Sachsenheim Nach der Schweinefleischdebatte: Wie verköstigen Kitas hierzulande?

Schweinehälften in einer Großfleischerei. In Kitas hierzulande wird immer weniger Fleisch serviert.
Schweinehälften in einer Großfleischerei. In Kitas hierzulande wird immer weniger Fleisch serviert. © Foto: dpa
Sachsenheim / CAROLINE HOLOWIECKI 08.03.2016
Im Norden haben einige Kantinen und Kitas mit ihrem Verzicht auf Schweinfleisch, auch aus Rücksicht auf Muslime, von sich reden gemacht. Hierzulande zeigt sich ebenfalls: An Fleisch wird zunehmend gespart, vor allem an Schwein.

Das Thema hat in sozialen Netzwerken mittlerweile sogar einen eigenen Hashtag bekommen. Unter #Schweinefleischpflicht wird seit Tagen über den Vorstoß der CDU in Schleswig-Holstein diskutiert. Die hatte sich dadurch hervorgetan, dass sie sich gegen den Trend einiger Kitas, Mensen und Kantinen starkmachte, die sich dazu entschlossen haben, Schweinefleisch zu streichen - vor allem aus Rücksicht auf Muslime.

"Bei uns ist das kein Thema. Der Caterer bietet immer zwei Gerichte alternativ an, eines davon ist vegetarisch", erklärt Birgit Scheurer, die bei der Stadtverwaltung Vaihingen die Abteilung Bildung, Erziehung, Sport leitet. In Vaihingen betrachte man die Speisepläne rein aus ernährungswissenschaftlicher Sicht und ideologisch befreit. Ziel: eine variantenreiche Kost, und dazu gehöre auch Schwein, selbst wenn im Schnitt für 30 Prozent Kunden mit Migrationshintergrund gekocht werde. "Jeder ist so subjektiv in seiner Ernährung. Allein die Allergien sind so vielfältig. Wenn wir uns darum kümmern sollten, das wäre gar nicht leistbar", sagt Birgit Scheurer.

In den kommunalen Kitas und der Schulmensa in Sachsenheim werden täglich auch vegetarische Gerichte angeboten, erklärt Nicole Raichle, die Rathaussprecherin. Und an Fleisch wird grundsätzlich gespart. "Ziel ist es, vor allem in den Kitas möglichst wenig Fleisch auf den Teller zu bringen und wenn, dann vor allem helles Fleisch, zum Beispiel Geflügel", sagt sie. Dies ist auch in den Verpflegungsstandards festgehalten. Darin ist nachzulesen, dass beispielsweise im Kinderhaus Mobile nur zweimal die Woche Wurst oder Fleisch serviert werden, und dann vor allem Geschnetzeltes oder Hähnchenschnitzel. "Aus gesundheitlichen Gründen", sagt Nicole Raichle und fügt hinzu: "Aus Kostengründen bestimmt nicht. Fleisch ist häufig günstiger als gutes Gemüse." Einmal die Woche gibt's zudem Fisch.

Die städtischen Kindergärten und -häuser in Bietigheim-Bissingen werden von zwei Dienstleistern beliefert, und einer bietet grundsätzlich kein Schweinefleisch an, berichtet Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadt. "Vermutlich, um Konflikte zu vermeiden", sagt sie. Denn neben Muslimen lehnten zunehmend auch andere Konsumenten Schweinefleisch ab. Und auch der zweite Lieferant, der die Kleinkinder in Bietigheim-Bissingen verköstigt, hat laut Anette Hochmuth nur "ab und zu" Schwein im Topf und grundsätzlich immer eine vegetarische Variante dabei.

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