Wissenschaft Prototyp des Notfall-Wasserkoffers ist fertig

Peter Kunz erhält seinen Wasserkoffer.
Peter Kunz erhält seinen Wasserkoffer. © Foto: Sabine Rücker
Vaihingen / rs 29.06.2018

Der Vaihinger Peter Kunz ist Präsident der International Water Aid Organization (IWAO), die weltweit Wasserhilfsprojekte fördert. Eines seiner Projekte, der Notfall-Wasserkoffer (die BZ berichtete ) ist nun in seiner Realisierung einen Schritt weiter. Kürzlich wurde dem Wissenschaftler der Prototyp eines Vorfilters überreicht.

Mit dem Notfall-Wasserkoffer, einem aus der Luft abwerfbaren Paket, sollen die von einer Naturkatastrophe betroffenen Menschen ohne viel Vorkenntnis in der Lage sein, für 20 Personen ausreichend Trinkwasser für drei Tage (ungefähr 200 Liter) zu erzeugen. Die Aufbereitung von Wasser sei an sich kein Problem „wenn ich Strom habe“. Das sei aber gerade oft nicht der Fall. Deshalb soll der Notfall-Wasserkoffer so konzipiert sein, dass die Entfernung von Trübstoffen, die Sterilisation des Wassers und dessen Konservierung über drei Tage ohne Strom oder allenfalls mit Fotovoltaik machbar ist – etwas derartiges gebe es weltweit noch nicht, so Kunz. Entwickelt wird der Koffer am Institut für Biologische Verfahrenstechnik (IVB) der Mannheimer Hochschule, an dem Kunz Institutsleiter ist. Dort finanziert die IWAO dafür eigens eine Doktorandenstelle.

Trübung verhindern

Die Anforderung: Der Vorfilter soll bei 200 Liter Flusswasser mit einer gut 40-fachen Trübung des derzeitigen Neckarwassers die Trübung um den Faktor zehn verringern. Dazu dachten sich die Forscher der in Mannheim folgenden Aufbau in drei Stufen aus: ein handelsüblicher Filtersack – eingebettet in eine Art „Salatschleuder“ – eine Aktivkohle-Schüttung, wie man sie aus den Wasserfiltern in der Küche kennt, und ein metallisches Filtergewebe untereinander in einem zylindrischen Gefäß, das man unter den Arm klemmen kann.

Um das Verfahren für dieses Vorfiltersystem zu testen, musste ein Prototyp her. Mit den Ludwigshafener Siebtechnikspezialisten der J. Engelsmann AG hatte man schnell einen geeigneten Partner gefunden, der anhand der Ideen und Vorgaben der Hochschule Mannheim ein funktionsfähiges Filtersystem entwickelte.

Das Vorhaben des Forschungsteams stieß bei den dortigen Konstrukteuren, die den Prototypen in ihrer Freizeit konstruiert und zusammengebaut haben, auf breite Zustimmung. Besonderen Fokus legten die Siebspezialisten auf eine gute Zugänglichkeit aller Teile des Filtersystems. Zu diesem Zweck wurde das dreistufige Filtersystem in Modulen gefertigt, die einfach auseinandergebaut werden können. Diese modulare Bauweise ermöglicht es den Anwendern, das Filtersystem ohne großen Aufwand zu reinigen und von Fremdkörpern wie Blättern zu befreien.

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