Im Jahr 1944 wurde die evangelische Kirche in Kleinsachsenheim schwer beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg mit viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder wieder aufgebaut. Daher hängen die Herzen vor allem der älteren Kleinsachsenheimer an ihrer Kirche. „Wie unsere Kirche wohl nach der Innenrenovierung aussehen wird?“, fragte sich am Mittwochabend eine Rentnerin und blickte wehmütig vom Altarraum hinauf zur Empore. Sie war wie viele andere zum Infoabend der Kirchengemeinde gekommen, bei dem Pfarrer Friedemann Wenzke und die Architekten Johannes Frey und Reinhard Faller aus Leonberg die bevorstehende Erneuerung präsentierten.

„Wir führen die Innenrenovierung unserer Kirche in großer Achtung und Würdigung dessen durch, was hier geleistet wurde, betonte Pfarrer Wenzke, „aber das Projekt wird von einer riesengroßen Mehrheit der Kirchengemeinde mitgetragen. Dass sich etwas tun muss, scheint offensichtlich zu sein.“ Schon im Herbst 2016 erörterte ein „Visionsteam“ den Ist- und den Soll-Zustand der Kirche. Auf dieser Grundlage wurden vergangenes Jahr die Architekten beauftragt. „Wir wollen in unserer Kirche echte Begegnungsräume schaffen, die eine aktive Mitgestaltung des Gottesdienstes ermöglichen. Die Kirche soll hell und freundlich sein, einfach ein Raum, in dem man sich wohlfühlt“, machte Pfarrer Wenzke deutlich.

Nach dem Silvestergottesdienst am 31. Dezember, 15.30 Uhr, bleibt die Kirche für mindestens sechs Monate geschlossen. Die Gottesdienste finden im Gemeindehaus statt. Die Kosten der Innenrenovierung sind mit rund 480 000 Euro berechnet. „42 Prozent dieser Summe kommen vom Kirchenbezirk und dem Ausgleichsstock, rund 283 000 Euro muss unsere Kirchengemeinde selbst schultern. Über 88 000 Euro fließen aus unserer Rücklage, 117 240 Euro gab es bis jetzt schon an Spenden aus der Kirchengemeinde. Die Finanzierungslücke ist daher nur noch relativ gering“, unterstrich Kirchenpflegerin Nadja Jungbauer.

Laut Architekt werden die heute in unterschiedliche Richtungen ausgerichteten Bänke im Erdgeschoss der Kirche weitgehend durch Stühle ersetzt. Lediglich wenige Bänke auf der Nordseite der Kirche unterhalb der Empore bleiben – auf Wunsch des Landesdenkmalamts. Die Regelbestuhlung von 90 Sitzplätzen im Erdgeschoss kann auf 128 aufgestockt werden. Der erhöhte Altarraum wird etwas vergrößert. Der Taufstein soll zukünftig flexibel verstellt werden.

Eine markante Veränderung gibt es auch im Eingangsbereich: Unter der Empore wird eine sogenannte Spange eingezogen, die mit Wänden vom Kirchenraum abgeschlossen ist. Dort entstehen eine barrierefreie Toilette, eine Teeküche sowie ein Multifunktionsraum. Dank verglaster Wände kann von dort in die Kirche geschaut werden, sodass der Raum als Mutter-Kind-Bereich dienen kann. Die Eingangstür bleibt erhalten und führt künftig in den Spangenbereich. Von dort geleiten wiederum zwei Türen in die Kirche. „Der Boden im Erdgeschoss wird durchgängig gefliest, wobei Umrisse der einstigen Holzpodeste der Bänke noch zu erkennen sein sollen“, erläuterte Architekt Faller.

Auf der Empore bleiben die Bänke bestehen, die hinteren Sitzreihen werden erhöht, um bessere Sicht auf den Altarraum zu haben. Zudem soll der Zugang zum Turm barrierefrei werden. Um die Neukonzeption der Heizanlage  hat sich Dipl.-Ing. Gerhard Kimmich gekümmert. „Auf der Bühne der Sakristei bauen wir eine Gas-Brennwerttherme ein, welche die Luft einer Lüftungsanlage im Keller der Sakristei über einen Wärmetauscher erwärmen soll. Diese Lüftungsanlage wird mit großen Schalldämpfern ausgestattet, sodass es künftig auch möglich ist, während den Gottesdiensten zu heizen“, erklärte Kimmich.

Die bisherige Anlage ist zu laut. Auch Elektronik, Beleuchtung und mediale Ausstattung sollen  deutlich verbessert werden. Die kleinteilige Deckengestaltung der Kirche wird durch vier große, helle Deckenfelder ersetzt.

Bänke kommen nach Slowenien


Die alten Kirchenbänke der evangelischen Kirche Kleinsachsenheim werden nach Slowenien in die Gemeinde Moravske Toplice gebracht. Dort kommen sie in eine kleine Dorfkirche der evangelischen Christen. mig