Sachsenheim/Vaihingen Montags Volksbank, dienstags Sparkasse - Wie Banken auf dem Land improvisieren

 
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Sachsenheim/Vaihingen / CAROLINE HOLOWIECKI 05.03.2016
Kaum Frequenz, wenige Einwohner: Für Banken wird es immer schwieriger, ihre Filialen im ländlichen Raum zu halten. Mit alternativen Konzepten wird versucht, die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Wer im Vaihinger Stadtteil Aurich Geld vom Sparbuch abheben möchte, muss erst in den Kalender schauen. Montags und donnerstags haben Kunden der Kreissparkasse Ludwigsburg das Nachsehen, Kunden der VR-Bank Neckar-Enz hingegen schauen dienstags und freitags in die Röhre. Beide Banken teilen sich personell eine Filiale. Die halbe Woche bedient die Sparkasse, die andere Hälfte die Volksbank.

Es ist nicht die einzige Kooperation der Finanzinstitute, wie Alexander Schmid, der VR-Bank-Sprecher, erklärt. So gibt es in Häfnerhaslach seit Oktober 2013 eine gemeinsame SB-Filiale - unterschiedliche Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker in einem Raum. "Ziel war die Bündelung der Kräfte sowie den Anspruch zu erfüllen, den Menschen vor Ort weiterhin Finanzdienstleistungen anzubieten", erklärt KSK-Sprecher Martin Lober. Schmid von der VR-Bank nennt indes das Kind beim Namen: Aus ökonomischen Gründen habe man sich dazu entschlossen. Eine Vollservice-Filiale im ländlichen Bereich zu unterhalten, rechne sich oftmals nicht. Faktoren laut Schmid: die Kundenfrequenz, die Einwohnerzahl, auch die Umgebung, denn "wenn da nichts ist, wo ich mein Geld ausgeben kann, dann muss ich auch seltener welches abheben". Und auch der gemeinsame Automaten-Raum rechne sich aus VR-Sicht nicht, diene eher dem Service und der Aufrechterhaltung der Struktur als dem Geschäft. Schmid: "Wir sind froh, wenn wir dort eine schwarze Null haben."

Stattdessen setzten Banken wie die VR-Bank drauf, sich an gut frequentierten Stellen zu positionieren. Schmid nennt ein Beispiel: Auf dem Edeka-Parkplatz in Großsachsenheim hat seine Bank einen sogenannten SB-Würfel - einen Geldautomaten - installiert. Kreativität sei gefragt. So habe es bei der VR-Bank Neckar-Enz bereits Überlegungen gegeben, an stark befahrenen Straßen Drive-in-Schalter zu installieren. Realisiert wurde die Idee indes bis heute nicht, fügt Schmid an.

Die Bedürfnisse der Kunden haben sich schlicht verändert. Die Nutzungszahlen des Online-Bankings steigen stetig. "Das gilt genauso für die zunehmende Bedeutung des mobilen Bankings über Smartphones und Tablets. Dementsprechend verändert sich die Nutzung der Filialen bezüglich dieser einfachen Bankgeschäfte", erklärt Lober von der KSK. Die Anzahl der Filialen werde in den nächsten Jahren "sicherlich etwas zurückgehen". Konkrete Zeitpläne für Zusammenlegungen gebe es aber nicht, so Lober. Stattdessen setze man zunehmend auf alternative Lösungen. So wird laut Lober bei der KSK aktuell die Videoberatung eingeführt, chatten kann man mit seinem Berater jetzt schon. Nicht alles aber wird angenommen. Der Geld-Bringdienst in Metterzimmern zum Beispiel wurde seit seiner Einführung im Juli 2015 nur zehnmal genutzt.

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