Dort, wo sich früher die Mitglieder des TSV Häfnerhaslach alljährlich am Dreikönigstag bei Glühwein unter dem breiten Astwerk der bekannten Kanzelbuche trafen, gehen Wanderer und Spaziergänger heute achtlos vorüber.

Manch einer sucht vergeblich das in seinen Wanderkarten noch eingezeichnete Naturdenkmal, das am 20. August 2001 völlig zusammengebrochen ist. "Es ist schade, dass die Kanzelbuche ganz in Vergessenheit geraten ist. Zumindest auf einem Schild sollte die Geschichte dieses rund 300 Jahre alten, markanten Baumes für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Zudem wäre ein Hinweis auf ihren Nachfolger schön", sagt Gottfried Dupper, Naturparkführer aus Häfnerhaslach.

Ihren Namen verdankt die Kanzelbuche ihrem eigentümlichen Wuchs mit gewundenen Ästen, wobei die Hauptzweige eine Art "Kanzel" bildeten. Bereits im Jahr 1800 befahl König Friedrich von Württemberg, der den Baum auf einer Jagd im Strombergwald entdeckte, diesen unter besonderen Schutz zu stellen und ihn dauerhaft zu erhalten. "Die Kanzelbuche war eine Süntelbuche, eine spezielle Rotbuchenart, die aus einem Gebiet im Weserbergland stammt. Ihre Krone ist wie ein Baldachin ineinander verwoben und ergibt eine perfekte Sommerlaube", erläutert Dupper. Vermutlich hat die Kanzelbuche, die an der Straße zwischen Häfnerhaslach und Sternenfels stand, früher auch als Rats- oder Richtstätte gedient und eventuell wurden dort auch Gottesdienste abgehalten. Die Vermehrung der speziellen Bäume ist nicht ganz einfach, denn nicht alle Bucheckern keimen und aus den keimenden Eckern entstehen meist normale Rotbuchen und nur weniger als 30 Prozent Süntelbuchen.

Auch bei den Ablegern der berühmten Kanzelbuche mussten mehrere Versuche unternommen werden, bis schließlich eine neue Süntelbuche heranwuchs. Sie steht jetzt unweit der Straße nach Sternenfels am Wanderweg zum Füllmenbacher Hof. Der kleine Baum hat bereits ein stattliches Blätterdach gebildet, ist jedoch vom Wanderweg aus kaum zu erkennen, denn um ihn herum wachsen Gestrüpp und Brombeerhecken. "Es ist schade, dass dieser Platz um die neue Süntelbuche herum, nicht schöner gestaltet wird. Dieser seltene Baum ist eine echte Sehenswürdigkeit. Die Buche ist inzwischen bestimmt schon zehn Jahre alt und toll angewachsen. Warum wird dieses Naturschauspiel so vernachlässigt?" fragt Naturparkführer Dupper, der 40 Jahre lang im Forst gearbeitet hat und heute noch interessante Führungen durch den Wald anbietet. Ähnliche Wünsche hegt auch Reinhold Roller, der Erste Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins in Sternenfels. Seine Vereinskollegen und er haben sich jahrelang für die Pflege und den Erhalt der alten Kanzelbuche eingesetzt.

"Der Platz ist eine geschichtsträchtige Stätte. Es stört mich sehr, dass diese Stelle jetzt so vernachlässigt wird. Ich habe es bereits bei mehreren Stellen immer wieder angeregt, dass dort ein Hinweisschild auf die Kanzelbuche aufgestellt werden sollte. Bisher hat sich leider nichts getan. Dies wäre aber für die Zukunft sehr wünschenswert", machte Roller deutlich. Der zuständige Revierleiter Thilo Klotz vom Forstamt Enzkreis war aus Urlaubsgründen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.