Projekt Roboter hilft Menschen mit Handicap

„Kollege Roboter“ unterstützt im Rahmen eines Modellprojekts bei ISAK die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen.
„Kollege Roboter“ unterstützt im Rahmen eines Modellprojekts bei ISAK die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen. © Foto: Fraunhofer IAO
Sachsenheim / Michaela Glemser 11.05.2017

Konzentriert setzt Uwe Ristl die einzelnen Düsen in die Duschkopfplatte ein und bestückt sie mit Scheiben. Anschließend nimmt der Robotergreifarm die Duschkopfplatte auf und drückt die Düsen sowie Scheiben richtig fest. „Früher mussten wir dies von Hand mit der Handhebelpresse machen. Das hat uns viel Kraft gekostet und erheblich länger gedauert“, schildert Ristl.

Er ist einer von rund 70 Mitarbeitern der ISAK gGmbH im Sachsenheimer Gewerbegebiet „Holderbüschle“. 60 Mitarbeiter des Unternehmens haben eine Behinderung und erhalten künftig Unterstützung durch den neuen Roboter „APAS assistant“, der seit drei Tagen im Betrieb in Einsatz ist. „Gerade bei ergonomisch ungünstigen Aufgaben an den unterschiedlichen Arbeitsplätzen soll in Zukunft der Roboter wertvolle Hilfe leisten“, erklärt Betriebsleiter Andreas Paul Müller.

Deutschlandweites Projekt

Seit rund eineinhalb Jahren läuft das deutschlandweit einmalige Pilotprojekt, an dem Bosch und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO beteiligt sind. „Die Frauenhofer-Fachleute sind auf unsere Firma mit dieser Idee für ein neues Forschungsgebiet zugekommen“, sagt Wolfgang Pomrehn, Produktmanager bei Bosch. Dabei sei es wichtig gewesen, die Mensch-Roboter-Kollaboration nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. „Der Roboter sollte für die behinderten Mitarbeiter einen echten Mehrwert haben“, betont Pomrehn, der sonst meist nur mit den komplexen Vorgängen in der Automatisierungstechnik zu tun hat. Für den Produktmanager brachte die Zusammenarbeit mit behinderten Menschen deshalb völlig neue Erfahrungen. Der Roboter lässt sich nicht nur bei der Düsenmontage einsetzen, sondern kann flexibel auch an anderen Arbeitsplätzen genutzt werden.

Da die Mitarbeiter unterschiedlich groß sind und an verschiedenen Tischhöhen arbeiten, stellt sich der Roboter automatisch auf den jeweiligen menschlichen Partner am Arbeitsplatz ein. „Zudem ist der Roboter mit einer Sensorhaut ausgestattet, die sofort erkennt, wenn sich ein Mensch in ihrem Nahbereich befindet und die Maschine stoppt“, sagt ISAK-Betriebsleiter Müller.

Auch der kleinwüchsige Harald Haag, der seit 22 Jahren bei ISAK arbeitet, ist vom neuen Roboter begeistert: „Er ist wirklich eine sehr große Erleichterung für uns.“ Mit jedem einzelnen, der am vom Roboter unterstützten Arbeitsplatz tätig sein soll, wird eine individuelle Risikoanalyse durchgeführt, um spezielle Gefahrenpotentiale, die mit den einzelnen Behinderungen verbunden sind, auszuschließen.

„Wir müssen jetzt natürlich in der Praxis noch weitere Erfahrungen sammeln und werden das Projekt fortsetzen.“ Dadurch erhoffe sich Bosch Erkenntnisse darüber, „wie wir wir unseren Roboter noch weiter verbessern und optimieren können“, sagt Produktmanager Pomrehn. Der Produktmanager registriert bereits großes Interesse bei anderen Unternehmen mit behinderten Mitarbeitern .

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