Sachsenheim Sachsenheim startet ins Zeitalter der E-Mobilität

Auf dem P+R-Parkplatz in Großsachsenheim sollen zum Bahnhof hin zukünftig nicht nur Elektroautos aufgeladen, sondern auch Fahrräder und Pedelecs ausgeliehen werden können.
Auf dem P+R-Parkplatz in Großsachsenheim sollen zum Bahnhof hin zukünftig nicht nur Elektroautos aufgeladen, sondern auch Fahrräder und Pedelecs ausgeliehen werden können. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 27.06.2018

Bereits im Vorjahr angekündigt, soll das Vorhaben jetzt in die Tat umgesetzt werden: Die Stadt Sachsenheim baut nahe das Bahnhofs die erste Ladesäule für Elektroautos in der Stadt. Direkt daneben soll auch eine Leihstation für Fahrräder und Pedelecs entstehen. Die Stadt spricht von einem „Pilotprojekt“, an dem sie teilnimmt. Vom Nutzen sind im Gemeinderat nicht alle überzeugt.

Die Stadt schließt sich dem neuen Verbund „RegioRadStuttgart“ an (siehe auch Seite 9). Am Park-and-Ride-Parkplatz am Bahnhof sollen ab September Fahrräder und Pedelecs zur Verfügung stehen, die dann auch an anderen Stationen von „RegioRadStuttgart“ abgegeben werden können. Drei Pedelecs und zwei Fahrräder soll es in Sachsenheim zunächst geben. Die Kosten werden auf 6400 Euro pro Jahr beziffert. Hinzu kommen einmalige Kosten von 6000 Euro. Die Kosten für den Strom sponsern Energie Sachsenheim und Energie Calw.

Pioniere oder vorschnell?

Während die Stadt stolz darauf ist, als eine der ersten Kommunen im Landkreis an diesem „Pilotprojekt“, wie Wirtschaftsförderer Matthias Friedrich betont, teilzunehmen, halten einige Stadträte die Idee von „RegioRadStuttgart“ für nicht ausgereift und bezweifeln die Sinnhaftigkeit in Sachsenheim. Sie würden lieber abwarten, wie sich das Projekt entwickelt und eventuell später einsteigen. „Ich halte das Modell für Sachsenheim noch nicht für geeignet. Ich befürchte, dass wir eine ähnliche Auslastung wie beim Stromer bekommen könnten“, sagt CDU-Stadtrat Hugo Ulmer. Der Bus für Radfahrer und Wanderer, der im nördlichen Landkreis verkehrt, ist oft relativ leer. Für Ulmer wäre das Geld bei Vereinen oder beim Betrieb von Brunnen besser aufgehoben. Oder man solle lieber einen gesicherten Abstellplatz für private Pedelecs bauen. „Das würde ein Vielfaches an Fahrten fürs gleiche Geld bringen“, ist er überzeugt.

„Die Sorge teile ich“, meinte Bürgermeister Horst Fiedler zur möglicherweise geringen Resonanz bei den Pedelecs, „aber wir klagen täglich über den Verkehr. Wir müssen Alternativen bieten.“ GLS-Fraktionschef Günter Dick, der häufig anderer Meinung ist als der Bürgermeister, pflichtete in diesem Fall bei: „Manchmal muss man auch ins Risiko gehen. Hier halte ich es für gerechtfertigt.“ Allerdings bemängelten einige Räte den Standort beim Park-and-Ride-Platz, der noch zu weit vom Bahnhof entfernt sei und an dem die Räder zudem dem Wetter ausgeliefert seien. FW-Stadtrat Ralf Nägele hatte zudem Bedenken wegen Vandalismus.

„Wir neigen dazu, Neuerungen zu zerreden“, klagte CDU-Fraktionschef Lars Weydt, „vielleicht ist es an der Zeit, als Pionier voranzugehen.“ Zudem betonte die Verwaltung, dass sie  durch den frühen Einstieg nicht für acht Jahre und acht Monate gebunden sei, sondern 2022 ein Sonderausstiegsrecht habe.

Am Ende erteilte der Gemeinderat seine Zustimmung, in das interkommunale Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystem (FVS) beizutreten und die Pedelec-Station zu errichten. Federführend ist die Stadt Stuttgart, Betreiber die DB Connect.

E-Auto Station direkt daneben

Aber nicht nur für Elektrofahrräder, sondern auch auf E-Autos soll es zukünftig eine Anlaufstelle in Großsachsenheim geben.  Und zwar direkt daneben. So muss die Stadt nur einen Stromanschluss legen. Vom Bund kommen 2500 Euro Förderung. Die Kosten für die Stadt belaufen sich hier auf knapp 16 000 Euro für Netzanschluss und Standortbereitstellung. Kosten für Installation, Betrieb und Wartung übernimmt die Energie Calw GmbH. Auch hier stimmte der Gemeinderat zu.

Die Ladesäule hat zwei Ladepanels mit jeweils einer Steckdose, die automatisch entweder 22 oder 11 Kilowatt Leistung abgibt, und einer 3-Kilowatt-Steckdose. Bedenken gab es hier, ob die vorgehaltenen beiden Parkplätze von Autofahrern tatsächlich für E-Autos freigehalten werden, da der Parkplatz oft voll belegt ist. Ricarda Becker von Energie Calw betonte, dass über ein spezielles System Falschparker gemeldet werden, sodass dagegen vorgegangen werden kann.

Die Energie Calw plant in Sachsenheim darüber hinaus, auch ein E-Carsharing-Modell über ein buchbares Elektroauto anzubieten.

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