In der Mensa im Schulzentrum von Großsachsenheim ist selbst der letzte Platz besetzt. 300 Zuhörer wollen am Samstag ein Künstlerchamäleon live erleben, das  einzigartig ist. Der Balletttänzer und bekannte Choreograf Eric Gauthier lässt die Seele baumeln und tritt als Sänger einer charmanten Band auf, die seine Songs spielt und mit ihm seine Emotionen auslebt.

Der Kanadier Gauthier liebt das Ausgleichende in der Kunst. Im klassischen und im modernen Ballett ist er beruflich zu Hause und feiert damit Erfolge auch auf internationaler Ebene. Er studierte einst Tanz in Montreal und an der National Ballett School in Toronto. Dort bekam er Zugang zu Musik und Gesang. Heute lebt er das parallel zu seiner Karriere als Tänzer und Choreograf aus, indem er mit seiner Rockband Konzerte gibt wie jetzt am Samstagabend in der Mensa im Schulzentrum von Großsachsenheim.

Gauthiers Karriere in Stuttgart begann damit, dass er Solotänzer an der Stuttgarter Compagnie wurde. Seit 2007 leitet Eric Gauthier die „Gauthier Dance-Compagnie“ am Theaterhaus Stuttgart. Das ist bekannt und sorgte sicher dafür, dass er  in Sachsenheim zusammen mit anderen charismatischen Musikern vor vollem Haus spielte.

Der Ruf vom speziellen Charme in seiner Sprache, einer netten Mixtur aus Englisch und Deutsch, und von den sphärischen Weiten in seiner Musik ist ihm vorausgeeilt. Gauthier jongliert mit Obertönen immer dann, wenn es gefühlt passt. „Er hat diese Prägung, die wir auch bei U2 haben“, findet Zuhörerin Daniela Schmidt aus Bietigheim. Sein ganz eigenes Gemisch aus kanadischem Englisch und Deutsch macht ihn liebenswert. Er kokettiert damit, und bringt viele neue Fans in Sachsenheim zum Lachen. Gauthier geht auf sein Publikum zu, animiert es zum Mitmachen auch mal mit den Worten „Trauen Sie sich ruhig. Sie haben schließlich dafür bezahlt“.

Es wird ein langer Konzertabend. „Ich habe euch 29 Lieder mitgebracht. Das dauert drei Stunden“, kündigt er an und legt los mit der Gitarre in der Hand und seinen schönsten Balladen im Kopf. Die Band nähert sich erst im Laufe des ersten Liedes der Bühne. Erst dort oben angekommen vertauscht der Schlagzeuger das Tamburin mit der Snare Drum. Ein verheißungsvolles Lächeln und schon erzählt Gauthier die erste Geschichte um seinen Hippie-Song, den er gerne an den Konzertanfang stellt. Viele weitere Geschichten im Deutsch-Englisch-Gemisch sollten folgen.

Sein Leben gleicht einem Kaleidoskop, dessen Farben besonders hell leuchten. Natürlich hat er alle Songs des Abends selbst geschrieben. Die Lieder nehmen verschiedene Klangfarben an und sind nicht aus einem Guss in einer Stilrichtung zu Hause. „Jetzt spiel ich euch mein einziges Country Stück“, kündigt er an und schon wechselt der Gitarrist das Effektgerät. Gauthier hat nicht nur wegen seines Könnens große Magnetwirkung. Seine herzliche amüsante Seite, auf Menschen zuzugehen macht ihn auch in Sachsenheim gleich zum Sympathieträger. Für sein soziales Engagement an anderer Stelle bekam er im April 2015 den Verdienstorden des Landes Baden Württemberg verliehen.

Im Laufe des Abends zeigt er die ganze Macht des Chamäleons, lässt seiner Fantasie freien Lauf und rockt die Bühne in der Mensa im Schulzentrum mal wild, mal melancholisch, aber immer sphärisch und sehr charismatisch. Bewusst war nicht alles bestuhlt worden für die die gerne, wie Gauthier selbst, tanzen. Und immer lockerer werden seine alten und viele neuen Fans im Lauf des Abends. Gauthiers sprühende Kraft steckt an. Und die Begeisterung für seine Musik spiegelt sich direkt im Applaus wieder.