Sachsenheim / Michaela Glemser  Uhr

Sie fühlt sich fremd, alleine, einsam und unverstanden. Diese Gefühle, die die 14-jährige Emilia bewegen, sind vielen Jugendlichen nicht unbekannt. „Ich habe die Geschichte für unser diesjähriges Musical selbst geschrieben und dabei bewusst eine sehr aktuelle Thematik ausgewählt. In Zeiten der Flüchtlingsströme und des Mobbings ist es wichtig, junge Menschen für diese Emotionen zu sensibilisieren“, macht Agnes Koroma deutlich. Sie ist als Lehrerin für die Theater-AG der Sachsenheimer Eichwald-Realschule zuständig und hat mit ihren Schülern von der fünften bis zur zehnten Klasse seit Beginn dieses Schuljahres für das Stück „Fremd sein“ geprobt.

Vor der Premiere am Mittwoch sind alle Darsteller und Mitwirkenden ziemlich aufgeregt. In der Mensa des Großsachsenheimer Schulzentrums, die zur großen Musicalbühne wird, herrscht lautes Stimmengewirr und Gedränge.

Als das Licht erlischt, richtet sich der Fokus der Zuschauer jedoch nur noch auf die rund 90-minütige Geschichte rund um das Mädchen Emilia, das nach seinem Umzug in eine andere Stadt große Probleme hat, an der neuen Schule akzeptiert zu werden. Sandy und ihre Clique, die auf dem Pausenhof den Ton angeben, lassen kein gutes Haar an der „Neuen“. Emilia wird von ihnen sogar als „Abfall“ bezeichnet, nur weil sie nicht die passenden Klamotten trägt. Nicht nur Hauptdarstellerin Nele Ilshöfer alias Emilia glänzt in ihrer Rolle, deren Gefühlswelt sie mit Mimik und Gestik lebendig werden lässt, sondern auch Layla Haffner als eingebildete Sandy verkörpert ihre Rolle sehr wirklichkeitsnah.

In die Schauspielszenen sind immer wieder aktuelle Hits eingebaut, die Nele Ilshöfer mit ihrem Sologesang, bisweilen unterstützt von einem Chor, in beeindruckender Weise darbietet. Bei „Engel fliegen einsam“ von Christina Stürmer beispielsweise kann jeder im Saal nachempfinden, wie grausam es sein muss, mit Sätzen wie „So ein Landei wie dich brauchen wir hier nicht“ abgelehnt zu werden. Doch Emilia hat Glück, durch ihr Hobby Tanzen lernt sie in einer Tanzschule Paula kennen, die ihr von Anfang an offen und freundlich begegnet.

„Endlich versteht mich jemand“, atmet Emilia erleichtert auf, Paula ist die Schwester von Tim, des Sunnyboys der Schule, auf den auch Sandy schon lange ein Auge geworfen hat. Durch seine Schwester erkennt Tim, dass Emilia eigentlich sehr nett ist und er beginnt, sich in das Mädchen zu verlieben. Seine Schwester Paula ermuntert Tim, das Mobbing gegen Emilia nicht länger zu tolerieren, sondern aktiv dagegen vorzugehen. „Wegschauen ist keine Lösung“, betont Paula alias Suheda Akca, die sich sowohl gesanglich, schauspielerisch und tänzerisch zum heimlichen Star der Aufführung entwickelt.

Tim nimmt seinen Mut zusammen und lädt Emilia zum Abschlussball ein. Auch seine Freunde fordert er auf, der „Neuen“ endlich einmal eine Chance zu geben. Plötzlich beginnt sich das Blatt zu wenden. Sandy mit ihrer treuen Gefährtin Michelle alias Vahide Duru isoliert sich mit ihrer strikten Ablehnung von Emilia immer mehr selbst.

Selbst Warnungen ihrer Freundinnen, dass die gesamte Clique doch ein Freundeskreis sei und zusammenhalten solle, können den stolzen Teenager nicht überzeugen. Erst beim Abschlussball, bei dem Emilia mit Tim in einem Duett ihren großen Auftritt hat, kommt Sandy allmählich ins Grübeln und gibt ihrem Herzen einen Ruck. Sie entschuldigt sich bei der „Neuen“ und gemeinsam feiert die Clique ausgelassen den Abschluss des Schuljahres.

Höhepunkt: der Hit „Shallow“

Gerade das Duett „Shallow“, mit dem Lady Gaga und Bradley Cooper zu Oscar-Ehren kamen, und bei dem Nele Ilshöfer als Emilia und Jan Reisinger als Tim ihr gesamtes musikalisches Können zur Schau stellen, ist der eigentliche Höhepunkt des Stückes.

Der Auftritt von Emilia, die im langen roten Abendkleid zu den Gitarrenklängen von Tim durch den Saal zur Bühne schreitet, leitet das ersehnte Happy End ein, das leider in der Realität so manchem Mobbingopfer versagt ist.

Nicht einsam fühlen

Dies weiß auch Ludwig Filter, der für die Schulsozialarbeit an der Sachsenheimer Eichwald-Realschule tätig ist und in seiner täglichen Arbeit mit den verschiedensten Problemen der Jugendlichen konfrontiert wird. „Dies reicht von schulischen Problemen bis zum Mobbing. Mir ist es wichtig als Ansprechpartner für die Schüler immer vor Ort zu sein, damit sich niemand so einsam und unverstanden wie Emilia fühlen muss“, erklärt Filter.