Die Sachsenheimer Entscheidungsträger sowie die Feuerwehr sind sich einig: Das Projekt Kirbachtal-Feuerwehr muss kommen. So gab es auch in der vergangenen Gemeinderatssitzung fast einhellig Zustimmung zum vorgeschlagenen Standort der neuen gemeinsamen Feuerwache gegenüber des Brombergerhofs zwischen Hohenhaslach, Spielberg und Ochsenbach (die BZ berichtete) – jener drei Ortsteile, die feuerwehrtechnisch zusammengeführt werden sollen. Doch jetzt regt sich Widerstand: Der schwäbische Albverein spricht von einem „schwerwiegenden Eingriff in Natur und Landschaft“.

„Mit großer Überraschung“ habe hat der Albverein im Stromberggau der Presse entnommen, dass sich der Gemeinderat für diesen Standort ausgesprochen hat. Das Feuerwehrhaus werde „damit weit einsehbar von allen Seiten“ sein, lautet die Kritik. Für die Naturfreunde kommt das „einer Zerstörung des Landschaftsbilds“ gleich. Denn: „Das betroffene Gebiet liegt innerhalb von vier bedeutenden Schutzgebieten, dem FFH-Gebiet Stromberg, dem Vogelschutzgebiet Stromberg, dem Landschaftsschutzgebiet Kirbachtal und dem Naturpark Stromberg-Heuchelberg.“ Man könne „keinerlei Verträglichkeit mit den Zielen der Schutzgebiete erkennen“.

Die Stadt bleibt dabei: Der gewählte Standort ist am besten geeignet. Ein wichtiges Kriterium: „Die Feuerwehr war immer mit einbezogen und befürwortet den Standort.“ Und: Im Bereich des beschlossenen Standorts gebe es bereits jetzt landwirtschaftliche Bauwerke.

Alle Standorte, die wegen der Ausrückzeiten überhaupt in Frage kommen, liegen irgendwo um die Abzweigung nach Spielberg. Vom Gesetzgeber werden für zeitkritische Brände Eintreffzeiten der Feuerwehr im bebauten Bereich von höchstens zehn Minuten empfohlen. Der an der Landesstraße 1110 gegenüber des Brombergerhofs erwies sich aus Sicht der Planer von Feigenbutz Architekten aus Karlsruhe als am günstigsten. Dort ist die Verkehrssituation am übersichtlichsten: ein Stück fernab der Kreuzung, dazu kein Radweg, der gekreuzt werden muss. Auch die relativ flache Topografie kommt dem Bau entgegen.

Ein Thema, das noch gelöst werden muss ist der Naturschutz, gibt die Stadt zu. Zwar habe es im Vorfeld Umweltuntersuchungen gegeben, die keine grundsätzlichen Bedenken hervorgebracht hätten. Das Naturschutz-Gutachten des Landratsamts steht allerdings noch aus. Dennoch wird die Verwaltung, wie berichtet, bereits mit den Planungen beginnen, um Zeit zu sparen. Das birgt das Risiko, dass diese Planungskosten – die Rede ist von 100 000 Euro – am Ende umsonst waren. Auf der anderen Seite, drängt die Zeit, denn das neue Feuerwehrhaus sollte bezogen werden, ehe die alten renoviert werden müssen.

Der Albverein schlägt in seiner Erklärung auch einen Standort vor: nämlich links der L 1110 (aus Richtung Hohenhaslach gesehen) nach dem Abzweig nach Spielberg beziehungsweise dem Spielberger Bahnhöfle. „Hierbei könnte die Baufläche für die Feuerwache etwas in den dortigen Hang gelegt und damit das Bauwerk besser kaschiert werden.“ Auch diesen Standort habe die Stadt untersucht, betont Sprecherin Nicole Raichle. Das Ergebnis: „Die Fläche eignet sich nicht, da dort unter anderem die Topografie und die Zufahrtssituation mit Kuppe und Kreuzungsbereich schwierig sind.“ Wegen des Gefälles werde man auch  mit Nässe im und am Gebäude zu kämpfen haben. Zudem hat Feuerwehrkommandant Philipp Rousta die Stelle mehrfach abgefahren: das Ergebnis, so Raichle: „Wenn die Autos an dieser Stelle mit 70 Kilometern pro Stunde angefahren kommen, ist es für die Feuerwehr schier unmöglich auszurücken.“

Das neue Feuerwehrhaus – Zeit- und Kostenplan


Als Baubeginn für das neuen Feuerwehrhaus im Kirbachtal wird Herbst oder Winter 2020 anvisiert. Ein Bezug ist Mitte 2023 denkbar. Die Kosten werden auf rund 4,5 Millionen Euro geschätzt. Der Platzbedarf, inklusive Außenflächen, wird auf 4000 Quadratmeter beziffert. Die rund 1550 Quadratmeter Nutz- und Technikfläche des Gebäudes sollen auf zwei Stockwerke verteilt werden. Wie genau das Gebäude aussieht, soll ein Architektenwettbewerb erbringen. In der Jury werden dann neben Mitarbeitern der Verwaltung auch Architekten und Vertreter des Gemeinderats sitzen. msc