Sachsenheim hat sprichwörtlich die Wahl. Gleich sieben Bewerber stellen sich am 3. Februar dem Votum der mehr als 14 500 wahlberechtigten Bürger, mit dem Ziel neuer Bürgermeister oder neue Bürgermeisterin der Stadt zu werden. Der bisherige Amtsinhaber Horst Fiedler tritt nach 16 Jahren nicht mehr an. Die Kandidaten stellen sich bereits an diesem Mittwoch, 19 Uhr, in der Häfnerhalle, den Fragen der BZ beim BZ-Wahlforum (siehe Infobox).

Auch kurz vor Bewerbungsschluss tat sich noch mal etwas in Sachen Kandidaten: Die kaufmännische Angestellte Birgit Niemeyer zog ihre Bewerbung aus privaten Gründen zurück. Dafür hat Simone Gaiser ihre Kandidatur bekannt gegeben. Die 53-jährige Kleinsachsenheimerin lebte viele Jahre in Bietigheim-Bissingen. 2010 gründete sie ihre eigene Tiernahrungsfirma (Sunny Petfood), 2015 verlegte sie ihren Wohn- und Firmensitz nach Kleinsachsenheim, wo sie auch in der Vergangenheit bereits zehn Jahre gelebt hatte. Sie ist alleinerziehend und hat eine 13-jährige Tochter.

„Die Entscheidung, zur Wahl anzutreten war sehr kurzfristig“, sagt sie gegenüber der BZ. Endgültig sei diese erst am 2. Januar gefallen. Grund seien Diskussionen in sozialen Netzwerken gewesen, die sie ermutigt hätten, sich für dieses Amt zu bewerben. Sie will sich für Bürgernähe, solide Haushaltszahlen, mehr Polizeipräsenz, mehr Transparenz und eine funktionierende Infrastruktur mit einer belebten Innenstadt, besseren Parkmöglichkeiten und Fahrradwegen sowie für den sozialen Wohnungsbau engagieren. „Projekte umzusetzen und im finanziellen Rahmen zu bleiben“, sieht sie als ihre große Stärke an.

Am Montagnachmittag ging auch noch die Bewerbung von Michael Sax ein. Der 47-jährige dreifache Familienvater aus Großsachsenheim betont gegenüber der BZ: „Es gibt in Sachsenheim viele Leute, die unzufrieden sind, dazu gehöre ich auch.“ Schwerpunkte will der Fahrlehrer bei den Themen Familienpolitik und Verkehr setzen. Als seine Stärken sieht der ehemalige Bundeswehrsoldat Durchsetzungsvermögen und Autorität.

Um den Sachsenheimer Chefsessel kämpfen weitere Kandidaten. Gleich zum Bewerbungsstart hatte sich Holger Albrich beworben. Der 48-Jährige ist in Großsachsenheim aufgewachsen und lebt mit seiner Familie seit mehreren Jahren in Ludwigsburg. Seit sechs Jahren arbeitet Albrich im Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart. Er ist Vorsitzender des TC Großsachsenheim, spielt dort immer noch bei den Herren 30. Der Verwaltungsjurist will unter anderem dafür einstehen, sich bei den übergeordneten Institutionen Gehör zu verschaffen und so das Optimale für Sachsenheim herauszuholen.

Heide Frankenhauser ist seit mehr als 30 Jahren Sachsenheimerin, wohnt in Großsachsenheim. Die 63-jährige gelernte Krankenschwester will vor allem die Lebensqualität in der Stadt fördern. Dazu zählen für die ehemalige Vorsitzende des Vereins zur Belebung der Innenstadt Sachsenheim (Ibisa) vor allem die Frequentierung und die Attraktivität des Großsachsenheimer Zentrums, aber auch der Erhalt historische Gebäude wie Kelter und Rathaus in Kleinsachsenheim.

Für eine lebenswerte Stadt will sich auch Thomas Bay starkmachen. Der Sparkassenkaufmann findet, „dass für die Bürger zu wenig getan wird“. Wie auch andere Kandidaten hinterfragt er das Wachstum der Stadt und des Gewerbeparks Eichwald kritisch. Auch die Vereinsförderung und die Entwicklungsmöglichkeiten für ortsansässigen Gewerbebetriebe sind für ihn wichtige Punkte. Wie auch Frankenhauser saß Bay vor einigen Jahren bereits im Sachsenheimer Gemeinderat.

Ohne besonderen Sachsenheimer Hintergrund, dafür aber mit Verwaltungserfahrung ist Thomas Schärer, der 56-jährige Kommunikationsberater war bis August Bürgermeister in Sigmaringen. Dort wurde er dann aber abgewählt. In der Großsachsenheimer Innenstadt „als Mittelzentrum“ sieht auch er viel Potenzial. Deshalb will er unter anderem einen Stadtentwicklungsprozess mit den Bürgern anstoßen. Zudem will er vor allem das Kirbachtal zu einem „beliebten Ausflugziel“ entwickeln. Auch für Konzepte rund um erneuerbare Energien möchte er sich einsetzen.

Außerdem tritt Pädagoge Ulrich Raisch zur Wahl an. Er hat sich bereits in rund 40 Kommunen für dieses Amt beworben.

BZ-Wahlforum mit den Kandidaten an diesem Mittwoch in der Häfnerhalle


Die BZ veranstaltet an diesem Mittwoch, 19 Uhr, in der Häfnerhalle in Häfnerhaslach das BZ-Wahlforum, bei dem sich die Knadidaten den Fragen von BZ-Redakteur Mathias Schmid stellen werden.

Die Bewerber werden an diesem Abend die Möglichkeit bekommen, sich kurz vorzustellen. Im Anschluss müssen sie sich den Fragen der BZ stellen. Und zuletzt werden auch die Sachsenheimer Bürger in einer offenen Fragerunde Zeit bekommen, die Kandidaten zu ihren Anliegen zu befragen.

In der Häfnerhalle stehen rund 200 Sitzplätze zur Verfügung. Der Verein „Unser Dorf“, der die Häfnerhalle betreibt, wird die Bewirtung übernehmen.

Themen, über die es an diesem Abend zu sprechen gilt, gibt es genug. Da ist zum einen der Wohnungsbau. Viele Menschen stören sich an der Expansion, die vor allem in Großsachsenheim betrieben wird. Auf der anderen Seite stehen Hunderte, die nicht nur in Sachsenheim verzweifelt nach einer Wohnung suchen. Auch der stetige Ausbau des Gewerbeparks Eichwald wird in Sachsenheim kritisch beäugt.

Die Großsachsenheimer Innenstadt ist ebenfalls ein Dauerthema. Hier wünschen sich viele eine Belebung. Hinzu kommt der Verkehr, über den nahezu alle Ortsteile klagen.

Und nicht zuletzt gilt es in den kommenden Jahren möglichst viele der angestauten Projekte in den einzelnen Stadtteilen abzuarbeiten, ohne sich dabei gefährlich zu verschulden. Derzeit steht die Stadt mit einer Rücklage von rund 15 Millionen Euro noch sehr gut da. Diese wird aber in den kommenden Jahren schon alleine für die Erledigung der wichtigsten Projekte zusammenschmelzen.

Die Häfnerhalle ist ab 18.30 Uhr geöffnet. Geplant sind insgesamt 1,5 bis 2 Stunden.

Eine weitere Kandidatenvorstellung, veranstaltet von der Stadt Sachsenheim, findet am Mittwoch, 16. Januar, 19 Uhr,in der Kirbachtalhalle in Hohenhaslach statt. msc