Sachsenheim Nach Demo: Diskussion um Fairness

Bei der Demonstration am Dienstag kam es zu Anschuldigungen und Anfeindungen.
Bei der Demonstration am Dienstag kam es zu Anschuldigungen und Anfeindungen. © Foto: Helmut Pangerl
Mathias Schmid 11.08.2017

Es war gegen Ende der Demonstration gegen die Unterbringung der Flüchtlinge in den Containern bei der Gemeinschaftsschule Sachsenheim. Die Diskussion hatte sich schon aufgeladen. Ein Familienvater wollte in harrschem Ton von der Stadtverwaltung wissen, ob und wie sie die Sicherheit seiner Familie gewährleisten könne (die BZ berichtete). Da schaltete sich der städtische Personalrat Gerhard Neuberger aus dem Hintergrund ein.

Was genau die Worte waren, lässt sich von der BZ nicht rekonstruieren. Jedenfalls wurde Gerhard Neuberger anschließend im sozialen Netzwerk Facebook vorgeworfen, dass er sich „ziemlich daneben benommen hat, als er die friedlichen Leute als rechtsradikal beschimpft hat“, wie es ein Nutzer in einer geschlossenen Gruppe in dem sozialen Netzwerk formuliert.

Der langjährige Stadtjugendpfleger wehrt sich dagegen. Er habe gesagt: „Jetzt hört’s aber auf mit den rassistischen Sprüchen.“ Denn besagter Familienvater habe im Zusammenhang mit dem Sicherheits-Aspekt von der Gefahr, die von „den Flüchtlingen“ ausgehe, gesprochen. Er verstehe die Sorgen und Anliegen der Menschen. Aber alle über einen Kamm zu scheren, geht für ihn nicht. „Für mich ist das Rassismus. Man weiß doch gar nicht, wer da kommt“, sagt er.

Der Sprecher der Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule, Ludger Ignaszak, bestätigt, dass das Wort „rassistisch“ gefallen sei. „Das war so was von unpassend. Der Mann war aufgebracht und hatte Sorge um seine Familie. Mit Rassismus hat das überhaupt nichts zu tun. Ihn in die rassistische Ecke zu stellen, halte ich für komplett verfehlt“, kritisiert er.

Die Veranstalter brachen auch daraufhin die Demo ab und lobten das Verhalten der Demonstranten. Dabei waren auch sie immer wieder den Rednern der Stadt ins Wort gefallen. „Die Stimmung war aufgeheizt. Ob das immer fair war, weiß ich nicht“, sagt Ludger Ignaszak. Für ihn aber auch eine Folge dessen, dass „im Vorfeld nicht fair gehandelt wurde. Das Thema stinkt zum Himmel. Wir wollen nicht Versuchskaninchen spielen.“

Die Stadt hatte jüngst binnen eines Tages beschlossen, zunächst 15, in den nächsten Monaten aber bis zu 80 Flüchtlinge – so die neueste Zahl vom Dienstag – in der Anschlussunterbringung in die Container einziehen zu lassen. Diese waren eigentlich ab nach den Sommerferien als Ausweich-Klassenzimmer für die Gemeinschaftsschule (wird umgebaut) gedacht. Da sich der Umbau aber ohnehin verzögere, so die Stadt, entschied sie sich für diese Variante.

Für Sportverein okay

Für Max Layer, stellvertretender Vorsitzender des TV Großsachsenheim, bestehen zumindest aus Sicht des Sportvereins keine Einwände gegen die Unterbringung in den Containern, die sich auch in unmittelbarer Nähe zum Sportpark des TVG befinden. Auch dieser Einwand war bei der Demo gekommen, dass (junge) Frauen dann ihrem Sport nicht mehr nachgehen könnten. „Wir arbeiten ja auch mit dem Arbeitskreis Asyl zusammen. Ich persönlich sehe das nicht als negativ an.“ Beim TVG turnen beispielsweise Flüchtlinge in der Jedermann-Gruppe, aber auch in anderen Bereichen, wie dem Sport- und Spieletag. „Wir haben da keine negativen Erlebnisse“, sagt Max Layer. Aber auch er betont: „Die Vorgehensweise und Kommunikation (der Stadt, die Red.) ist natürlich fragwürdig.“