Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn war im großen Saal des Sachsenheimer Kulturhauses kaum mehr ein Platz zu bekommen. Als dann um halb acht Matthias Leucht mit seiner Combo nacheinander und wie auf dem Catwalk quer durch den achteckigen Saal hereinkam, war es proppenvoll. Das Publikum wusste genau, was es erwartete: zwei Stunden allerbeste Livemusik in verschiedenen Stilrichtungen, dargeboten von Spitzeninstrumentalisten und -sängern.

Viele Gesichter sah man nicht das erste Mal. Keine Frage, der in Ochsenbach gebürtige Allroundmusiker und seine von Jahr zu Jahr wechselnden musikalischen Partner befanden sich am Sonntagabend unter Freunden. Freunde aus Sachsenheim und Umgebung, die in den 20 Jahren, in denen Leucht schon auf der Bühne steht, immer wieder kommen. Und keine Sekunde wurde es langweilig. Nach der Begrüßung durch Sachsenheims Kulturreferentin Andrea Fink wurden 17 Titel gespielt, aufgereiht wie eine Perlenschnur und launig-cool moderiert durch Matthias Leucht. Und alle hatten ihren Spaß – nicht zuletzt die sieben Akteure selbst.

Mit von der Partie waren diesmal Schlagzeuger und Sänger Jimmi Love, der Brasilianer Fabiano Pireira (Gitarre und Gesang), die Sängerin Doriane Kamdem Mabou (bekannt durch „The Voice of Germany“), Stefan Koschitzki (Klavier und Saxofon), Alexander Wolpert (E-Bass und Saxofon), Andreas Musch (Baritonsaxofon) – und natürlich Matthias Leucht selbst, an diesem Abend wieder auf allen Saxofonen und singend unterwegs.

Das Saxofon wurde vom Landesmusikrat zum Instrument des Jahres 2019 ernannt, und so bildete das Blasinstrument in seinen vier verschiedenen Stimmlagen denn auch den Schwerpunkt des Konzerts am Sonntagabend. Zu Beginn war „Fly me to the moon“ von Frank Sinatra zu hören, später Duke Ellingtons „Sunny Side of the Street“ und Henry Mancinis unverwüstlicher „Pink Panther“. Und immer wieder Kamdem Mabou, deren klangschöne Stimme ein bisschen an die junge Ella Fitzgerald erinnert, mit Titeln von Amy Winehouse, Alicia Keys oder Adele.

Obligatorische Zugaben

Der Brasilianer Pireira zauberte mit Bossa Nova- und Reggae-Titeln exotisches Flair. Und jede Menge Ohrwürmer: „English Man in New York“ von Sting, „Kiss“ von Prince (gesungen von Jimmi Love) und – um den Rahmen zu schließen – „I did it my way“ von Sinatra, jenen Ohrenschmeichler, den Leucht traditionell ans Ende seiner Programme stellt. Doch selbstverständlich entließ das begeisterte Publikum die sieben Profis erst nach einigen Zugaben: „Rolling in the Deep“ (Adele) oder „Purple Rain“ (Prince).

Seine Freunde waren in Hochform, spielten inspiriert und voller Lust am eigenen Tun, geisterten schlafwandlerisch durch Stile und Rhythmen und vermochten das vom Alter her gut durchmischte Publikum durchweg zu begeistern. Im Wesen der Musik liege es, Freude zu bereiten, sagte Aristoteles, und in freudiger Stimmung zogen auch die Zuhörer hinaus in die Herbstnacht.

Warum sind Jazz-Musiker so flexibel?


In einem Pausengespräch wurde die Frage aufgeworfen, warum Jazzmusiker auch ohne intensive Proben, so schnell zueinander finden. Die Antwort: Gute Jazz- und auch Popmusiker zeichnen sich, stärker als zum Beispiel klassische Musiker, durch eine ausgeprägte Offenheit, Improvisationsfähigkeit und Kreativität beim Zusammenspiel aus. Sie beherrschen in der Regel ihre Instrumente meisterhaft, sind teamfähig, haben Fantasie – und Erfahrung im Zusammenspiel.

Matthias Leucht, der an der Hochschule für Jazz- und Popularmusik Nürnberg-Augsburg Saxofon und Klavier studiert und seither in zahllosen Formationen gespielt hat, hat sich genau jene Eigenschaften und Fähigkeiten, über die Jahre erworben. bas