Es war kalt im Schießstand. Aber Uwe Schneider fror unter seiner warmen Fellmütze mit Fuchsschwanz und seiner schweren Lederjacke nicht. Der Vorderlader-Schütze aus Zweisimmen in der Schweiz war hochkonzentriert, jeder Handgriff saß, als er seine Unterhebelpistole für den Schuss vorbereitete. Er war einer von mehr als 100 Enthusiasten des 41. Internationalen Schwarzpulver-Turnier des Schützenvereins Sersheim, das am Wochende wieder mehr als 100 Schießsportler aus Deutschland und dem benachbarten Ausland anzog.

Mit einem Trichter füllte Schneider das Schwarzpulver in die Pulverkammer, darauf kam Hartweizengrieß, bevor er den Lauf seines Gewehrs mit einem kleinen runden Pflaster abdeckte, auf das er die Bleikugel gab. „Die Kugel ist kleiner als die Öffnung des Pistolenlaufs und würde ohne das Pflaster sofort nach unten fallen. So klopfe ich die Kugel und das Pflaster mithilfe eines Gummihammers ein und schiebe sie anschließend mit dem Ladestock genau dahin, wo sie auch in der Pistole liegen soll“, erklärte er.

Der Schweizer setzte das Zündhütchen in seine Waffe, das für die Zündung des Schwarzpulvers sorgte. Er fixierte mit seiner Unterhebelpistole die Zielscheibe in 25 Metern Entfernung. Seine schwere Waffe hielt der Schütze dabei nur mit einer Hand. „Ich muss über den Lauf der Waffe schauen, zielen und zum Schuss abdrücken. Dabei darf ich aber nur die Finger und nicht die ganze Hand bewegen“, beschrieb Schneider den Schussvorgang, der mit einem ohrenbetäubenden Knall endet.

Uwe Schneider war zum letzten Mal in den 1990er-Jahren in Sersheim dabei. „Durch meinen Umzug in die Schweiz konnte ich viele Jahre nicht mehr kommen, aber in diesem Jahr genieße ich die familiäre Atmosphäre und das Leben in einem Zelt im Lager wieder ausgiebig.“

Traditionelles Handwerk

„Der handwerkliche Aspekt bei dieser Art des Schießens und die damit verbundene Vorarbeit, die vor dem eigentlich Schuss geleistet werden muss, stehen für die meisten Teilnehmer am Turnier im Vordergrund“, erklärte Marcus Zachar, Vorstand beim Schützenverein Sersheim, der aktuell 150 Mitglieder zählt. Der Verein war Ausrichter des Schwarzpulver-Turniers, bei dem auch die Süddeutsche Meisterschaft der Schwarzpulverinitiative (SPI) stattfand. Geschossen wurde nicht nur mit Kurzwaffen wie der Unterhebelpistole von Uwe Schneider, sondern auch mit Langwaffen auf Zielscheiben mit Büffeln oder anderen Tieren der Prärie.

Während sich die Mitglieder des Schützenvereins vorwiegend um den Festbetrieb beim Turnier und im großen Festzelt kümmerten, war der Förderverein der Sersheimer Schützen für das Hobbyisten-Lager und die Stimmung im Saloon verantwortlich. Dieser war am frühen Samstagnachmittag schon gut gefüllt, denn nicht nur die kulinarischen und hochprozentigen Leckereien lockten die Indianer, Cowboys, Trapper und Co. in den gemütlichen Holzbau, sondern vor allem die warmen Temperaturen im Inneren. Durch das Lager mit Zelten und zahlreichen Ständen, an denen Schmuck, Kleidung und andere Utensilien aus dem Wilden Westen feil geboten wurden, strömten bei regnerischem Wetter nur wenige Besucher. Die Hobbyisten wiederum hatten sich mit dicken Fellen und Capes geschützt. Sogar Cowboys in gelben Regenmänteln waren zu sehen. „Dieses Wetter ist zwar nicht schön, aber vor zwei Jahren hatten wir auch schon Schnee. In diesem Jahr sind rund 400 Hobbyisten aus dem In- und Ausland dabei. Dieser Besuch übertrifft den des Vorjahres noch einmal. Seit 18. April zelten die ersten Besucher schon hier“, schilderte Robert Supper, den alle nur „Graubart“ nennen und der vor 41 Jahren die Idee zu dieser besonderen Veranstaltung hatte. „Dies ist eines der ersten und größten Hobbyisten-Treffen im Jahr. Für mich persönlich ist es auch das schönste Treffen, denn die Atmophäre in Sersheim ist einfach toll“, schwärmte Siegfried Preprost aus Villach in Österreich, der im Trappergewand seit 29 Jahren nach Sersheim reist.