Crime Cologne“ heißt der renommierteste deutsche Krimipreis, der mit 3000 Euro dotiert ist. Am 23. September wurde er vergeben: An Romy Hausmann für ihren Krimi „Liebes Kind“. Sie wurde von der Fachjury unter vier Nominierten ausgewählt. Zweitplatzierter unter vier Nominierten, ist der Markgröninger Martin von Arndt mit seinem Buch „Sojus“, das am Donnerstag, 10. Oktober, 19.30 Uhr, in der Stadtbibliothek Ludwigsburg präsentiert wird und das gerade erst erschienen ist. „Nervenaufreibend“, sei das Rennen um den „Crime Cologne“ gewesen, so Arndt.

„Sojus“ ist nach „Tage der Nemesis“ und „Rattenlinien“ der dritte historische Krimi des 51-jährigen Markgröningers um den Berliner Kommissar Andreas Eckardt. 1997 erschien der erste Erzählband von Arndt. Seine frühen Arbeiten sind surrealistisch und vom Symbolismus beeinflusst. Die jüngere Roman-Prosa ist von politischer oder gesellschaftskritischer Reflexion („Ego shooter“, „Oktoberplatz“) oder tragikomisch („Der Tod ist ein Postmann mit Hut“).

Die Jury des Crime Cologne begründete die Wahl folgendermaßen: „Martin von Arndt schafft es auch in seinem dritten Roman mit seiner atmosphärischen, schnörkellosen Art des Erzählens und seinem Talent schnell Spannung zu erzeugen. Dabei gibt er seinen Protagonisten eine Tiefe, die ihnen den Platzhaltercharakter nimmt, sodass sie dem Leser wie alte Bekannte vorkommen. Von Arndt scheint zu jedem Zeitpunkt zu wissen, was sein Roman als historischen Hintergrund benötigt und läuft dabei niemals Gefahr, vom Krimi ins Sachbuchgenre abzudriften.“

In von Arndts 2014 erschienenen Roman „Tage der Nemesis“ thematisiert er den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich, die Racheaktionen der armenischen Terrorgruppe Operation Nemesis und die deutsche Mitverantwortung am Genozid. Das 2016 erschienene Buch „Rattenlinien“, das die Geschichte der Hauptpersonen von „Tage der Nemesis“ aufgreift, behandelt das Thema der Fluchtrouten deutscher NS-Kriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit dem 2019 erschienen Buch „Sojus“ über den Ungarischen Volksaufstand von 1956, schließt von Arndt eine Romantrilogie um den fiktiven Berliner Ex-Kommissar Andreas Eckart ab, wie der Schriftsteller sagt. Und hat damit eine Krimiepoche über 35 Jahre hinweg geschaffen. Für „Sojus“ wurde er nicht nur von der Jury des „Crime Cologne“ sondern von fast allen Rezensenten gelobt.  „Literatur ist immer politisch“, sagt der Schriftsteller und genau das hat von Arndt sich in seinen drei letzten Romanen besonders auf die Fahnen geschrieben. Auch wenn er die Trilogie mit „Sojus“ abgeschlossen hat, wird es wohl, so deutet er an, eine Art „Spin-off“, wie er sagt, geben. „Für mich ist die Form des historischen Politthrillers eine gute Möglichkeit, die Welt zu verstehen, Probleme, die wir heute haben, zu entschlüsseln.“ Beispielweise liege die antieuropäische Haltung der Ungarn im Umgarnaufstand 1956 begründet. „Sie fühlen sich seit damals von Europa betrogen, im Stich gelassen, warum sollten sie Europa heute vertrauen“, so von Arndt.

Wichtig sei ihm aber, mit seinen Romanen nicht in der Vergangenheit verhaftet zu bleiben, sondern zu zeigen, was heute immer noch im Argen liegt. „Mir geht es darum, mich und die Welt zu verstehen, und aus der Historie eine Verortung für mich zu finden und vielleicht für den Leser, das ist für mich politisches Schreiben“, sagt Martin von Arndt. Es gehe ihm um eine Art Seinsverständnis, sagt er.

Martin von Arndt ist nicht nur ein Schriftsteller, der für seine Arbeit viele Auszeichnungen erhielt, er ist auch Vorsitzender des Verbands Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg und Mitglied im deutschen Pen-Zentrum. Außerdem ist er Margröninger durch und durch. In seiner Heimatstadt will von Arndt bleiben, „um als Künstler hier die Erdung finden, die ich brauche“, auch wenn er immer wieder zu seinem Zweiwohnsitz Essen pendelt oder eine Reise in den Osten macht, einer Gegend, die ihn fasziniert und wo auch seine Familie herkommt.

Info Martin von Arndt, „Sojus“, Verlag Ars Vivendi, 20 Euro.

www.vonarndt.de