Sachsenheim Bezirksbeirat will neue Waldgruppe

Der Kleinsachsenheimer Bezirksbeirat will nun den Aufbau einer dritten Gruppe für die Betreuungsform Waldkindergarten forcieren, bevorzugt in Kleinsachsenheim.
Der Kleinsachsenheimer Bezirksbeirat will nun den Aufbau einer dritten Gruppe für die Betreuungsform Waldkindergarten forcieren, bevorzugt in Kleinsachsenheim. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 18.05.2018

Der Bedarf scheint gegeben: 20 Kinder musste die evangelische Kirche, Träger der beiden Waldkindergärten in Groß- und Kleinsachsenheim zuletzt abweisen. Der Kleinsachsenheimer Bezirksbeirat will nun den Aufbau einer dritten Gruppe für diese spezielle Betreuungsform forcieren, bevorzugt in Kleinsachsenheim. Am Dienstag wurde einheitlich ein entsprechender Antrag an die Verwaltung gestellt.

„Als wir vor 17 Jahren angefangen haben, hatten wir zwei Jahre Betriebserlaubnis. Damals hieß es: ‚Die Verrückten da draußen werden schnell wieder aufhören’“, erinnert sich Dagmar Eilenberger, Leiterin der beiden Waldkindergärten in Sachsenheim. Doch das Gegenteil war der Fall: Immer mehr Eltern wünschen sich für ihre Kinder diese Betreuungsform, bei der im Freien gespielt und geforscht wird.

Bei der Verwaltung sei der „Grundtenor positiv“, sagte der Stadtteilbeauftragte Timon Friedel. Und Sven Kaiser, stellvertretender Teamleiter für Bildung, Betreuung und Bürgerengagement betonte: „Die Verwaltung würde das Vorhaben so unterstützen.“ Diskutiert werden soll darüber spätestens vor den Sommerferien, wenn es um die weitere Bedarfsplanung für die Kindergärten geht.

Der Antrag geht auf die Freien Wähler im Kleinsachsenheimer Bezirksbeirat zurück. „Die Sachsenheimer Waldkindergärten sind eine hervorragende Einrichtung. Es hat sich gezeigt, dass die Art und Weise, wie die Kinder dort betreut werden, immer mehr Anklang findet“, sagt Antragsteller Oliver Bonczkowski.

Eine zusätzliche Waldkindergartengruppe könnte viele Vorteile mit sich bringen. Zum einen würde sie relativ kostengünstig Entlastung bei der Betreuung bringen. Mit rund 100 000 Euro sei man bei der Einrichtung der bisherigen Gruppen jeweils ausgekommen, berichtet Eilenberger. Außerdem könnte die spezielle Kindergartenform Entspannung bei der Personalproblematik bringen. Der Markt an Erzieherinnen ist leer gefegt, ist immer wieder zu hören. Für den Waldkindergarten gebe es dagegen immer wieder Initiativbewerbungen, berichtet die Kindergartenleiterin. Und: Eine solche Gruppe wäre binnen eines Jahres einzurichten, wenn ein Grundstück gefunden ist.

Genau da liegt allerdings einer der Knackpunkte. Denn nicht zum ersten Mal machen sich Verwaltung und Kirche auf die Suche nach einem Grundstück. „Das hört sich schnell und günstig an. Aber es gibt sehr hohe naturschutzrechtliche Auflagen und Belange“, erklärt Kaiser.  Deshalb könnte es sein, dass letztlich ein Standort in einem anderen Stadtteil gewählt werde. „Das wird bei der Stadt noch völlig offen diskutiert“, meint er. Großsachsenheims Pfarrer Dieter Hofmann sprach von schwierigen Gesprächen mit dem Landratsamt.

Dies alles steht immer unter der Prämisse, dass die Plätze tatsächlich angefragt werden. „Wir würden die Plätze vollkriegen“, ist sich Eilenberger sicher. Kaiser betont: Wir steuern insgesamt auf ein Platzdefizit zu. Das würde sicher entlasten.“ Dass andere Kindergartenplätze dadurch frei blieben, sei nicht zu erwarten.

Von der Grünen-Bezirksbeirätin Angela Brüx kam der Wunsch, zu prüfen, ob nicht gar eine Ganztagsbetreuung im Waldkindergarten nötig sei. Experte Kaiser entgegnete: „Im Ganztagesbereich gibt es noch mal ganz andere Anforderungen, was beispielsweise essen und schlafen angeht. Das ist eine ganz andere Dimension. Doch Waldkindergarten-Leiterin Eilenberger erinnerte sich: „Ich habe vor fünf Jahren ein fertiges Konzept für den Ganztag vorgelegt“, inklusive zweistöckiger Blockhütte mit Schlafmöglichkeiten und Küche. „Alles war schon vom Landratsamt abgesegnet.“ Doch die Stadt habe nur wenig Interesse gezeigt. Das Konzept könne sie aber jederzeit wieder vorlegen. Die Interessenten am Waldkindergarten würden durch ein Ganztagsangebot noch deutlich steigen, ist sie überzeugt.

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