Sachsenheim Rituale halten den Tagesablauf zusammen

Bürgermeister Horst Fiedler schaute am Dienstag bei der Stadtranderholung in Kleinsachsenheim vorbei. In der Bastelrunde griiff er selbst zum Hammer.  
Bürgermeister Horst Fiedler schaute am Dienstag bei der Stadtranderholung in Kleinsachsenheim vorbei. In der Bastelrunde griiff er selbst zum Hammer.   © Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim / Von Sandra Bildmann 22.08.2018

Sie basteln Sonnenfänger, bemalen Gläser, fügen Kronkorken zu einem Wurm zusammen und bauen ihre eigene Gitarre, das sogenannte Diddley Bow: 81 Kinder werkeln und spielen aktuell bei der Stadtranderholung in Kleinsachsenheim.

Fünf Tage lang treffen sich die Sechs- bis Zwölfjährigen in den Räumen der Grundschule. Mal stehen Aktivitäten in Kleingruppen auf dem Programm, mal können die Kinder frei entscheiden, welcher Bastelstation sie sich anschließen wollen. Rituale hielten den Tagesablauf dennoch zusammen, erzählt Stadtjugendpfleger Nico Blum, so beginne beispielsweise jeder Morgen mit der Begrüßung und gemeinsamen Singen. Die Verantwortlichen versuchen, neue und altbewährte Bastel- und Spielangebote jedes Jahr auf ein Motto anzupassen, 2018 dreht sich alles um den Orient.

An diesem Mittwoch verlässt die Truppe das Schulgelände für eine Wanderung zum Waldspielplatz. Normalerweise wird dort Stockbrot zubereitet und gegrillt, doch aufgrund der anhaltenden Hitze bleibt die Feuerstelle erst mal trocken. „Es ist zwar nicht so charmant, aber wir haben dieses Jahr Pizza bestellt“, so Blum.

An den anderen Tagen liefert das Kleinsachsenheimer Braustüble das Mittagessen in die Mehrzweckhalle. Blums Wunsch ist, für die Zukunft ein eigenes Küchenteam zu etablieren. Seine bisherigen Bemühungen seien ins Leere gelaufen, berichtet der Sozialpädagoge, der die Betreuer dafür nicht auch noch in die Pflicht nehmen will.

Und noch etwas ist Blum besonders wichtig: „Die Kinder sollen ausgeschlafen sein. Es sind ihre Ferien, da sollen sie nicht morgens aus dem Bett geworfen werden“, fordert Nico Blum, der die Stadtranderholung bewusst nicht als Kinderbetreuung verstanden wissen will: „Die Kinder stehen im Fokus, primär sollen sie Spaß haben.“ Dass auch die Eltern davon profitieren können, weiß Blum aus zahlreichen Zuschriften: „Man spürt eine Dankbarkeit und Wertschätzung, dass es so was überhaupt gibt.“

Nicht zur Diskussion steht eine Ausweitung des Angebots auf Großsachsenheim, da nach Blums Beobachtung hier kein Bedarf besteht. Außerdem finde er es wichtig, „dass die Ortsteile zusammenwachsen.“ Würde in jedem Ortsteil eine eigene Stadtranderholung angeboten, fände kaum ein Austausch der Kinder untereinander statt, vermutet Blum.

Dieses Jahr habe es bei den Betreuern indes einen Generationenwechsel gegeben, berichtet der organisatorische Leiter. Langjährige Mitarbeiter hätten aufgehört, dafür engagierten sich sieben neue Teenager, die vor zwei Jahren selbst noch als Teilnehmer dabei waren.

Bei 80 Teilnehmern ist das Kontingent erschöpft. Die hauptamtliche Leiterin vor Ort, Dörte Lange, betont aber, dass in Notfällen auch spontan noch ein Plätzchen gefunden werde. Kommende Woche wechselt das Team den Standort und zieht nach Hohenhaslach um. Das Programm bleibt aber gleich.

Im Großen und Ganzen veränderten sich die Angebote über die Jahre nicht, erzählt Lange, die seit der ersten Stunde vor über 20 Jahren leitend beteiligt ist. „Der Speckstein ist nach wie vor ein Dauerbrenner“, hat sie beobachtet, „Malen und Schnitzen kommen immer gut an, und ganz fasziniert sind die Kinder, wenn sie etwas basteln, das sie hinterher benutzen können.“

Info Für die Stadtranderholung kommende Woche in Hohenhaslach sind noch wenige Plätze frei. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 60 Euro.

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