Sachsenheim Recherche dauert fast vier Jahre

Der Sachsenheimer Axel Dornemann stellt sein neues Buch „Heimwehland“ über die Vertreibung und Flucht nach dem zweiten Weltkrieg vor.
Der Sachsenheimer Axel Dornemann stellt sein neues Buch „Heimwehland“ über die Vertreibung und Flucht nach dem zweiten Weltkrieg vor. © Foto: Sandra Bildmann
Sachsenheim / Sandra Bildmann 26.10.2018

Die technische Frage wäre fast mein Sargnagel gewesen“, erzählt Axel Dornemann mit Blick auf die größten Herausforderungen auf dem Weg zu seiner Buchveröffentlichung. Da er im überwiegenden Teil Fremdbeiträge verwendete und deren Urheberrecht noch nicht verjährt ist, benötigte er die Einwilligung der Rechteinhaber. Detektivische Arbeit sei hierfür oftmals notwendig gewesen, um jene zu ermitteln, weil beispielsweise damalige Verlage nicht mehr existierten. Dornemann recherchierte unter anderem bei Standes- und Einwohnermeldeämtern und wurde sogar in einem Fall an die Enkelin eines Autors verwiesen, die auf den Bahamas lebt.

Für den Sachsenheimer war es seit langer Zeit ein Wunsch, zum Thema Vertreibung und Flucht der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg ein Buch zu veröffentlichen. Das habe biografische Gründe: Seine Mutter sei am 21. Januar 1945 aus Schlesien geflohen, berichtet der pensionierte Verlagsleiter. Mit ihren Erzählungen und Erinnerungen sei er aufgewachsen. Beinahe vier Jahre intensive Arbeit stecken in „Heimwehland“, das Ende September auf den Markt kam.

Als zweite große Herausforderung bei der Entstehung des Buches nennt Dornemann, aus der unermesslichen Vielzahl an möglichen Texten eine Auswahl zu treffen und diese passend anzuordnen. Letztlich entschied er sich für 72 Texte, die er auf sieben Kapitel verteilte. Die ersten sechs Kapitel umfassen chronologisch die Etappen der Geschehnisse von der Vorahnung über das Kofferpacken, die Flucht, den Bevölkerungsaustausch und das Ankommen bis zum Wiedersehen mit der alten Heimat. Im siebten Kapitel versammelte Dornemann lyrische Werke.

Manche Geschichten und Gedichte hätten nicht unmittelbar mit dem Geschehen zu tun, ließen sich aber dahingehend interpretieren, erläutert der 67-Jährige. Auch die Autorenschaft seiner Textauswahl ist heterogen: Manche, wie Tanja Dückers oder Christoph Hein sind eher unbekannte Schriftsteller. Andere, wie die Großen Peter Härtling und Günter Grass, gehören selbst zu den Vertriebenen.

Nach seinem Rechercheverfahren gefragt, antwortet er: „Basiswissen, Intuition, Fingerspitzengefühl und Glück.“ Bereits 2005 hatte er eine Bibliografie zu diesem Thema erstellt, auf die er nun für eigene Zwecke zurückgreifen konnte. Fündig wurde er in Bibliotheken, Nachschlagewerken, dem Internet und seiner eigenen Literatursammlung.

Zwar hat Dornemann hauptsächlich Fremdbeiträge gesammelt. Doch auch im eigenen Schreibanteil steckt eine Menge Arbeit. So stellt er beispielsweise jedem Kapitel eine Einleitung voran, verfasste bei Textauszügen Hinführungen sowie das Autorenverzeichnis am Ende des Buches. „Da habe ich mir eigentlich zu viel Mühe gegeben“, meint Dornemann, der zu jedem Autor eine Beschreibung hinzugefügt hat.

Interesse lässt nicht nach

Das allgemeine Interesse, sich mit der Flucht und Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg zu befassen, habe erstaunlicherweise nicht nachgelassen, meint er, da auch in jüngerer Vergangenheit immer wieder Romane die Thematik aufgriffen. „Die Beschäftigung mit diesem Thema macht trübsinnig“, hat der Autor festgestellt. Es habe etwas Deprimierendes. Dennoch wünscht sich der Herausgeber: „Ich hoffe sehr, dass es den ‚normalen‘ Leser erreicht, der literarisch interessiert ist, aber selbst mit den Themen biografisch nicht befasst ist.“

Info „Heimwehland“ von Axel Dornemann (Hg.), 779 Seiten, ist Ende September im Hildesheimer Olms-Verlag erschienen und kostet 38 Euro. Das Buch kann in Buchhandlungen sowie im Internet erworben werden.

Zur Person

Axel Dornemann wurde in Osterode am Harz geboren. Sein Abitur legte er in Karlsruhe ab und lernte aus eigenem Antrieb als zweite Fremdsprache – für damalige Verhältnisse recht ungewöhnlich – Russisch. Nach der Bundeswehr studierte er in Heidelberg Slawistik sowie Germanistik und promovierte zum Thema Bürokratie in der Literatur über Leo Tolstoi und Franz Kafka. Bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr war Dornemann drei Jahrzehnte als Leiter des Anton Hiersemann Verlags in Stuttgart tätig. Der 67-Jährige lebt mit seiner Frau in Sachsenheim. sab

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