Borkenkäfer Käfer-Attacke am Waldspielplatz

Wegen Käferbefalls wurden Fichten beim Großsachsenheimer Waldspielplatz gefällt. Rechts: Förster Burkhard Böer.
Wegen Käferbefalls wurden Fichten beim Großsachsenheimer Waldspielplatz gefällt. Rechts: Förster Burkhard Böer. © Foto: MARTIN KALB
Sachsenheim / Mathias Schmid 25.08.2018

Erneut ist im Stadtwald schnelles Eingreifen gefragt. Der Borkenkäfer hat sich großflächig in Fichten eingenistet. Und das, wie Revierförster Burkhard Böer berichtet, an einer ganz ungewöhnlichen Stelle. Betroffen sind nämlich verhältnismäßig vitale Bäume nahe des Waldspielplatzes Großsachsenheim. Von „mindestens 50 Bäumen“ spricht er dort. Auch übers Wochenende ist deshalb noch der Schottensteinweg nördlich des Waldspielplatzes gesperrt.

„Die Geschichte wiederholt sich“, erinnert er an die Lage Ende Mai dieses Jahres. Bereits da hatte der Borkenkäfer Teile des Stadtwalds bedroht. „Aber jetzt ist er an völlig anderen Stellen“ – auch für den Waldexperten Böer eine ganz neue Situation: „In solchen abnormen Jahren wie diesem mit extrem lang anhaltender Trockenheit gehen die Käfer eben nicht auf die Sandböden auf dem Deckel des Strombergs oder Tonböden nördlich von Großsachsenheim. Da ist es selbst dem Käfer zu trocken“, weiß Böer um die schlechten Chancen, dass der Borkenkäfer, genauer gesagt Buchdrucker und Kupferstecher, dort seine Brut erfolgreich durchbringt. „Das Tier ist leider hochintelligent und weiß, wie es seine Art erhält.“ Deshalb greift der Schädling dieses Jahr die eigentlich starken Bäume auf dem Lehmboden nahe des Großsachsenheimer Waldspielplatzes an. „Dort ist der Boden sehr gut und die Bäume normalerweise so vital, dass der Borkenkäfer wieder mit dem Harz rausgespült wird“, erklärt der Revierförster.

Doch wegen der anhaltenden Trockenheit sind es nun diese Bäume, die – geschwächt – den optimalen Nährboden für die Vermehrung des Käfers liefern. Dass die befallenen Fichten jetzt so schnell wie möglich aus dem Wald raus müssen, tut Böer in der Seele weh. „Das sind keine Bäumchen, das sind richtige Klötze – mit einem Durchmesser von 30 bis 60 Zentimeter“, sagt er über die Gewächse, die bis zu 30 Meter in die Höhe ragen.

Besonders heikel ist die Situation vor Ort deshalb, weil in diesem Bereich des Waldes bereits vor Jahrzehnten eine zukünftige Holzpopulation angelegt wurde – „in Vorahnung, dass die Fichte dem Klimawandel auf Dauer nicht standhalten wird“, sagt Böer (siehe auch Infobox). In bis zu 15 Metern Höhe sind daher zwischen den Nadelhölzern immer wieder Buchen und Bergahorn zu finden. „Das ist eine große Herausforderung für die Mitarbeiter, die befallenen Fichten müssen mit viel Kunst herausgezaubert werden“, erklärt Böer die Arbeit der vergangenen Tage.

Probleme mit dem Borkenkäfer treten auch an anderen Punkten im Landkreis auf. „Ein so großflächiges Problem ist mir aber nicht bekannt“, betont Böer. Mittlerweile sind in Sachsenheim alle Bäume, in denen der Schädling entdeckt wurde, gefällt und gestapelt. Böer bittet um Verständnis, dass daher viel Holz an den Waldwegen liegt. Wenig Verständnis hat er selbst dagegen für diejenigen, die die Absperrungen ignorieren und sich so in Lebensgefahr begeben.

Kommende Woche zerstückelt ein Vollernter die Bäume. Dann werden sie an die Hauptwege gerückt und abgefahren. „Wir wollen – wie in der Vergangenheit auch – um jeden Preis den Einsatz von Gift vermeiden“, betont Böer. Der Experte sieht die Gefahr erst mal gebannt, befürchtet aber: „Wir haben sicher was übersehen.“ Schließlich suchten er und seine Kollegen als Indiz für den Befall nach „feinstem Bohrmehl, vielleicht eine Messerspitze voll“.

Die Fichte, eine bedrohte Baumart

Die Fichte ist in unseren Wäldern ohnehin eine bedrohte Baumart. „Sie ist der Verlierer des Klimawandels“, betont Förster Burkhard Böer. Zudem sei sie vor 100 Jahren bei der Wiederaufforstung „zu oft an falschen Standorten gepflanzt worden“. Zum Beispiel eben auf Sand- oder Tonböden. Der Flachwurzler droht dort nicht nur bei Stürmen entwurzelt zu werden, sondern ist auch weniger vital und deshalb anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. msc

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