Sachsenheim Pfarrstellen-Abbau: Lasten gemeinsam tragen

Die Kleinsachsenheimer Kirche - aus ungewohnter Perspektive.
Die Kleinsachsenheimer Kirche - aus ungewohnter Perspektive. © Foto: Helmut Pangerl
SUSANNE YVETTE WALTER 15.04.2013
Im Rahmen der Bezirkssynode in Kleinsachsenheim wurde am Freitag unter anderem über den Pfarrplan und die Gemeinschaftsschule diskutiert.

Bei der Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks Vaihingen in Kleinsachsenheim kamen am Freitag brodelnde Themen auf den Tisch. Schuldekanin Gabriele Karle machte sich für die Einführung der Gemeinschaftsschule stark. Pfarrerin Erika Schlatter-Ernst sprach über den Pfarrplan 2018, der einen größeren Abbau von Pfarrstellen vorsieht und über den Umgang mit Konsequenzen. Und Pfarrer Jochen Stiefel stellte schließlich Aufgaben des Prälaturbeauftragten für Fragen zur Homosexualität in der Gemeinde vor.

"Aus christlicher Sicht befürworten wir das Konzept der Gemeinschaftsschule. Gleiche Schule für alle ergibt sich, wenn man Heterogenität als Chance begreift", erklärte Karle mit Nachdruck vor rund 100 kirchlichen Mitarbeitern. Beispielhaft stellte sie eine Grundschule in Walheim vor, die Kindern ermöglicht je nach Lerngeschwindigkeit selbstständig Lerntempo und Lernplan zu bestimmen. Neben dem Arbeiten im Lernatelier statt im Klassenzimmer gehört ihrer Ansicht nach auch eine Feedback-Kultur: Schüler sollen mehr Gelegenheit haben, ihre Meinung kundzutun, als dies seither möglich war. Es gelte, den Fokus mehr auf den Bedarf des Einzelnen zu richten, so Karle.

Um das Schlagwort Pfarrplan 2018 nicht zum Damoklesschwert werden zu lassen, zeigte Pfarrerin Erika-Schlatter-Ernst, Spezialistin zu diesem Thema auf Landesebene, Perspektiven auf. Für viele Mitarbeiter der evangelischen Kirche bedeutet es mehr als nur einen Wermutstropfen: Der Pfarrplan 2018 sieht den größeren Abbau von Pfarrstellen vor, weil die Zahl der Gemeindeglieder beständig landesweit zurückgeht. "Parallel dazu gibt es immer weniger Studenten der evangelischen Theologie", klärte Gemeindepfarrer Friedemann Wenzke auf. Er ist auch für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk zuständig. "Wir sind nicht direkt betroffen", versicherte er und dennoch gebe es Zusammenlegungen in der Umgebung. "Roßwag und Aurich als Stadtteile von Vaihingen sollen künftig nur noch einen gemeinsamen Pfarrer haben. Als kleines Plus kommt in Vaihingen selbst eine halbe Stelle dazu", so Wenzke. Erika Schlatter-Ernst ging der Frage nach dem Umgang mit dem Pfarrplan 2018 nach. Wichtig sei, betroffene Gemeinden im Kirchenbezirk von Seiten der Landeskirche zu begleiten. Gemeinsam will man die entstehenden Lasten schultern. Das erfordere aber auch "ein Umdenken der einzelnen Gemeinden und letztlich der einzelnen Kirchenglieder". Der Pfarrplan 2018 könne auch als Chance begriffen werden, künftig mehr mit den Nachbargemeinden zusammenzuarbeiten und damit stärker mit ihnen zusammenzuwachsen, als dies seither vielleicht der Fall war. In Gemeinden stecke ein großes Potential an Menschen, die dort leben. Dieses auszuloten sei verstärkt Aufgabe im Zuge der Umsetzung des Stellenabbaus. "Dabei darf man natürlich auch niemand überfordern", sagte Friedemann Wenzke.

In der Landeskirche wird derzeit der Umgang mit Homosexuellen diskutiert. Es gibt einen Prälaturbeauftragten, der hier als Ansprechpartner fungiert. Auf der Synode stellte Pfarrer Jochen Stiefel dessen Aufgaben vor. Sie liegen in der Seelsorge homosexuell empfindender Menschen und deren Familien. Der Beauftragte diene als Ansprechpartner für Kirchengemeinden, Schulen, für Menschen, die Konfirmanden vorbereiten, und für alle die Materialien zum Thema suchen.

Das Amt des Diakons und sein Stand kam aufs Tablett. Die 1.300 Diakone im Land waren bisher nicht zentral bei der Landeskirche, sondern bei den Gemeinden oder Fördervereinen angestellt. Angesichts knapperer Mittel wird diskutiert, ob sie nicht mehr auf regionaler Ebene beschäftigt werden. Dies sei aber sehr umstritten, so Friedemann Wenzke.