Theaterspaziergang Nicht viel spielen, machen

Das „Theater unter der Dauseck“ probt für das neue Stück „Kasimir und Karoline“ in Oberriexingen. Nicht nur das Wetter und die Akustik sind eine Herausforderung.
Das „Theater unter der Dauseck“ probt für das neue Stück „Kasimir und Karoline“ in Oberriexingen. Nicht nur das Wetter und die Akustik sind eine Herausforderung. © Foto: Martin Kalb
Von Sandra Bildmann 14.06.2018

Es beschreibt einen sozialen Spagat. Es zeigt die Gratwanderung zwischen gelungener und gescheiterter Kommunikation. Es skizziert das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Und natürlich geht es um Liebe. Das Volksstück „Kasimir und Karoline“ spielt laut Regieanweisung „in unserer Zeit“. Bei der Uraufführung war das kurz nach der Weltwirtschaftskrise um 1930. Das „Theater unter der Dauseck“ führt das Werk in Form seines Theaterspaziergangs ab Ende Juni auf der Enzinsel in Oberriexingen auf.

Seit Ostern proben 26 Laienschauspieler aus der Region intensiv. Für Regisseurin Christine Gnann ist es bereits der zehnte Theaterspaziergang, den sie mit dem „Theater unter der Dauseck“ entwickelt. Er ist in neun Szenen gegliedert, die in überschaubarer räumlicher Nähe auf der Enzinsel angesiedelt sind. Das Publikum läuft – wie bei dieser Darbietungsform gewohnt – während der Aufführung von Schauplatz zu Schauplatz.

Dieses Jahr kann die Theater-Crew einen direkten Nutzen aus dem Inselfest am kommenden Wochenende ziehen: Das große Zelt bleibt als Kulisse für eine der neun Szenen stehen. Bei ungünstiger Wetterlage könnte die gesamte Aufführung unter das Zeltdach verlegt werden, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür gering scheint: In der zwölfjährigen Geschichte des Theaterspaziergangs hat es nur zwei regenbedingte Vorstellungsausfälle gegeben.

Herausforderungen im Grünen

Draußen im Grünen zu spielen, berge, gerade für Laien zusätzlich eine Menge Herausforderungen, betont Gnann. Um einen Spannungsbogen halten zu können, müssten Szenen komprimiert und kompakt gestaltet sein. Außerdem werde es bei der vorhandenen Akustik nicht einfach, für jedermann verständlich zu sein. Daher wird bei den noch ausstehenden Endproben bis zur Premiere am 29. Juni entschieden, ob die Akteure mit Mikrofonen verstärkt werden.

Die volkstümliche Sprache sei gut gefeilt, meint Gnann und erklärt, dass man Textfassungen für Laien oftmals maßschneidern müsse. Bei „Kasimir und Karoline“ habe sie lediglich gekürzt, aber Texttreue bewahrt.

Elif Veyisoglu übersetzt das, was Christine Gnann in ihrer Regie fordert, für die Hobbyschauspieler, manchmal für jeden individuell. Die größte Herausforderung sei, dass sie aufhörten, spielen zu wollen, findet Veyisoglu, „Schauspiel ist nicht viel spielen, sondern sein und einfach machen: nicht so tun, als würde man jemanden rufen, sondern rufen.“

Bei einer öffentlichen Präsentation im Kraftwerk hat das Team das Projekt im November des letzten Jahres vorgestellt. Während bei anderen Produktionen des „Theater unter der Dauseck“ auch Profischauspieler eingesetzt werden, sind beim Theaterspaziergang nur Laien dabei. Damit jeder mitmachen kann, seien Rollen dazugedichtet worden, erzählt Gnann, die auf umfangreiche Erfahrung mit Laienschauspielern zurückblicken kann. Bei „Kasimir und Karoline“ wirken neben zahlreichen „Wiederholungstätern“ auch Neulinge sowie zwei Flüchtlinge mit. Der 23-jährige Bilal Hasaf, der 2015 aus Syrien nach Deutschland floh, habe in kürzester Zeit Deutsch gelernt, erzählt das Produktionsteam. Beim Theaterspaziergang mimt er den Kasimir – die Hauptrolle.

Info Zwischen dem 29. Juni und 5. August finden 17 Vorstellungen auf der Enz­insel in Oberriexingen statt. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Karten kosten 19 Euro, Schüler und Studenten zahlen 8 Euro. Für die öffentliche Hauptprobe am 27. Juni, 20 Uhr, können ermäßigte Karten im Oberriexinger Rathaus erworben werden.

www.theater-dauseck.de

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