Schwerpunkt Schäfer und Schafe Schafe, die bei Fuß laufen

Eugen Orth züchtet Texel-Schafe, auf seinen erst einjährigen Schafbock Tillmann ist er besonders stolz.
Eugen Orth züchtet Texel-Schafe, auf seinen erst einjährigen Schafbock Tillmann ist er besonders stolz. © Foto: MARTIN KALB
Sachsenheim / Susanne Walter 23.08.2018

Ruhe sowie einen Ausgleich zum Beruf  findet Eugen Orth aus Sachsenheim-Hohenhaslach in der Schafzucht. Er hat sich auf die seltene Rasse der Texelschafe spezialisiert, die von der größten niederländischen Wattinsel Texel stammen, und  der Fleischproduktion dienen.

Seit über 40 Jahren züchtet Eugen Orth aus Sachsenheim-Hohenhaslach Schafe. In den Anfangszeiten waren mehrere Rassen auf seinen Koppeln zu finden. Doch im Jahr 1997 hat sich der Schafzüchter aus Passion auf die Zucht der Texelschafe verlegt, als einer von drei Züchtern in Baden-Württemberg. 40 Mutterschafe hält er derzeit, die er auf verschiedenen Koppelweiden grasen lässt. Ende des Jahres geht Eugen Orth in den Ruhestand und will sich dann noch mehr der Schafzucht widmen. „Ich will die Herde vergrößern“, ist sein Ziel.

Während die Schafe in den warmen Monaten von Koppel zu Koppel ziehen, sind sie zwischen Weihnachten und Neujahr im Stall. Am 6. Januar ist Schertag bei Familie Orth. Das Scheren der Schafe übernimmt ein Experte. Der Schafscherer sorgt auch für die Klauenpflege. „Die Schafe werden deshalb schon im Januar geschoren, weil sie dann erfahrungsgemäß rund zehn Tage früher ihre Lämmer gebären“, lässt er wissen.

In erster Linie hält Eugen Orth seine Schafe für die Fleischproduktion. „Wir verkaufen das Fleisch an die örtliche Gaststätte Rose in Hohenhaslach und an andere Kunden in der Region“, und ergänzt: „Wir machen zur Zeit viel Schinkenwurst in Dosen wegen der Wärme. Da haben wir viele Stammkunden“, erzählt er. Die Schafschinkenwurst eigne sich besonders gut für Wurstsalat.

Auch wenn Eugen Orth durch seine Koppelhaltung kein klassischer Wanderschäfer ist, tingelt er doch von Weide zu Weide, zu den Koppeln mit Elektronetz im Wiesental zum Beispiel. Drei Hütehunde helfen ihm bei seiner Arbeit, „Bella“ und „Pit“, der Senior in der Runde, der auf den Stall aufpasst, und sein Favorit, zu dem er schlicht „Kumpel“ sagt. Obwohl Eugen Orth die Schäferei nie offiziell in einer eigenen Ausbildung gelernt hat, erzieht er seine Hunde selbst, nachdem sie bei einer Expertin aus Freiburg eine Ausbildung durchlaufen haben.

Zum Schäferlauf in Markgröningen hat Eugen Orth einen besonderen Bezug. „Da bin ich noch als 53-jähriger mitgelaufen“, erinnert er sich, und auch seine beiden Töchter Diana und Melanie sind begeisterte Schäferläuferinnen.

Tochter Melanie ist an der Schafzucht des Vaters mit 50 Prozent beteiligt. Das Leistungshüten mit dem Hund sei ein besonderer Reiz. „Dafür muss man allerdings ausgebildeter Schäfer sein“, weiß er. Es zieht Eugen Orth allerdings trotzdem jedes Jahr zu seinen Kollegen aus nah und fern, die zum Leistungshüten kommen. „Es ist ein Fest der Schäfer vor der Haustüre, das lasse ich mir doch nicht entgehen. Da trifft man sich zum Fachsimpeln. Da sind Leute dabei, die ich schon seit Jahrzehnten kenne“, freut er sich auf das bevorstehende Ereignis.

Die Texelschafe mag er deshalb als bevorzugte Rasse, weil sie zahm bei Fuß laufen. „Das ist keine Rennrasse wie das Merinoschaf. Mit denen kann ich auch gut die Sachsenheimer Straße überqueren und am See entlang gehen, mit dem Hund zusammen natürlich“, erzählt er.

Auf das Schaf gekommen ist Eugen Orth durch seine Eltern, die einst eine Schafzucht hatten. Schon als Kind hat er die Ruhe bei den Tieren kennen- und lieben gelernt, denn während um ihn herum die hektische Zeit pocht, kann Eugen Orth bei seinen Gängen mit den Tieren abschalten und Ruhe finden.

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