Ungewöhnliche Sportarten Mit dem Stock zur Daube

Der erste Vorsitzende des ersten Stockschützenvereins Sachsenheim, Peter Bechtler, befördert den Stock in Richtung Zielkreis.
Der erste Vorsitzende des ersten Stockschützenvereins Sachsenheim, Peter Bechtler, befördert den Stock in Richtung Zielkreis. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Michaela Glemser 23.06.2018

Peter Bechtler schwingt seinen Stock mit dem rechten Arm hin und her, visiert die Daube an, macht mit dem linken Bein einen Ausfallschritt nach vorne und lässt den Stock los. Dieser gleitet die Bahn entlang und kommt in unmittelbarer Nähe der Daube, dem Zielpunkt, zum Stehen. Ein guter Versuch auf dem Vereinsgelände der Sachsenheimer Stockschützen am Fuße der Hohenhaslacher Weinberge.

Bernhard Wycisk ist es zu verdanken, dass in Sachsenheim diese nicht ganz alltägliche Sportart gepflegt wird. Als der gebürtige Österreicher ins Schwabenländle zog, hatte er zehn Eisstöcke im Gepäck. In der Alpenrepublik ist diese Freizeitbeschäftigung in der kalten Jahreszeit sehr beliebt. Schnell fand Wycisk Mitstreiter, die sich auf dem zugefrorenen Hohenhaslacher See Wettkämpfe lieferten. Unter ihnen war auch Peter Bechtler, der am 4. Mai 1997 Erster Vorsitzender des neu gegründeten 1. Stockschützenvereins Sachsenheim wurde.

Schnell wuchsen die Mitgliederzahlen an. Die alten Holzstöcke Wycisks gehörten bald der Vergangenheit an. „Die Stockkörper sind inzwischen aus Kunststoff mit einem Stahlring. Es gibt sie in unterschiedlichen Gewichtsklassen von 3,56 bis 3,86 Kilo“, erläutert Peter Bechtler. Die verschiedenfarbigen Laufplatten beeinflussen die Geschwindigkeit. Selbst die Stiele aus Stahl oder Kunststoff kann jeder Stockschütze nach seinen Vorlieben auswählen.

Für einen Stock zahlt man einen mittleren dreistelligen Betrag. „Sonst braucht ein Stockschütze keine große Ausrüstung, denn feste Sportschuhe genügen“, macht Peter Bechtler deutlich und blickt auf den Trainingsbetrieb auf den drei jeweils 28 Meter langen vereinseigenen Bahnen, die inzwischen mit Betonpflastersteinen belegt sind. Dieser Untergrund setzt sich gegenüber dem früher üblichen Asphalt immer mehr durch. Während die Sachsenheimer Stockschützen in ihren Anfangsjahren noch auf einem Parkplatz beim Eichwald-Gelände spielten, sind sie seit Herbst 1999 Besitzer eines eigenen Vereinsgeländes mit schmuckem Vereinsheim für Treffen.

Der Verein ist in der Stadt fest verankert. Es gibt Jedermannturniere und seit zehn Jahren eine AG an der Kirbachschule in Hohenhaslach. Nachwuchs können die Stockschützen trotzdem gebrauchen. Das Durchschnittsalter der derzeit 74 Vereinsmitglieder liegt bei über 60 Jahren. „Neben den Jugendlichen suchen wir Menschen ab 30 bis 40 Jahren“, betont Peter Bechtler. Die Sachsenheimer Stockschützen spielen auch mit befreundeten Stockschützen aus Bad Friedrichshall, Glashütte, Kupferzell und Ebhausen in einer Trainingsliga. Es gibt Bundesligen in Deutschland, die die Vereine aus Bayern dominieren.

www.stockschützen-sachsenheim.de

Stockschießen – so funktioniert’s

Eine Partie Stockschießen hat sechs Kehren. „Eine Bahn wird dabei in beide Richtungen genutzt, dreimal hoch und dreimal runter“, erklärt Peter Bechtler, der Vorsitzende der Hohenhaslacher Stockschützen. Eine Mannschaft besteht in der Regel aus vier Spielern, die versuchen, ihren Stock möglichst nahe an der Daube zu platzieren. Diese schwarze Scheibe mit zwölf Zentimetern Durchmesser liegt auf dem Mittelkreuz im sechsmal drei Meter großen Zielfeld. Die Daube kann mit einem Stock verschoben werden. Der Stock, der am Ende eines Durchgangs am nächsten an der Daube ist, zählt drei Siegpunkte. Jeder weitere Stock derselben Mannschaft, der sich näher an der Daube befindet als der nächste Stock des Gegners, erhält zwei Punkte.

Nach sechs Kehren werden alle Punkte gezählt. Der Sieger des Spiels bekommt zwei Gewinnpunkte, bei einem Unentschieden gibt es für jedes Team einen Punkt. Sieger wird, wer am Ende die meisten Gewinnpunkte hat. „Ein guter Stockschütze braucht nicht viel Muskelkraft. Es kommt auf die richtige Technik an“, so Bechtle. mig

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