Sachsenheim Musikgenuss im Campingsessel am Großsachsenheimer Waldrand

Das Duo „CharlAnder“ spielte klassische Musik am Waldrand. In dieser Szene wartet Christina Charlotte Vetter rechts, während Cornelius Alexander Fauth musiziert.
Das Duo „CharlAnder“ spielte klassische Musik am Waldrand. In dieser Szene wartet Christina Charlotte Vetter rechts, während Cornelius Alexander Fauth musiziert. © Foto: Richard Dannenmann
Sachsenheim / SANDRA BILDMANN 15.08.2016
Ungewöhnliches Konzerterlebnis: Am Samstag hörten etwa 70 Sachsenheimer klassische Musik am Waldrand.

Grün und Blau scheinen die Lieblingsfarben von Flugameisen zu sein. Jedenfalls attackierten sie am Samstagabend in Großsachsenheim Konzert-Zuhörer, die Kleidung dieser Farben trugen. Das kann den Musik-Genuss durchaus trüben. Das Duo „CharlAnder“ hatte sich für sein Klassik-Konzert einen ungewöhnlichen Open-Air-Schauplatz herausgesucht: den Waldrand. Auf dem Gelände des Waldkindergartens musizierten die beiden etwa eineinhalb Stunden lang.

Einige Kinderbänke waren aufgestellt, das Publikum war jedoch im Vorfeld dazu aufgerufen worden, selbst Sitzgelegenheiten mitzubringen, so dass sich ein illustres Bild von Klappsitzen, Liegestühlen, Angler- und Campingsesseln bot. Bei guten Witterungsverhältnissen fanden rund 70 Interessierte den Weg zum Konzert.

„CharlAnder“, bestehend aus Christina Charlotte Vetter und Cornelius Alexander Fauth aus Bad Rappenau, präsentierte ein Programm mit Klavier- und Cellomusik von Barock bis Spätromantik, eine Zusammenstellung der Lieblingsstücke Fauths. Im Zentrum standen Werke des großen Meisters Johann Sebastian Bach, die 2. Gambensonate und drei Praeludien aus den Suiten für Cello solo, darunter auch das berühmte Praeludium in G-Dur aus der 1. Suite. Cornelius Alexander Fauth spielte hauptsächlich Cello, war aber auch dreimal solistisch am Klavier zu hören: bei einem lyrischen Stück für Klavier von Edvard Grieg, einem Nocturne von Frédéric Chopin und dem populären Impromptu in As-Dur von Franz Schubert. Hierbei fühlte sich Cornelius Alexander Fauth sichtlich wohl, die perlenden Töne im Hauptthema verschmolzen zu einer fließenden Einheit. Christina Charlotte Vetter begleitete am Klavier bei den beiden Sonaten von Bach und Willem de Fesch sowie bei der Sinfonia in F-Dur von Giovanni Battista Pergolesi, alles Vertreter des Barock, mit musikalischem Gespür.

„Wir sind der Meinung, dass die Musik mal rausmuss“, so Vetter und verwies auf das zwanglose Ambiente, vor allem in Bezug auf Kinder, die sich bewegen könnten und nicht stillsitzen müssten. Das Open Air am Wald war nicht ihr erstes und soll auch nicht das letzte Konzert in exotischem Rahmen gewesen sein, so die Musikern.

Der außerordentliche Schauplatz „unterm Blätterdach“, wie die Veranstaltung im Rahmen des städtischen Kulturprogramms genannt wurde, bringt einerseits Abwechslung in die Konzertlandschaft, fordert andererseits auch Opfer: So kann im feuchten Waldklima kein hochwertiges Klavier genutzt werden, was klanglich nicht verborgen blieb. Die Gesamtakustik war dennoch überraschend klar. Das Publikum war vom ungewöhnlichen Erlebnis begeistert, auch wenn Fauth beim Cellospiel des Öfteren intonatorische Unsauberkeiten offenbarte. Das Duo „CharlAnder“ dankte für den Applaus mit einer Zugabe.

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