Kommunalwahl Parteien kämpfen um Kandidaten

Für seine rege Diskussionskultur ist der Sachsenheimer Gemeinderat bekannt. Derzeit suchen die Parteien noch nach Kandidaten für die Wahl im Mai.
Für seine rege Diskussionskultur ist der Sachsenheimer Gemeinderat bekannt. Derzeit suchen die Parteien noch nach Kandidaten für die Wahl im Mai. © Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim / Frank Ruppert 05.12.2018

Das Wahljahr 2019 hat es in Sachsenheim in sich: Nicht nur wird im Februar das neue Stadtoberhaupt gewählt, wie in ganz Deutschland steht am 26. Mai auch die Wahl des Gemeinderats an. Von den 24 Gremiumsmitgliedern werden an diesem Tag 23 neu gewählt. Der Bürgermeister ist kraft Amtes auch Mitglied. Bis 28. März haben die Parteien Zeit, ihre Kandidatenlisten zusammenzustellen.

„Mein Eindruck ist, dass es schwieriger als 2014 ist, Leute für die Listen zur Kommunalwahl zu finden“, sagt Lars Weydt, CDU-Chef von Sachsenheim. Gleichwohl weiß er, dass es seiner Partei im Vergleich noch gut geht. Allerdings hören zwei Ratsmitglieder sicher auf. Friedrich Baumgärtner und Martin Dürr ziehen sich laut Weydt aus familiären Gründen zurück. Dürr spreche aber nur von einer „kommunalpolitischen Pause“, verrät Weydt. Im Februar sollen die Listen dann offiziell stehen. Noch fehlten allerdings einzelne Kandidaten, manche hätten sich auch Bedenkzeit erbeten, sagt Weydt. Das Thema Frauen im Rat beschäftigt auch Weydt, der gerne mehr weibliche Mitglieder im Gremium sehen würde. „Aber wir merken jetzt bei der Listenzusammenstellung auch wieder, dass es weniger Frauen als Männer gibt, die die Aufgabe angehen wollen, neben Beruf und Familie.“ Oft fehle auch das Interesse oder das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Weydt zeigt sich dennoch optimistisch, dass auch eine Reihe junger Frauen auf den Listen der CDU zu finden sein werden.

Beim Ziel für die Wahl zeigt sich Weydt bescheiden. Er wäre mit sechs Sitzen zufrieden, momentan hat die CDU sieben Vetreter in dem Gremium. „Es kommt auch darauf, ob es durch den neuen Parteivorsitzenden Rückenwind für uns gibt oder ob weiter ein Sturm tobt“, so Weydt.

„Wir sind noch mittendrin, der Abstimmprozess läuft noch, wir haben definitive Zusagen sind aber auch noch auf der Suche nach Kandidaten“, sagt Siegfried Jauß, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Die Gruppierung ist derzeit mit sechs Mitgliedern im Gremium vertreten. Wer davon aufhört oder sicher wieder kandidiert stehe noch nicht fest. Vorrangiges Ziel sei es, alle Listenplätze der einzelnen Wahlbezirk-Listen / Stadtteil-Listen vollständig zu belegen. Davon hänge dann auch ab, wer weitermache oder aufhöhre, so Jauß.

Mehr Frauen als Ziel

Insgesamt sei es im Vergleich zur Kommunalwahl von 2014 schwieriger, Kandidaten zu finden, analysiert Jauß, aber es gebe auch schnelle Zusagen für die Liste. „Wir haben den Fokus darauf, dass mehr Frauen im Gemeinderat präsent sein sollten, darauf ist auch bei uns die Suche nach Kandidatinnen ausgerichtet, es zeigt sich dies derzeit noch ungleich schwieriger“, erklärt der Fraktionsvorsitzende zu den Besonderheiten bei dieser Wahl.

„Noch haben wir nicht alle Kandidaten beisammen“, sagt auch Günter Dick, Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste Sachsenheim (GAL). Deshalb stehe auch noch nicht fest, wer erneut antrete und wer aufhöre aus der Reihe der aktuellen Gremiumsmitglieder. Generell sei es schwierig. Menschen unter 50 Jahren für das Ehrenamt zu gewinnen. „Bei uns kommt hinzu, dass sich viele Leute trotz aller Wahlerfolge der Grünen nicht öffentlich als Grüne outen wollen“, meint Dick. Und das, obwohl die GAL nicht an die Partei gebunden sei, sondern eine freie Wählervereinigung sei. Wohl im Februar sollen die Kandidaten offiziell feststehen. „Wir hoffen, dann eine volle Liste mit 23 Namen zu haben“, sagt Dick. Geht es nach dem Fraktionschef, soll es eine Liste mit einer Frau an der Spitze geben und abwechselnd Männer und Frauen dahinter kommen.

Auch die SPD hat ihre Listen noch nicht voll. „Wir hoffen, mit einer vollen Liste zur Gemeinderatswahl anzutreten“, sagt die Fraktionsvorsitzende Helga Niehues. Momentan hat die Partei im Sachsenheimer Gremium vier Sitze. Wer von den Mitgliedern weitermacht, steht laut Niehues noch nicht fest. Das hänge von der Kandidatenlage ab. Dass die schlechter sei als 2014, bestätigt auch die Sozialdemokratin. „Aber es war noch nie so, dass die Leute auf uns zugekommen sind, um für den Gemeinderat zu kandidieren“, fügt Niehues an. Als Problem sieht sie auch, dass viele Ratsmitglieder älter seien. Viele junge wollten sich nicht für fünf Jahre verpflichten. Zudem wisse man in jungen Jahren kaum, wo man in nächster Zeit wohne.

Ehrenamt als Chance

Ein anderes Thema für Niehues ist der geringe Frauenanteil im Gremium. Sie würde es gerne sehen, wenn die SPD-Liste abwechselnd mit Frauen und Männer besetzt sei, aber „die 50-Prozent-Quote kriegen wir auf keinen Fall hin“, zeigt sie sich realistisch. Auch wenn es schwer werde, die Liste voll zu bekommen, will Niehues „kämpfen bis zum letzten Tag“, um möglichst viele Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Auch wenn es zeitintensiv sein könne, biete es nämlich die tolle Möglichkeit, seine Kommune aktiv mitzugestalten. Die SPD will auch im Februar ihre Liste beisammen haben.

Die AfD hatte mal einen Ortsverein in Sachsenheim, ist momentan aber nicht im Gemeinderat vertreten. „Wir arbeiten daran, dass wir das wieder hinkriegen in Sachsenheim“, sagt der Kreisvorsitzende Gottfried Minnich. Für den Kreistag habe man schon eine Liste mit Kandidaten verabschiedet, bei den Gemeinderäten dauere das noch. Im Januar will man die Listen dort beisammen haben, auch für Sachsenheim. „Wir haben im Kreis jetzt rund 210 Mitglieder, Anfang des Jahres waren es etwa 150“, sagt Minnich und verweist darauf, dass die Kandidaten aus dem Mitgliederbereich rekrutiert werden.

Bislang nicht im Gemeinderat vertreten ist auch die Partei Die Linke: „Für den Wahlkreis 9, Sachsenheim, gilt, dass Die Linke zur Kreistagswahl sicher antritt. Für eine eigene Liste zur Gemeinderatswahl fehlen uns noch Wahlbewerber“, sagt Peter Schimke, Sprecher des Kreisverbands. Die Entscheidung eines Wahlantritts  in Sachsenheim sei deshalb noch offen. „Daraus wird ersichtlich, dass wir in Sachsenheim noch nicht eine entsprechende Mitgliederbasis haben“, so Schimke weiter.

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