In der evangelischen Kirche Sersheim wird Gemeindearbeit groß geschrieben. „Weit über das Übliche hinaus“, kommentiert Pfarrer Johannes Rau. Ob Gemeinde-Essen, Ferien-Waldheim, Teenkreis, Predigt-Podcasting oder Skifreizeiten und Mitarbeiterschulungen: Das Angebot ist groß, und für alle Altersgruppen wird etwas geboten. „So etwas wächst langsam“, ist sich der Pfarrer bewusst. Er ergänzt: „Wir haben einen uralten Schatz, das Evangelium, das wir in ein neues Format bringen möchten.“

Rau freut sich über die rege Teilnahme der Mitglieder an der Kirchenarbeit, allerdings betont er: „Bei 300 Ehrenamtlichen fallen Kosten an.“ Kosten, die laut ihm nicht alleine durch die Kirchensteuer abgedeckt werden können. „80 Prozent aller Gelder werden für Gehaltszahlungen ausgegeben.“ Außerdem laufen aktuell vier Projekte, die mithilfe freiwilliger Gemeindebeiträge fortgesetzt werden können. Vor acht bis zehn Jahren sei es üblich gewesen, dass Rentner pro Kopf zwölf Euro Kirchengeld zahlen, rechtlich gesehen, sei das jetzt nicht mehr möglich, erzählt Rau. Stattdessen kann nun jeder, ob Jung oder Alt, unter dem Motto „Dabeisein. Mitmachen. Mithelfen.“ so viel spenden, wie er möchte.

Deutlich mehr Räumlichkeiten

Beim ersten Projekt handelt es sich um die Schlusszahlung des Gemeindezentrums. Im November feiert die Kirche das zehnjährige Bestehen des Komplexes. „Wir haben viel mehr Räumlichkeiten errichtet, als es früher gab“, sagt Rau. „Das Gemeindezentrum ist fast die ganze Woche proppenvoll. Wöchentlich treffen sich dort bis zu 80 Jugendliche.“ 1,6 Millionen Euro wurden damals für den Bau angesetzt. Bis auf 17 000 Euro ist nun alles abbezahlt. Der Restbetrag wird aus Darlehen gezahlt.

Neben der Erschaffung neuer Räume spielt auch die Digitalisierung heutzutage in der Kirche eine große Rolle. Für den Chorraum wurde bereits ein Bildschirm angeschafft. Auch unter der Empore soll es einen geben. Der dient dann dazu, das Gesagte zu übertragen.

Und weil die Kirche nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jugendliche ansprechen möchte, darf die Stelle des Jugendreferenten nicht unbesetzt bleiben. „Wir haben eine starke Bewegung von jungen Erwachsenen“, freut sich Rau. Eine neue Jugendreferentin, Anna-Sophia Pohle, ist ab September aktiv. Sie führt die Arbeit von Diakon Mika Sinn weiter. Die Stelle wird zu 40 Prozent aus der Kirchensteuer bezahlt, den Rest muss die Gemeinde selbst aufbringen.

Das vierte Projekt bezieht sich auf neue Stühle. Nach mehr als 50 Jahren Gebrauch ist die Zeit gekommen, neue Sitzmöglichkeiten für den Luther- und Bengelraum anzuschaffen. Pro Stuhl zahlt die Gemeinde 95 Euro. Außer den Projekten müssen noch die Anlagen wie beispielsweise das Glasfoyer und der Duschraum gepflegt und gewartet werden.

Trotz ihrer vielfältigen Weiterentwicklung ist die Gemeinde laut Rau bisher nie in Geldnot geraten. „Wir möchten nicht mehr als wir brauchen, Geld ist nicht unser Gott.“ Auch nach 27 Jahren in Sersheim ist er weiterhin leidenschaftlich Pfarrer und wird immer wieder von der Spendenbereitschaft der Kirchenmitglieder überrascht. „Es gibt erstaunlich hohe Spenden. Letztes Jahr ist unser Zelt aus dem Waldheim geklaut worden. Das ist dann durch eine Spende über 2000 Euro ersetzt worden. Zusammenhalt macht die Gemeinde stark.“

Der Pfarrer betont außerdem im BZ-Gespräch: „Wir möchten das Leitbild einer offenen Familie, nach außen tragen. Was wir den Menschen schulden, sind Gottesdienste mit Unterhaltungswert.“