Bundes- und landesweit wird versucht, der hohen Nitratbelastung im Wasser entgegenzuwirken. Dennoch hat laut einer neuen EU-Studie nur Malta diesbezüglich schlechteres Wasser als Deutschland. Bis sich das ändert, kann es nicht nur dauern, erklärt MdL Markus Rösler (Grüne), manchmal kenne man auch die Ursache nicht. Eine Gefahr besteht aktuell nicht.

„Es ist eine Frage der Gesundheit“, sagt  Markus Rösler, Abgeordneter der Grünen für den Wahlkreis Vaihingen, der in den vergangenen beiden Legislaturperioden der Landesregierung jeweils eine kleine Anfrage zur Nitratbelastung in den Gewässern im Landkreis Vaihingen gestellt hat – so auch 2017. Das Ergebnis: Seit 2012 haben sich die Werte nicht wesentlich verbessert. Hauptgrund ist die Düngung.

Nach wie vor muss in 19 von 39 Versorgungsgebieten (32 Trinkwasserquellen) des Wahlkreises Vaihingen das Eigenwasser mit nahezu nitratfreiem Bodenseewasser gemischt werden, um unter den Grenzwert von 30 Milligramm pro Liter zu kommen. Die Verbraucher im Wahlkreis könnten „unbesorgt ihr Leitungswasser trinken“, meint Rösler.

Und: „Das Nitrat, das wir jetzt im Grundwasser haben, ist der Effekt der Landnutzung vor 15 Jahren.“ Aufgrund der vielen Maßnahmen wie breite Gewässerrandstreifen, Wasserpfennig und neue Düngegesetze müsse man davon ausgehen, dass die Belastung in den nächsten Jahren abnimmt. Um wie viel genau, könne niemand sagen, so  Markus Rösler: „Wir sollten deshalb weiterhin alles Mögliche tun, um die Nitratauswaschung gering zu halten.“

Nitrat findet sich in jedem organischen Dünger und ist ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen. Über die Jahre gelangt das Nitrat in Grund- und Trinkwasser. Nitrat, das auch in Gemüse selbst zu finden ist, ist zunächst harmlos. Es kann aber im Organismus oder auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit steht im Verdacht, bei Neugeborenen den Sauerstofftransport im Blut zu beeinträchtigen. Außerdem kann es zu Nitrosaminen reagieren, die als stark Krebs erregend gelten, heißt es auf der Webseite der Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung.

Unstrittig ist, dass die  Dünger- und Gülleausbringung der Landwirtschaft als Hauptverursacher der hohen Nitratwerte gilt. Rösler: „Es ist in den letzten 20 Jahren bei uns in der Region und in Baden-Württemberg insgesamt besser geworden. Aber im Verhältnis dafür, wie viel beispielsweise in den Wasserpfennig reinfließt, geht es zu langsam. Da stimmt das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen nicht.“

Landes-Umweltminister Franz Untersteller betonte im jüngsten Jahresbericht zur Grundwasserüberwachung: „Die landesweite Nitratbelastung des Grundwassers hat seit 1994 um 22 Prozent abgenommen. Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter wurde im Jahr 2016 nur noch an rund jeder elften Messstelle überschritten.“ Das Gebiet „zwischen Stuttgart und Heilbronn“ zählt aber laut Bericht zu den Regionen im Kreis mit hoher Nitratbelastung.

Hierzulande sind oft Gebiete, in denen Sonderkulturen, vornehmlich Wein und Obst, angebaut werden. „In beiden Fällen ist es zudem die Regel, dass dort kein Grünland, sondern eine offene Unternutzung vorhanden ist. Es kann vorkommen, dass der Boden am Ende des Winters offen augeschwemmt wird“, erläutert Rösler den Weg des Nitrats ins Trinkwasser. Doch nicht immer ist die Düngung oder eine andere Ursache für die hohen Werte an den Trinkwasserquellen auszumachen, beispielsweise in Markgröningen und Vaihingen-Aurich. In Aurich so Rösler, wurde beispielsweise sichergestellt, dass es keine undichten Stellen in der Kanalisation gibt, durch die Fäkalien ins Grundwasser gelangen können.

Laut Landesumweltministerium haben in Baden-Württemberg zwischen 2012 und 2015 knapp 23 Prozent der Messstationen die Werte von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten.

Deutschlandweit waren es in einem kürzlich veröffentlichten EU-Bericht 28 Prozent. Dass Deutschland damit im europaweiten Vergleich nur hinter Malta (71 Prozent) liegt, will der Abgeordnete Markus Rösler nicht überbewerten: „Wir haben unsere Messpunkte da hingelegt, wo es wehtun könnte. Das ist nicht in allen EU-Staaten so. Wenn man vergleicht, muss man den Vergleich zunächst methodisch hinterfragen.“ Die begrenzte Vergleichbarkeit räumt auch die EU-Kommission ein.

Wasserpfennig als Entschädigung für Landwirte

Der Wasserpfennig, offiziell Wasserentnahmeentgelt, wird von den Verbrauchern an das Land gezahlt. Damit sollen Landwirte dafür entschädigt werden, dass sie verantwortungsvoller düngen.
Er wurde zum 1. Januar 2015 im Bereich der öffentlichen Wasserversorgung von bisher 5,1 Cent auf 8,1 Cent pro Kubikmeter angehoben. Ab dem Jahr 2019 sind es dann 10 Cent pro Kubikmeter.

Die Einnahmen kommen aber nicht nur den Landwirten zugute, so das Landes-Umweltministerium. Die  Erhöhung  soll insbesondere auch für den Hochwasserschutz eingesetzt werden.  msc