Sachsenheim Parkrempler kommt teuer

HEIKE ROMMEL 15.01.2016
Entbindung schützt vor Strafe nicht: Eine Sachsenheimerin ist von einem Gericht in Abwesenheit verurteilt worden - wegen einer Unfallflucht. In etwa zur selben Zeit, als sie im Krankenhaus niederkam, setzte es eine Geldstrafe und ein Fahrverbot.

Ohne die Angeklagte ging vor dem Ludwigsburger Strafgericht jüngst eine Verhandlung wegen Unfallflucht über die Bühne: Die 33-Jährige brachte - überspitzt gesagt - während des Prozesses ihr zweites Kind zur Welt. Urteil: eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro und zwei Monate Fahrverbot als "Denkzettel" für einen Blechschaden beim Einkaufen.

Die 33-Jährige hatte am 4. September letzten Jahres kurz vor Mittag auf dem Ikea-Parkplatz im Tammerfeld mit ihrem Auto einen Parkrempler hingelegt, und der Staatsanwalt war zunächst einmal davon ausgegangen, dass sich der Fremdschaden auf über 2000 Euro beläuft. Eine Polizistin im Zeugenstand gab den Schaden aber vor Gericht mit nur etwa 1000 Euro an, sodass eine Entziehung der Fahrerlaubnis ab der 1300-Euro-Grenze nicht mehr zur Debatte stand.

Der Verteidiger der Sachsenheimerin beeilte sich, die Situation zu erklären, in der sich seine Mandantin zum Unfallzeitpunkt befunden habe. Es sei richtig, dass sie auf das andere Auto draufgefahren war. Aber die Angeklagte sei aus ihrem Wagen ausgestiegen, um einen Ikea-Mitarbeiter mit einem Block und einem Stift um Hilfe zu bitten. Die Frau habe gedacht, der Schaden an dem anderen Auto könne nicht allzu hoch sein. Wegen des quengelnden Kleinkindes auf ihrem Arm habe sie nur einen Zettel hinterlassen. Die Frau hätte aber an der Unfallstelle bleiben und die Feststellung ihrer Personalien ermöglichen müssen. Das beschädigte Auto gehört einer 46-jährigen Sulzbacherin, die im Möbelhaus über ihr Kennzeichen ausgerufen wurde. Zeugen hatten den Unfall beobachtet. Sie erzählten ihr später, sie hätten gesehen, wie die Angeklagte an ihrem Auto hängengeblieben sei.

"Auf den Zettel kommt's nicht an", befand der Staatsanwalt die Sachsenheimerin am Ende für schuldig. Er hielt ihr allerdings zugute, dass sie den Fremdschaden wieder gutgemacht und sich bei der Polizei gleich offenbart hatte. Der Ankläger stellte exakt den Strafantrag, der im Urteil herauskam, wobei der Verteidiger schon damit gerechnet hatte, dass er mit einer Reduzierung des Fahrverbots auf nur einen Monat nicht durchkommen würde, als er in seinem Plädoyer bemerkte: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht."