerte, konnte das Gericht kein Urteil fällen. Das Verfahren wurde ohne Weiteres eingestellt.

Angeklagt war ein 22-Jähriger aus Möglingen, der zu den wenigen Beteiligten gehörte, die noch da waren, als am 27. August 2017 gegen 3 Uhr nachts die Polizei kam. Ermittelt werden konnte noch, dass es in der Straße auf Hart am Rest der Stadtmauer zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Möglinger und einem anderen Rapper über ein so genanntes „Rap Battle“ kam und dass ein 21-Jähriger aus Bissingen schlichten wollte. Der Anklage nach soll der Schlichter Schläge bekommen haben, die zu einer aufgeplatzten und angeschwollenen Lippe führten. Einer der Schläger sollte der Möglinger gewesen sein.

„Das stimmt so nicht“, sagte der Beschuldigte zum Tatvorwurf. Der Bissinger verwechsele ihn sicherlich mit einem der anderen Jungs. Beim Rappen hätte ihn der Bissinger in den Schwitzkasten genommen und zu Boden gebracht. Daraufhin hätten „viele Leute“ auf den Bissinger eingeschlagen. Ihn selber, so der Möglinger, hätten Sicherheitsleute rausgezogen.

Wer hat was gesehen?

„Rumgetanze, Rumgespringe, Keilerei“ – so beschrieb einer vom Objektschutz als Zeuge vor Gericht den Vorfall aus jener Nacht. Er und sein Kollege hätten sich nicht eingemischt, sondern einen Notruf abgesetzt. Plötzlich seien zwei Security-Mitarbeiter im Laufschritt angekommen und hätten sich mitten ins Geschehen gestürzt. Einer der Sicherheitsleute müsse am Boden ganz gewaltig etwas abbekommen haben. Von dem Bissinger mit der aufgeplatzten Lippe wusste dieser Zeuge nichts. Einer der Sicherheitsmänner wusste nicht einmal, ob sein als Zeuge säumiger Kollege etwas abbekommen hat. Der Bissinger erinnerte sich noch daran, dass er seinen rappenden Kumpel vom Angeklagten wegholen wollte, als Letzterer zu nahe an ihn rangekommen sei. Da habe er gefragt, „willst du mich küssen“? „Ich habe ihn weg geschubst und dann habe ich eine bekommen“, erklärte der Bissinger. Allerdings „wahrscheinlich von einem Kumpel“ des Angeklagten. Weitere Zeugen sprachen davon, dass „viele Leute“ auf den Bissinger eingeschlagen hätten, dessen Kumpel nach der Schlägerei mit einem Nasenbeinbruch ins Krankenhaus kam.