Zielstrebig geht Thomas Veigel auf die Dame in ihrem Bett im Seniorenzentrum zu, setzt sich ihr gegenüber, gibt ihr die Hand, fragt: „Ist das so angenehm für Sie?“ Und: „Wie geht es Ihnen heute?“ Was eigentlich nur eine gestellte Szene für das rechts zu sehende Foto ist, zeigt dann doch ganz klar, worauf es als ehrenamtlicher Hospizbegleiter ankommt: Empathie, offene Ohren, Einfühlungsvermögen. Doch in Sachsenheim engagieren sich laut Kirchlicher Sozialstation nicht genügend Ehrenamtliche in der Hospizarbeit. Ein neuer Kurs (siehe Infobox) soll Abhilfe schaffen.

Immer mehr Menschen haben den Wunsch, zu Hause sterben zu dürfen. Das ist die Erfahrung, die die Sachsenheimer Hospizbegleiter-Koordinatorin Bettina Mayer und ihre Kollegen machen. Um diesem Wunsch schwerkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen gerecht zu werden, hat sich in Sachsenheim vor 20 Jahren unter dem Dach der Kirchlichen Sozialstation die ambulante Hospizgruppe gegründet. Ehrenamtliche Frauen und Männer begleiten schwerkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu Hause, im Heim oder auf Wunsch auch im Krankenhaus.

Einer von aktuell 15 Hospizbegleitern, darunter insgesamt vier männliche, ist Thomas Veigel. Schon vor zwei Jahren hat er am letzten Kurs der Sozialstation teilgenommen. Erst Mitte dieses Jahres fand die ehemalige Führungskraft bei einem Automobil-Zulieferer aber die Zeit, sich aktiv einzubringen. „Ich war einer der Schnelllebigen. Das hier hat eine ganz andere Facette, die mir aber auch liegt“, sagt Veigel, der aktuell in seiner dritten Begleitung ist.“ Mayer bestätigt: „Man wird geerdet durch die Begleitung und sieht, was eigentlich wichtig ist.“

Der Bedarf ist hoch

Das Problem: Die aktuelle Zahl an Ehrenamtlichen reicht für das Zuständigkeitsgebiet – ganz Sachsenheim plus Sersheim – bei Weitem nicht aus. Deshalb will die Sozialstation mithilfe eines Kurses im neuen Jahr weitere Freiwillige hinzugewinnen. „Wir bräuchten noch mal zehn bis 15 Leute, um alles gut bewältigen zu können“, meint Mayer. Denn durch das neue Haus am Sonnenfeld ist der Bedarf eher angestiegen. Dort sitzen Sozialstation und das neue Pflegeheim unter einem Dach – und arbeiten zusammen. „Die Kooperation läuft sehr gut. wenn zum Beispiel ein Patient mit einer entsprechenden Diagnose einzieht, werden wir sofort benachrichtigt.“

Weitere Gründe, die Veigel für sein Engagement vorbringt, sind laut Koordinatorin Mayer häufige. „Ich konnte nicht dabei sein, als meine Eltern starben“, sagt er. Das habe in ihm etwas ausgelöst: das Gefühl für andere da sein zu wollen. „Ich habe bei den Besuchen meiner Eltern im Heim auch gesehen, dass viele Menschen kaum Besuch haben. Es ist mir wichtig, für solche Menschen, da zu sein, die niemanden haben.“

Was ein Hospizbegleiter mitbringen sollte, ist ein möglichst hohes Maß an Flexibilität. Denn: „Man weiß nie, wann ein Anruf kommt. Oft ist es auch sehr kurzfristig, dass wir gerufen werden“, berichtet Mayer. Viele Angehörige würden sehr lange warten, ehe sie sich an die Sozialstation wenden. „Für viele hat das etwas von ‚ich schaffe das nicht mehr alleine’. Das wollen sie sich nicht eingestehen. Außerdem hat man jemanden Fremdem im Haus.“

Was auf die Ehrenamtlichen zukommt, kann ganz unterschiedlich sein: einfach nur am Bett sitzen, zuhören, etwas vorlesen oder die Hand des Gegenübers halten. „Wir begleiten sehr oft auch die Angehörigen mit. Die möchten auch einfach mal ein Gespräch führen“, betont Mayer. Abgeschreckt hätten Veigel die zentralen Themen Tod und Sterben nicht. „In der Ausbildung zum Hospizbegleiter haben wir uns auch viel mit uns selbst und der Frage beschäftigt: Wie gehen wir mit dem Tod um?“, berichtet der 60-Jährige. Für Veigel ist wichtig: „Wir werden nicht mit der Situation allein gelassen.“ Neben dem Gruppenaustausch einmal monatlich seien die Koordinatorinnen Mayer und Maria Chor immer erreichbar. „Das ist wichtig, denn die Arbeit kann einen schon auch belasten“, betont der Hospizbegleiter.

Hospizbegleiter suchen Verstärkung


Am Donnerstag, 24.Oktober, findet ab 19 Uhr ein Informationsabend im evangelischen Gemeindehaus, Obere Straße 31 in Großsachsenheim statt. An der Hospizarbeit Interessierte erfahren etwas über die Arbeit der Ehrenamtlichen und vor allem über den geplanten Ausbildungskurs, der von Januar bis Juli 2020 stattfinden wird. Dieser soll auf die Aufgabe als Hospizbegleiter vorbereiten.

Die ambulante Hospizgruppe sucht Menschen jeden Alters die sich zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter ausbilden lassen. Offene Ohren für die Bedürfnisse der Betroffenen und freie Zeit, sowie die Bereitschaft sich mit dem Thema Sterben und Tod auseinanderzusetzen, sollten vorhanden sein. Mehr Infos, auch zum Kurs, unter Telefon (0172) 8 29 62 35. bz