Fast voll besetzt war der große Saal des Kulturhauses in Sachsenheim am frühen Sonntagabend. Der Komponist, Pianist und Filmproduzent Michael Fiedler hatte zu einer „Traumzeit“ eingeladen, einem abendfüllenden Klangfarbenerlebnis mit imaginativen eigenen Klavierimprovisationen, Geschichten aus dem eigenen Leben, Bildern und Lichtstimmungen.

Es wurde kein Klavierabend im klassischen Sinne. Ambitionierte Musikkenner, die sonst Mozart, Chopin oder Debussy hören, würden Fiedlers Dreiminutenstücke vermutlich als flach und zu leicht durchschaubar bezeichnen. Es war ein anderes Publikum, das wohl genau wusste, worauf es sich eingelassen hatte. Die fast 150 Zuhörer bekamen, wonach sie verlangten: Musik zum Träumen und unbeschwerten Genießen, Zeit, den inneren Seelenvogel fliegen und inneren Traumbildern freien Lauf zu lassen.

„Lassen Sie los, entspannen Sie sich, chillen Sie“, hatte Sachsenheims Kulturreferentin Andrea Fink in ihrer Begrüßung das Motto des Abends an die Besucher mitgegeben. Und genau das lösten die beiden Künstler, Michael Fiedler und sein Freund Volker Buchwald, der für die Farb- und Lichtstimmungen zuständig war, ein: ein unkompliziertes und gefühliges Kopfkino für die Sinne in Klang, Bild und Farbe. „Finden Sie heraus, ob Sie mit Ihren Ohren sehen können“, fordert Fiedler die Besucher seiner „Traumzeit“ auf.

Kleine Erzählungen zu Alltagsbeobachtungen („Wenn Gegenstände reden könnten…“), bildhafte Titel („Sonnenaufgang“, „Das alte Kutschrad“, „Spiegelbild“, „Leierkastenmann“, „Ein Traum“, „Der Mond“) bilden die Grundlage zu den Klavierstücken, die mit kleinen rhythmisch-melodischen Impulsen auskommen, die in harmonisch leicht überschaubarem Rahmen durchgeführt werden.

Nein, es ist keine komplexe und künstlerisch anspruchsvolle Musik, die Fiedler in dem zweistündigen Programm widergibt, und dennoch verfehlt sie ihre Wirkung beim Publikum nicht. „Manchmal sind die kleinen Dinge die wichtigen“, philosophiert Fiedler und spielt ein weiteres Stück nach demselben Strickmuster. Doch wer Erfolg hat, hat irgendwie auch Recht.

Der „Hörfilmer“ Michael Fiedler, der an der Filmakademie Ludwigsburg sein Diplom in Filmmusik und Sounddesign absolviert hat und seit 2003 freiberuflich arbeitet, versteht es, jene Menschen anzuziehen, die sich durch seine durchaus suggestiven Klänge anrühren und berühren lassen. Er sieht sich selbst als Vertreter der Bewegung „New Romantic Piano“, die spätestens seit den Erfolgen Richard Claydermans (Ballade pour Adeline) ihr eigenes Publikum hat. Hörer des Senders „Klassik Radio“ kennen vergleichbare Musik unter der Rubrik „New Classics“. Zufriedene Gesichter im Foyer des Kulturhauses.