Nach rund zweieinhalb Jahren wurde in der jüngsten Sitzung des Sachsenheimer Gemeinderats der Bebauungsplan für die Innenentwicklung „Hohe Straße/Seepfad“ mit dem Satzungsbeschluss abgeschlossen. Wie schon in den vergangenen Beratungen gab es zum Abschluss des Verfahrens am Donnerstagabend in der Mensa des Schulzentrums bei den Gemeinderatsfraktionen noch einmal Bedarf, ihre Einschätzungen zu dem privaten Bauvorhaben zu formulieren.

Der Planer, Architekt Hardi Raff, betonte in der Gemeinderatssitzung, man sei „angetreten, eine Innenentwicklung zu unterstützen“ auf einem voll erschlossenen Gelände, auf dem künftig 190 Menschen leben sollen. Mit 1,7 Stellplätzen pro Wohneinheit habe man den höchsten Schlüssel in der Stadt, 17 Bestandsbäume blieben erhalten und man habe im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen die Grundfläche reduziert, dafür die Geschosszahl von zwei (plus Dach) auf drei (plus Dach) erhöht.

Verkehrsgutachten erstellt

Um die Bedenken der Anwohner zu entkräften, die unter anderem in der September-Sitzung des Gemeinderats in einer hitzigen Sitzung „ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, das die Infrastruktur überlasten würde“, befürchteten, wurde inzwischen eine Verkehrsverträglichkeits-Prüfung beauftragt. An einem Novembernachmittag habe man den Verkehr im Bestand gezählt, wie Fachbereichsleiter Technik Thomas Feiert erläuterte. Das daraus berechnete Ergebnis: 40 Fahrzeuge in der sogenannten Spitzenstunde. In der Prognose des Gutachtens, geht man durch die geplanten 80 Wohneinheiten von zusätzlichen 39 Fahrzeugen in der Bezugsgröße einer Spitzenstunde aus. Die Wohnstraße vertrage aber, nach der gutachterlichen Einschätzung, 400 Fahrzeuge pro Stunde.

„Die Grüne Liste hatte von Anbeginn Probleme mit der Dimensionierung des Projekts“, eröffnete Fraktionsvorsitzender Günter Dick und fragte, wer die Verantwortung trage, wenn die Prognose nicht zutreffe. Die Gewinne des Projekts gingen komplett an die Investoren, so Dick, man habe als Stadt keinen Gewinn, und die Lasten des Projekts, Stichwort „Stadtbild“ blieben bei der Stadt. „Die Mehrheit der Fraktion wird der Planung nicht zustimmen“, so der Grünen-Politiker.

„Wir haben einen Gewinn für die Stadt: Innenentwicklung statt Außenentwicklung“, entgegnete Ralf Nägele (Freie Wähler). Nach seiner Einschätzung fügt sich die Bebauung in die Umgebung ein. „Ich habe Vertrauen in die Spezialisten des Verkehrsgutachtens“, so Nägele.

Der Garten sei ein Paradies gewesen, erinnerte sich Karl Willig (FDP). Die geplante Bebauung sei „viel zu massiv“, von 12 000 Quadratmetern, so der Gemeinderat, blieben gerade mal 160 für Hecken und Vögel übrig. Darüber hinaus befürchtete auch Willig „Riesenprobleme beim Verkehr“.

Man brauche Wohnraum in Sachsenheim, konstatierte CDU-Fraktionsvorsitzender Lars Weydt: „Das klassische Einfamilienhaus, das werden wir nicht bekommen.“ Da sich der Bauträger an die baurechtlichen Vorgaben halte, müsse man diesem Bebauungsplan zustimmen.

Mit 17 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung und fünf Gegenstimmen beschloss letztendlich der Gemeinde den Bebauungsplan „Hohe Straße/Seepfad“.

Das Los mit der Digitalisierung


Es war die fünfte Gemeinderatssitzung in Sachsenheim und die zweite, die in der Mensa des Schulzentrums am Donnerstag – natürlich mit gebührendem Corona-Abstand – stattfand. Bekanntlich sind die Sachsenheimer Kommunalpolitiker mit Tablets ausgestattet, auf denen papierlos alle relevanten Sitzungsunterlagen digital bereitgestellt werden – soweit man diese im Vorfeld vom städtischen Server aufs Tablet heruntergeladen hat. Denn auch in der zweiten „Mensa-Sitzung“ gab es für die Gemeinderäte dort noch kein W-Lan. Mindestens zwei Räte hatten dies im Vorfeld nicht bedacht, und mussten den Beratungen „unterlagenfrei“ folgen. Was aber letztendlich der Diskussionsfreudigkeit des Sachsenheimer Gremiums keinen Abbruch tat, obwohl Bürgermeister Holger Albrich ob der großen Tagesordnung um „kurze Debatten“ gebeten hatte. knz