Als kürzlich die Gewässer über die Ufer traten, ging es im nördlichen Landkreis noch glimpflich aus. Beim letzten großen Hochwasser 2013 hieß es dagegen vielerorts: Land unter. Seither beschäftigt sich auch die Stadt Sachsenheim mit besserem Schutz vor solchen Ereignissen. Experten schlagen Maßnahmen für insgesamt 322 000 Euro vor. Entsprechende Haushaltsmittel sind bereits eingestellt. Sobald der Gemeinderat freies Licht gibt, soll losgeplant werden, sagt die Stadt.

Als Jahrhunderthochwasser wurde das Hochwasser im Juni 2013 eingestuft, das an der Metter zu beträchtlichen Schäden und auch im Unterlauf der Metter zu Überflutungen in den Ortslagen Gündelbach, Horrheim, Sersheim, Sachsenheim und Bietigheim-Bissingen führte. Überall waren Wohnhäuser, Firmengebäude und Rathäuser vollgelaufen sowie Straßen, Parkplätze oder Wiesen überschwemmt, gar Autos davongetragen worden. Schon im Dezember 2014 beschloss der Technische Ausschuss, dass sich die Stadt Sachsenheim an der Flussgebietsuntersuchung der Metter und ihren Seitengewässern beteiligt. Die Ergebnisse des Inge­n­ieurbüros „Wald + Corbe“ liegen nun vor.

Mehrere Gewässer untersucht

Untersucht wurde die Hochwassergefährdung durch die Metter, den Kirbach, das Tannenbrunnenbächle sowie durch den Selterbach in Groß- und Kleinsachsenheim, Hohenhaslach, Ochsenbach und Häfnerhaslach.

Eine Problemstelle ist in Großsachsenheim in der Talniederung oberhalb der Mündung des Kirbachs. 1990 und 2013 stand hier alles unter Wasser. „Dieser Bereich ist sehr stark gefährdet. Wir sehen eine zehnjährige Überflutungsgefahr“, meinen die Experten des Ingenieurbüros. Als Ursache haben die Experten eine ganz einfache Lösung ausfindig gemacht: Der zum Supermarkt gehörige Parkplatz wurde aufgefüllt. Dadurch hat der Fluss nicht genügend Platz nach links und rechts. Der Pegel steigt daher unverhältnismäßig schnell.

Zwei Maßnahmen sollen das in Zukunft verhindern: Bereits bevor die Metter am Edeka-Supermarkt vorbeifließt, soll das Ufer links durch einen Damm oder eine Mauer erhöht werden. Beim Parkplatz soll dann das Ufer möglichst nahe an die Parkfläche hin zurückgenommen werden, sodass bei Hochwasser ein breiteres Flussbett zur Verfügung steht. Die Kosten werden auf insgesamt 180 000 Euro geschätzt.

In Ochsenbach wird im Bereich des Tannenbrunnenbächles bei einem Jahrhunderthochwasser von partiellen Gefährdungen oberhalb der Spielberger Straße ausgegangen. Einzelne Häuser könnten hier überflutet werden, so die Annahme. Hier kommt aber hinzu, dass nicht der gesamte Bach vermessen ist. Unter anderem soll das Flussbett hier ertüchtigt werden: Wurzelstöcke führen zu Aufstauung und Abbrüchen am Ufer. Auch Rohre, die das Bächle unter Straßen durchführen, sollen ausgetauscht werden. Insgesamt sind hierfür 37 000 Euro veranschlagt.

Schließlich soll auch der Selterbach in Häfnerhaslach gegen Hochwassers fit gemacht werden. Als Hauptproblem wurden hier Gehölz, Geröll und Schlamm ausfindig gemacht, das den Lauf des Flusses stört. Ein Sedimentfang und Rechen für insgesamt 105 000 Euro sollen dieses in Zukunft aufhalten. Der Ortschaftsrat Hohenhaslach moniere die Zustände hier jedes Jahr, hieß es aus dem Gremium. „Man sieht ja wie wunderbar das gemacht wird“, klagte einer der Räte bezüglich der Umsetzung vom Bauhof. Außerdem seien bereits Gitter vorhanden, die man nur freilegen müsste.

Überwachung empfohlen

Darüber hinaus empfehlen die Experten von „Wald + Corbe“ ein Hochwasserüberwachungs- und Meldesystem, bei dem (Alarm)-Pegel auch online live verfolgt werden können. Pegelmesser gibt es bereits in Vaihingen, Bietigheim-Bissingen und Sachsenheim. An diese müsste man sich nur anschließen – eine kurzfristige und kostengünstige Verbesserung des Hochwasser-Managements. Weitere Stellen in Hohenhaslach und Kleinsachsenheim beurteilte das beauftragte Ingenieurbüro als weitgehend unkritisch, da keine Gefährdung der Bebauung bestehe. Bei den Kosten handelt es sich um grobe Schätzungen.

Auch andernorts Kampf gegen Wassermassen


In Großsachsenheim wird derzeit auch an anderer Stelle, unweit der Hochwasserstelle am Edeka-Markt, gegen Fluten gekämpft Auf der Talseite der Brunnenschneiderstraße in Richtung Klingenberg kommt es bei Starkregen immer wieder zu Überflutungen (die BZ berichtete). Zunächst wurden für rund 40 000 Euro Kanäle entkalkt – mit einem größeren Effekt als erwartet. Weitere Schritte für geschätzt 180 000 Euro wurden bereits beschlossen: eine Abflussbremse, Umleitungen, die Aktivierung eines stillgelegten Kanals, größere und zusätzliche Straßenläufe sowie eine zusätzliche Querrinne bei der Einmündung Im Krummenland, msc