Vaihingen Neubau des Waldorfverein doch noch möglich

Die Vaihinger Waldorfschule will erweitern. Nach der Insolvenz des nahen Chemiebetriebes, zu dem ein Sicherheitsabstand gehalten werden musste, rückt eine Erweiterung nun in greifbare Nähe.
Die Vaihinger Waldorfschule will erweitern. Nach der Insolvenz des nahen Chemiebetriebes, zu dem ein Sicherheitsabstand gehalten werden musste, rückt eine Erweiterung nun in greifbare Nähe. © Foto: Martin Kalb
Vaihingen / MICHAELA GLEMSER 25.11.2015
Noch sind die Grundstücke des insolventen Unternehmens Connect Chemicals in Vaihingen nicht verkauft. Beim Waldorfverein hofft man, dass sich Neubaupläne doch noch realisieren lassen.

Eigentlich schien alles schon klar zu sein. Für rund 2,3 Millionen Euro wollten die Mitglieder des Waldorfvereins, wie in der BZ berichtet, auf ihrem Gelände im Gebiet "Fuchsloch" das bestehende Schulgebäude erweitern und um den Neubau eines Kindergartens ergänzen, der von der Stadtmitte in die Nachbarschaft der Schule verlegt werden sollte. Mit rund 1,2 Millionen Euro wollte die Stadt Vaihingen das ehrgeizige Projekt fördern, denn im Bedarfsplan der Stadt sind 20 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren im Waldorfkindergarten vorgesehen. Insgesamt vier Gruppen sollten im neuen Hort geschaffen werden.

"Derzeit können wir die Nachfrage, auch ohne die Plätze im Waldorfkindergarten, abdecken, aber wir erwarten in der Tendenz einen steigenden Bedarf", so Oberbürgermeister Gerd Maisch. Schließlich ist noch nicht klar, wann der Waldorfverein tatsächlich mit seinem Bauvorhaben beginnen kann. Die Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart hatten ihr Veto gegen dieses Projekt eingelegt, nachdem Fachleute des Landesamts für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Karlsruhe für den Neubau einen Abstand von mindestens 250 Metern zum benachbarten Unternehmen Connect Chemicals Production & Services GmbH eingefordert hatten.

Der Betrieb stellte Foto- und andere Feinchemikalien her und arbeitete unter anderem mit dem Gefahrenstoff Brom. Inzwischen jedoch ist das Chemieunternehmen insolvent. "Die Grundstücke des Betriebs sind zwar noch nicht verkauft, aber unter den Interessenten ist bislang keiner, der dort erneut einen Chemiebetrieb führen möcht"", betont die Rechtsanwältin und zuständige Insolvenzverwalterin Heike Metzger aus Heilbronn.

Damit könnten die Mitglieder des Waldorfvereins ihr ursprüngliches Bauvorhaben doch noch in die Tat umsetzen. "Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung, aufgrund der ein Mindestabstand zum Gelände des Waldorfvereins notwendig ist, verliert ihre Gültigkeit, wenn sie drei Jahre nicht genutzt wird", macht Maisch deutlich.

Verzichtet der künftige Eigentümer der Grundstücke des insolventen Chemieunternehmens auf diese Genehmigung, steht einem Baustart erst einmal nichts mehr im Wege. "In diesem Fall läuft ein normales Baugenehmigungsverfahren, zu dem keine Beteiligung der Verantwortlichen des Regierungspräsidiums notwendig ist", so Maisch. Nur wenn erneut ein Chemiebetrieb die Grundstücke aufkaufen würde, wonach es bislang nicht aussieht, könnte dieser die Sondergenehmigung für den Umgang mit Gefahrenstoffen einfach übernehmen.

Dass die "Connect Chemicals Productions & Services GmbH" am Standort Vaihingen scheiterte, führt Insolvenzverwalterin Metzger vor allem auf ein Ereignis zurück. Im September vergangenen Jahres kam es zu einem Störfall mit Ameisensäure, bei der alle Mitarbeiter evakuiert werden mussten. "Das Unternehmen hatte zuletzt 26 Mitarbeiter, und der eingeleitete Umstrukturierungsprozess im Unternehmen, weg von der Fotochemie hin zu anderen chemischen Produkten, war auf einem guten Weg. Durch den Vorfall wurde jedoch dieser Prozess unterbrochen. Die Liquiditätslage war daraufhin sehr angespannt. Es kam zum Insolvenzantrag", so die Rechtsanwältin.

Heike Metzger rechnet damit, dass die Grundstücke im kommenden Jahr verkauft werden. Noch gilt es daher für die Mitglieder des Waldorfvereins, abzuwarten und zu hoffen.

Teil der Agfa-Gruppe

Chemie Die Firma "Connect Chemicals Productions & Services GmbH" war im Jahr 2008 aus dem Unternehmen "a&o imaging solutions GmbH" hervorgegangen, das damals vergeblich versucht hatte, eigene Fotochemikalien und deren Vertrieb mit Servicedienstleistungen für Fotolaborgeräte zu verbinden.

Bis im Herbst des Jahres 2005 war der Chemiebetrieb Teil der großen Agfa-Gruppe und auf die Produktion von Fotochemikalien spezialisiert.

 

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