Sachsenheim Sachsenheim: Kernzeitenbetreuung in Grundschulen klarer geregelt

Kernzeitbetreuung an der Gemeinschaftsschule Sachsenheim: Annette Zingslowski (links) und Fehime Paulus kümmern sich um die Kinder.
Kernzeitbetreuung an der Gemeinschaftsschule Sachsenheim: Annette Zingslowski (links) und Fehime Paulus kümmern sich um die Kinder. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / CAROLINE HOLOWIECKI 24.03.2016
Der Sachsenheimer Gemeinderat hat die Richtlinien für die Kernzeitenbetreuung in Grundschulen angepasst. Doch schon jetzt schielt man zunehmend in Richtung Ganztagesgrundschule. Die Kirbachschule hat bereits Interesse geäußert.

Im Sommer 2015 hat's mächtig gerumpelt an der Grundschule Kleinsachsenheim. Etliche Eltern gingen auf die Barrikaden, weil sie kurz vor dem Start der großen Ferien eine schriftliche Absage für die überfüllte Kernzeitenbetreuung ihrer Kinder erhalten hatten. Und dies, obwohl sie sich auf folgenden Passus in den Richtlinien für das Betreuungsangebot an Grundschulen in Sachsenheim verlassen hatten: "Kinder, die bisher schon das Angebot wahrnehmen, behalten bei einer erneuten Anmeldung ihren Platz." Die Beschwerde der Eltern fruchtete: Bei der Kernzeitenbetreuung (7.30 bis 13.30 Uhr) wurde räumlich aufgestockt, so dass alle 60 angemeldeten Kinder unterkamen.

Als Reaktion hat die Stadtverwaltung nun ihre zehn Jahre alten Richtlinien für die Betreuung an den Grundschulen - der Kleinsachsenheimer Einrichtung, der Gemeinschaftsschule und der Hohenhaslacher Kirbachschule - redaktionell bearbeitet und inhaltlich angepasst. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag zugestimmt. Neu ist unter anderem ein Punktesystem, nach dem Betreuungsplätze vergeben werden, sollten mehr Anmeldungen eingehen als Plätze vorhanden sind. So werden etwa Erst- und Zweitklässler bevorzugt, außerdem Kinder von Berufstätigen, von Alleinerziehenden, Kinder, deren Geschwister auch in der "Kerni" sind, oder Sonder- und Härtefälle. "Das erlaubt uns, transparent und gerecht verbliebene Plätze zu vergeben", sagte Bernd Bayer, der zuständige Teamleiter.

Was am Dienstag indes klar wurde: Eigentlich ist sowohl für die Stadtverwaltung als auch den Gemeinderat das Modell Kernzeitenbetreuung längst überholt. "Die Zukunft ist die Ganztagesgrundschule", sagte Bernd Bayer. Denn während die Großsachsenheimer Gemeinschaftsschule im Gundschulbereich bereits seit 2009 zwei Klassen bis 15.30 Uhr anbietet, gibt es das in Kleinsachsenheim und Hohenhaslach nicht. Die Entwicklung Richtung Nachmittagsbetreuung werde auch vom Land forciert. Ziel sei, dass sich bis 2023 rund 70 Prozent der Grundschulen am Ganztagesschulprogramm beteiligten und eine Betreuung bis 15.30 Uhr anböten. Manchen Eltern, so Bayers Erfahrung, wäre gar die Betreuung bis 17 Uhr lieb.

Dafür muss der Schulträger, die Stadt, aber eine entsprechende Infrastruktur anbieten: Schulräume, eine Mensa oder ein vergleichbares Mittagessenangebot. "Das geht alles nur Zug um Zug. Jetzt kommt erst mal der Umbau der Gemeinschaftsschule für etwa neun Millionen Euro", machte Bernd Bayer deutlich. Und: "Der Antrag muss aus der Schulkonferenz kommen."

Gewehr bei Fuß steht die Kirbachschule. "Lieber gestern als übermorgen", sagt der Rektor Rainer Graef. Aktuell würden 17 Kinder in der Kernzeitenbetreuung von 7.20 bis 13.15 Uhr gehütet, diese Zeiten seien aber "extrem mager". Der Rest des Nachmittags würde durch Jugendbegleiter oder Vereinskooperationen aufgefangen. Das sei aber nicht verlässlich, so Rainer Graef. "Wenn ein Ehrenamtlicher ausfällt, habe ich ein Loch." Eine Umfrage unter Eltern habe ergeben, dass für etwa ein Drittel der Grundschüler der Bedarf einer Ganztagesbetreuung bestünde. Graef: "Wir könnten mit zwei altersgemischten Gruppen starten." Die Grundschule Kleinsachsenheim, so Bernd Bayer in der Gemeinderatssitzung, habe bislang kein Interesse am Ganztag gezeigt.

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