Im Internet recherchieren, online einen Kundenauftrag bearbeiten oder seinen Lieblingsfilm in der Mediathek anschauen: Für viele Hohenhaslacher sind diese Vorhaben in den vergangenen Wochen und Monaten mit einem gewissen Risiko verbunden. Abrupt kann die Internetverbindung gestört sein und in diesem Fall können die Hohenhaslacher nicht mehr im weltweiten Netz surfen, und in vielen Haushalten steht zeitgleich auch der Festnetzanschluss still.

„Ich zeichne die Störungen genau auf und kann damit inzwischen schon mehrere Ordner füllen. Allein im Mai dieses Jahres gab es sieben Störungen, die manchmal Stunden, oft aber auch Tage anhielten. Im Juni war es sogar noch schlimmer“, klagt Claus-Dieter Müller. Für ihn, der online Fernwartungen für große Automobilzulieferer durchführt, ist diese unsichere Datenverbindung ins Internet besonders ärgerlich. Er kann kaum mehr von zuhause aus arbeiten. „Wir in Hohenhaslach sind, was die Internetverbindung angeht, ein echtes Notstandsgebiet. Beschwerden bei der Telekom bringen leider gar nichts“, erklärt Müller. Er weiß von Bekannten, deren Kinder jüngst einen Neubau in Hohenhaslach bezogen haben, dass die Telekom derzeit nur noch Telefonanschlüsse sofort verlegen würde. Auf einen Internetanschluss müssten die Neubürger jedoch bis zu neun Monate lang warten.

„In der heutigen Zeit ist dies ein Unding“, erklärt Müller. Auch in den sozialen Medien ärgern sich die Hohenhaslacher in den Sachsenheimer Foren immer wieder über ihre instabile Internetverbindung, von der wie bei Stephanie Thoma auch die Funktion des Festnetzanschlusses abhängt.

„Ich mache mir so meine Gedanken, denn ich bin auch schon älter und könnte in einem Notfall nicht einmal den Rettungsdienst über das Festnetztelefon anrufen, wenn die Internetverbindung gerade einmal wieder nicht funktioniert. Zudem mache ich gerade einen Online-Heilpraktikerlehrgang und habe schon einige Schulungen verpasst, weil ich nicht ins Internet kam“, empört sich die Hohenhaslacherin.

Tagelang kein Internet

Auch Ortsvorsteher Alfred Xander weiß von diesen Sorgen vieler Bürger und ist selbst davon betroffen. „Manchmal funktioniert stunden- und tagelang kein Telefon und Internet. Ich habe in dieser Sache schon mit den Vertretern der Stadt Sachsenheim Kontakt aufgenommen. Sie müssen von offizieller Seite auf die Telekom zugehen, sonst ändert sich nichts. Erst bei der jüngsten Dienstbesprechung mit den Ortsvorstehern und den Amtsleitern der Stadt habe ich die schlechte Internetverbindung in Hohenhaslach angesprochen“, schildert Xander, der hofft, dass sich zeitnah etwas tut.

Nach Auskunft von Nicole Raichle, Pressesprecherin der Stadt Sachsenheim, will die Telekom bis Ende 2019 einen VDSL-Ausbau in Hohenhaslach durchführen. „Nach dem Ausbau sind Internetgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde möglich.“ Raichle verweist darauf, dass es sich um einen eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau der Telekom handelt und die Vertreter der Stadt keine weitere Kenntnis von der konkreten Umsetzung hätten. Die Telekom selbst lässt über ihre Presseabteilung mitteilen, dass für die gestörten Internetverbindungen im Juni in Hohenhaslach Kabelfehler, Wartungsarbeiten, eine defekte Klimaanlage in der Betriebsstelle sowie Beeinträchtigungen der Richtfunkstrecke verantwortlich gewesen wären.

Ein Zusammenhang zwischen den Arbeiten zum Netzausbau und den Störungen könne jedoch nicht nachvollzogen werden. Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Deutschen Telekom und für die Region Stuttgart zuständig, verweist im Gespräch mit der BZ darauf, dass im Rahmen der Gigabit Region Stuttgart auch Hohenhaslach Aussicht auf eine glasfaserbasierte, noch schnellere Breitbandversorgung habe.

Wann dies tatsächlich umgesetzt wird, legt eine jährliche Ausbauplanung fest, für die unterschiedliche Gesichtspunkte wie die vorhandene Versorgung mit Breitband, die Ausbaukosten, die geografische Struktur, die Infrastruktur und die Anzahl der Bürger, die einen Glasfaseranschluss möchten, maßgeblich sind. Dass in Hohenhaslach bis Jahresende tatsächlich Internetgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde möglich sein sollen, verneint Kischkewitz. „Zunächst bauen wir nur in Großsachsenheim im Nahbereich der Vermittlungsstelle aus“, betont der Pressesprecher.

Keine befriedigende Aussagen

Für die Hohenhaslacher sind diese Aussagen wenig befriedigend. Derzeit surfen die Einwohner der Kirbachtalgemeinde je nach Lage der Wohnung mit ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten von 16 bis 50 Mbit/s im Download. „Wir brauchen in Hohenhaslach dringend eine stabile Internetverbindung, denn so wie bisher ist dies kein Dauerzustand“, so der Ortsvorsteher Xander.