Sachsenheim Neue Poller entzweien die Dorfgemeinschaft

Am besten so wie am vergangenen Wochenende wünschen sich die Ochsenbacher ihre Dorfstraße immer. Da war sie wegen des Dorfplatzfestes gesperrt. Kinder nutzten das für eine Partie Fußball neben den frisch errichteten Pollern.
Am besten so wie am vergangenen Wochenende wünschen sich die Ochsenbacher ihre Dorfstraße immer. Da war sie wegen des Dorfplatzfestes gesperrt. Kinder nutzten das für eine Partie Fußball neben den frisch errichteten Pollern. © Foto: Martin Kalb
Von Mathias Schmid 25.07.2018

Seit dem Wochenende sind sie angebracht: die Poller, die in der Ochsenbacher Dorfstraße für mehr Verkehrssicherheit sorgen sollen. Damit ist eine wesentliche Forderung der Initiative Verkehr-im-Kirbachtal erfüllt – allerdings nicht so, wie sich die Aktivisten das vorgestellt hatten. Denn die Optik der Poller sorgt für neuen Streit in der Kirbachtal-Gemeinde.

Dieter Köstlin, ein Initiator der Verkehrsinitiative ist einerseits zufrieden. Denn: „Für die Fußgänger ist die Sicherheit wesentlich erhöht. Damit ist ein wichtiges Ziel erreicht.“ Die Stadt hatte die Poller auf Anweisung des Landratsamts aufgestellt, nachdem die Verkehrsinitiative mit einer Reihe von Forderungen wieder und wieder Druck gemacht hatte (die BZ berichtete).

Fürs Landratsamt ist damit ein wesentlicher Teil der Verkehrssicherung erfüllt.  „Das Regierungspräsidium wie auch das Landratsamt forderten die Stadt auf, die vorhandenen Pflanzkübel an den Stellen zu entfernen, an denen durch die Pflanzkübel der Fußweg in der Breite so eingeschränkt war, dass mobilitätseingeschränkte Personen oder auch Personen mit Kinderwagen auf die Straße ausweichen mussten“, erinnert Sprecher Markus Klohr auf BZ-Nachfrage, „um dennoch das Überfahren des Gehwegs durch die Kraftfahrer wirkungsvoll zu unterbinden wurden die Poller angebracht. Da diese weniger Raum auf den Fußwegen einnehmen, sind beide Forderungen – Nutzbarkeit der Fußwege und Schutz vor Überfahren der Fußwege – erfüllt.“

Allerdings stört nicht nur Bewohner Köstlin die Optik der zirka 75 Zentimeter hohen orange-grauen Signalstangen – 219 Stück hat er davon gezählt. „Ob das so schön ist, ist die andere Frage“, gibt er zu bedenken.

Gestörtes Ortsbild?

Und mit dieser Meinung ist er nicht alleine, wie er berichtet. Viele finden, dass die neuen Abgrenzungen, die das Befahren der abgesenkten Gehwege verhindern sollen, so gar nicht ins Bild der von Fachwerkhäusern geprägten Dorfstraße passen. „Inzwischen ist etwas eingetreten, was wohl niemand wollte: trotz 350 Demonstrationsteilnehmern bläst der Initiative ein rauer Wind ins Gesicht“, sagt er. Und weiter: „Es gibt Leute, die aus der Initiative austreten wollen, auch diejenigen, die bisher ihre Autos auf den Gehwegen stehen hatten.“ Noch stehe aber die Mehrzahl der Leute hinter ihnen.

In einem Brief an das Landratsamt fragt Köstlin dennoch: „Soll das etwa eine beleidigte Reaktion des Landratsamts sein? Weil wir uns um den Zustand und die Nutzung der L 1110 im Kirbachtal Sorgen machen? “ Seine zusätzliche Befürchtung ist, dass vor allem LKW in Zukunft andere Ausweichrouten nehmen. „Der Verkehr wird wahrscheinlich schon beim Anblick des Poller-Zaunes sofort ab der Spielberger Straße Reißaus in Richtung Spielberg nehmen. Ist das gewünscht? Oder will man die Spaltung der Bürger in den verschiedenen Ortsteilen?“, fragt er weiter ans Landratsamt. Von der Verkehrsinitiative sei eine Verdrängung in andere Orte jedenfalls nie beabsichtigt gewesen.

Das Landratsamt will die Situation weiter beobachten – auch weil noch ein neues Parkkonzept fehlt, mit dessen Ausarbeitung die Behörde die Stadt ebenfalls beauftragt hatte. Dann soll auch darüber entschieden werden, wie mit möglichen Geschwindigkeitsreduzierungen in der Ochsenbacher Dorfstraße umgegangen wird. Derzeit herrscht nach wie vor übergangsweise Tempo 40. Zudem will die Stadt anhand der Ergebnisse des kürzlich vorgestellten Lärmaktionsplans nachts Tempo 30 erreichen. Auch darüber entscheidet letztlich das Landratsamt. Dieter Köstlin meint dazu übertrieben gesprochen: „Nachts können die LKW von mir aus mit 100 da durchfahren, da ist ja sonst niemand auf der Straße.“ Seine Mitstreiter und er halten ein ganztägiges Tempo-30-Limit für sinnvoll.

Der Verkehr im Kirbachtal und die Initiative

Die im vergangenen Jahr gegründete Initiative Verkehr-im-Kirbachtal hat neben der Ochsenbacher Dorfstraße den gesamten Verkehr im Kirbachtal im Blick. Vor allem ist den Beteiligten die aus ihrer Sicht die viel zu große Anzahl an Lastwagen, die über die Landesstraße 1110 fahren, ein Dorn im Auge. Am liebsten wäre den Mitstreitern ein LKW-Verbot.

Nach mehrfachem Drängen und Rückendeckung durch Ort­schafts- und Gemeinderat hatte das Landratsamt das Entfernen der Blumenkübel von den Straßen und stattdessen Poller und ein neues Parkkonzept von der Stadt gefordert.

Die Initiative ist laut Köstlin noch nicht zufrieden. „Zum Ende der Sommerferien wollen wir wieder eine Aktion starten“, kündigt er an. Unter anderem hält die Initiative mehrere Zebrastreifen in Ochsenbach für sinnvoll. msc

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