Sachsenheim Musik der fallenden Eicheln

Revierförster Burkhard Böer (vorne rechts) führte eine Gruppe durch den Kleinsachsenheimer Wald und erklärte den historischen Nutzen des Waldes sowie die heutigen Bemühungen, um den Wald zu erhalten. Erste Reihe rechts: Gundula Gmeling vom Landratsamt.
Revierförster Burkhard Böer (vorne rechts) führte eine Gruppe durch den Kleinsachsenheimer Wald und erklärte den historischen Nutzen des Waldes sowie die heutigen Bemühungen, um den Wald zu erhalten. Erste Reihe rechts: Gundula Gmeling vom Landratsamt. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Lena Dagenbach 02.10.2018

Der Kleinsachsenheimer Wald macht mit 150 Hektar ein Achtel des Stadtwalds Sachsenheim aus. Burkhard Böer, der zuständige Revierförster, führte am Freitagnachmittag im Rahmen des traditionellen Waldgangs den Großholzdistrikt vor.

Zu Beginn der Waldbegehung wurden die Teilnehmer von Bürgermeister Horst Fiedler, Gundula Gmeling, der Leiterin des Fachbereichs Forsten beim Landratsamt Ludwigsburg, begrüßt. Revierförster Böer führte daraufhin die Gruppe in den Wald hinein, der aus Buchen, Fichten, Eschen und Eichen besteht.

42 Prozent Eichen

Die Eichen machen 42 Prozent des Kleinsachsenheimer Waldes aus. Davon seien über die Hälfte über 100 Jahre alt, erklärte Böer. Der Revierförster leitete das Thema des diesjährigen Waldbegangs, „Waldbau gestern, heute und morgen. Die Vielfalt unserer Wälder und der forstliche Umgang damit“, ein. Der Kleinsachsenheimer Wald diente als Mittelwald, erklärte Böer. Der Jungwuchs wurde maximal 15 Jahre alt, denn Holz war damals der einzige Energieträger. Das Oberholz wurde stehen gelassen, um es später als Bauholz zu verwenden. So kommt es, dass die Eichen dort bis zu 160 Jahre alt sind. Hausschweine, die sich von den Eicheln ernährten, wurden in den Wäldern gehalten. „Daher kommt auch das Sprichwort: Auf Eichen wachsen die besten Schinken“, wirft Gmeling ein. Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte Kohle das Holz als Energielieferanten. Das markierte das Ende des Mittelwaldes.

Der Förster erklärte die heutige Verwendung der Eichen: Die Äste werden als Brennholz genutzt, das Stammholz wird zu Bahnschwellen verarbeitet. Aber auch zum Bau von Pfählen oder Fachwerkbauten eignet sich Eichenholz. Das Bietigheimer Hornmoldhaus sei ein Beispiel dafür. Aus dem Holz weiter unten am Stamm werden Holzböden angefertigt sowie Möbel. Der unterste und wertvollste Teil des Stammes wird zu Holzfässern verarbeitet. Trotz der vielen Industrie gibt es noch Arbeitsplätze in der Holzbranche, sagte Böer. Vom Forstbetrieb über Sägewerke und Zimmerer und den Möbelverkauf – Holz spielt damals wie heute eine große Rolle.

Der Wald als Wildpark

Im 19. Jahrhundert diente der Wald in Kleinsachsenheim als Wildpark des Freudentaler Schlosses. Damals wuchsen Sträucher, und edle Holzarten  verschwanden. Die Dornen seien das Problem des Kleinsachsenheimer Waldes, erklärt Böer, von Brombeeren bis Rosen. „Dornröschen lässt grüßen.“, scherzte der Förster. Wenn sie nicht eingreifen würden, wären die jungen Eichen, die gerade einmal dreißig Zentimeter hoch sind, innerhalb von zwei bis drei Jahren tot, erklärt er. Daher entschied der Forstbetrieb Sachsenheim, die Dornen auf den drei Hektar Wald zu entfernen, um den Eichen ein ungehindertes Wachstum zu ermöglichen. Im Frühjahr 2019 zäunen die Förster diesen Teil des Waldes ein. Bis zu zehn Jahre bleiben die Zäune stehen und es wird nicht eingegriffen. Böer drückte seine Hoffnung aus, dass nicht alle Eicheln, die auf den Boden fallen, taub sind und genügend Jungeichen nachwachsen. „Fallende Eicheln sind wie Musik in den Ohren eines Försters“, sagt er. Wenn die Zäune wieder weg kommen, sind die Bäume hoffentlich bis zu sieben Meter hoch gewachsen, erklärt er. „Somit gewährleisten wir heute, dass die nachfolgenden Generationen keinen absterbenden Wald vorfinden werden.“

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