Vaihingen Lebensretter gesucht

Simone Köppel und ihr Partner Martin Großmann haben die Freude am Leben trotz der schweren Krankheit Köppels und der Ungewissheit nicht verloren.
Simone Köppel und ihr Partner Martin Großmann haben die Freude am Leben trotz der schweren Krankheit Köppels und der Ungewissheit nicht verloren. © Foto: Martin Kalb
Von Mathias Schmid 13.03.2018

Ein Glas Wein würde sie schon gerne mal wieder trinken, sagt Simone Köppel und schaut auf die Weinberge Roßwags, die sie von ihrer Dachgeschosswohnung aus sieht. Die 44-Jährige ist an Blutkrebs erkrankt. Derzeit hält sie die Krankheit mit Tabletten in Schach (daher das Alkoholverbot). Auf Dauer braucht sie aber eine Stammzellenspende. Am kommenden Sonntag, 18. März, gibt es eine groß angelegte Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) in Roßwag. Laut Organisation werden 1500 Leute erwartet.

Der Mutter zweier Söhne merkt man recht wenig von ihrer Krankheit an. Sie lacht, plaudert, genießt das Leben so gut es geht. „Ich versuche, die positiven Dinge hervorzuheben“, sagt sie. Natürlich gebe es auch dunklere Momente. „Vor einigen Tagen hatte ich ein Tief, weil das Thema durch die Typisierungsaktion omnipräsent ist.“  Da habe sie den ganzen Tag weinend auf dem Sofa gelegen.

Simone Köppel ist an der chronischen myeloischen Leukämie, kurz CML, erkrankt. Ein Chromosom wird an eine andere Stelle verlagert, wodurch sich bestimmte weiße Blutkörperchen, die Granulozyten, unkontrolliert vermehren, wie das Kompetenznetz Leukämien schreibt. Blutgerinnsel oder Gefäßverschlüsse sind die Folge. Diese Form von Blutkrebs kann, rechtzeitig erkannt, gut in Schach gehalten werden, erklärt die zweifache Mutter. Leider sei die Diagnose bei ihr erst im letzten der drei Stadien erfolgt. Derzeit wirken die Tabletten gut – wie lange, weiß aber keiner. Die 44-Jährige tendiert deshalb zu einer ebenfalls nicht risikofreien Stammzellenspende. „Wenn mir jemand sagen würde, ich hätte noch zehn Jahre mit den Tabletten...“, sagt sie und bricht den Satz dann ab.

Dauerhaft helfen, soll ihr eine Stammzellenspende. Für die muss aber ein Spender gefunden werden, dessen DNA möglichst identisch mit der von Simone Köppel ist. Bisher liegt die höchste Übereinstimmung mit 50 Prozent bei ihren Schwestern. Eine Transfusion ist möglich, aber nicht besonders Erfolg versprechend.

„Ich habe schon länger gewusst, dass etwas mit mir nicht stimmt“, erinnert sie sich an die Diagnose zu Jahresbeginn. Da hatte sie rund ein Jahr Ungewissheit inklusive Kopf- und Gliederschmerzen hinter sich. Auch die Leistungsfähigkeit der passionierten Läuferin nahm immer mehr ab. Den Silvesterlauf in Bietigheim absolvierte sie zwar wie seit vielen Jahren noch, das Ergebnis sei aber frustrierend gewesen. „Am Ende war es sogar eine gewisse Erleichterung, weil ich endlich Gewissheit hatte.“

Verändert hat sich seither vor allem das Familienleben. „Alles ist viel intensiver geworden“, berichtet Simone Köppel, „die Zeit, die man gemeinsam hat, verbringt man viel intensiver.“ Das bestätigt auch Jonas (18), der ältere der beiden Söhne. „Ich wäre früher nie auf die Idee gekommen, mit meiner Mutter am Wochenende Brunchen zu gehen. Jetzt machen wir das öfter.“

Auch Jonas will sich am Sonntag in die DKMS-Datenbank aufnehmen lassen. Er hat sowohl das Alter fürs Typisieren (17) als auch fürs Spenden (18) erreicht. Anders ist das bei Silas (16). „Das ärgert mich. Ich würde auch helfen“, meint er. „Die Kinder gehen beide super damit um“, sagt Simone Köppel. Das gilt auch für ihren Lebensgefährten Martin Großmann: „Wir unterstützen Simone wo es nur geht“, meint der. Für die Mutter ist es wichtig, dass auch über Alltägliches gesprochen wird. „Es ist gut, dass die Leute, die mich kennen, normal mit mir umgehen, auch mal Quatsch labern. Man kann nicht nur ständig über die Krankheit reden. Das ändert ja nichts.“

Simone Köppels großer Traum: beim New-York-Marathon mitlaufen. Zwei Freunde hätten bereits versprochen, ebenfalls mitzulaufen, wenn die Krankheit überstanden ist. Alle sind fest davon überzeugt, dass sich vielleicht sogar schon am Wochenende ein Spender für die Vaihingerin findet. Dann, wenn alles geschafft ist, werde man wohl sogar etwas Positives aus der Zeit mitnehmen. „Ich hatte bisher zum Beispiel große Flugangst. Wenn ich das überstehe, ist das sicher weg“, meint Simone Köppel.

Die Typisierungsaktion in Vaihingen-Roßwag

Die Typisierungsaktion „Für Simone und andere“, wie sie die DKMS nennt, findet am Sonntag, 18. März, von 11 bis 15 Uhr, in der Sport- und Kulturhalle Roßwag, Manfred-Behr-Straße 2 statt. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Sonntag, den 18.03.2018, in der Sport- und Kulturhalle Roßwag als potenzieller Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen.

Auch Geldspenden werden dringend benötigt, da der gemeinnützigen Gesellschaft allein für die Registrierung eines jeden neuen Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen. bz

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel