Sachsenheim Poller statt Blumenkübel

Noch stehen in Ochsenbach Blumenkübel an der Ortsdurchfahrt.  Bald sollen diese durch  212 orangefarbene Plastikpoller ersetzt werden.
Noch stehen in Ochsenbach Blumenkübel an der Ortsdurchfahrt. Bald sollen diese durch 212 orangefarbene Plastikpoller ersetzt werden. © Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim / Susanne Walter 13.07.2018

Nächste Woche sollen die Blumenkästen in der Dorfstraße von Ochsenbach entfernt werden. Dies verfügten das Landratsamt Ludwigsburg und das Regierunspräsidium, um die Verkehrssicherheit in Ochsenbach und Spielberg zu verbessern. Die Aussicht, dass bald 212 neon-orangene Plastikpoller in 75 Zentimetern Höhe die Straße säumen sollen, stößt auf großen Unmut in der Bevölkerung.

Das Nebenzimmer des Gasthauses Ochsen in Spielberg reichte deshalb kaum aus, um am Dienstagabend all den  Bürgern Platz zu bieten, die mit der Verkehrssituation unzufrieden sind. Als Vertreter der Stadtverwaltung Sachsenheim stellte sich Eveline Thudt, zuständig für Straßenbau und Beleuchtung bei der Stadt Sachsenheim, gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter Verwaltung Stefan Trunzer den Fragen der Bürger.

30er-Zonen günstiger

„Das Landratsamt schaltet doch auf stur, weil wir es in der Vergangenheit gewagt haben, auf die Straße zu gehen. Es wäre doch viel  günstiger 30er-Zonen einzuführen, als diese teuren Poller zu stellen, die ohnehin rücksichtslos überfahren werden“,  ärgerte sich ein  Bürger.

Zu ändern ist an dieser Verfügung des Landratsamtes allerdings nichts mehr. Die Behörde überließ der Stadt Sachsenheim die Wahl, für welche Abtrennung zwischen Fahrbahn und Gehweg sie sich entscheide. Und die Stadt entschied sich für diese Poller, mit dem Argument, dass sich Fußgänger mit Kinderwagen nicht an ihnen verletzen können.

Eveline Thudt nannte  gute Gründe für die Notwendigkeit der Poller: „Die Fahrbahnabtrennung zum Gehweg ist ziemlich eben. Um die Verkehrssicherheit, vor allem für Fußgänger, zu verbessern, ist es notwendig eine deutliche zusätzliche Abtrennung zwischen Fahrbahn und Gehweg zu schaffen. Wir müssen Fußgänger schützen, das ist die oberste Vorgabe des Landratsamts, es geht um die Verkehrssicherungspflicht.“  Die Blumenkästen müssen deshalb entfernt werden, so Stefan Trunzer, weil sie als Verkehrshindernis gelten. Sie müssten auf dem Gehweg 50 Zentimeter nach hinten verschoben werden. „Dann könnte aber keiner mehr laufen“, erklärte er.

Dass die Pollerlösung zeitlich begrenzt ist, beschäftigte die aufgebrachten Bürger. Wie eine weitere Lösung  aussehen könnte, steht noch in den Sternen. Die Stadt Sachsenheim verspricht sich durch die Pollerlösung einen positiven Effekt auf die Verkehrsituation, auch wenn die Poller durch unachtsames Fahren beschädigt werden könnten.

Keine Verkehrsverlagerung

Heikel bleibt die Situation allemal: Nach Anbringen der Poller soll ein Verkehrsingenieur kommen und überprüfen, ob die Verkehrsverdichtung in Spielberg signifikant zugenommen hat, denn zu einer Verkehrsverlagerung sollte es auf keinen Fall kommen. Der Vertreter der Stadtverwaltung verspricht als Trost heute schon: „Die bisherigen Parkmöglichkeiten sind nicht betroffen. Auf ausgewiesene Parkflächen kommen keine Poller“.

 Wieder kamen die Engstellen zur Sprache, die verhindern, dass in Ochsenbach überhaupt zwei LKW aneinander vorbeifahren können. Anwohner beklagten bei der Bürgerversammlung außerdem, dass sich LKW nicht an das Tempolimit 40 halten würden, sondern ganz lässig mit 60 Kilometern pro Stunde durch den Ort rauschen würden.

„Und das schon morgens ab halb vier. Um das zu erleben, müssten die Mitarbeiter des Landratsamtes ihre Blitzer schon in den frühen Morgenstunden aufstellen und nicht erst um sieben, wenn der LKW-Verkehr schon zum Großteil durch ist“, spielte eine Anwohnerin auf die Versuche der Landesbehörde an, die Verkehrssünder in diesem Bereich auf frischer Tat ertappen zu wollen.

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