Sachsenheim JVA-Außenstelle "Kelterle" schließt

Die Außenstelle Sachsenheim der Justizvollzugsanstalt Heimsheim: Sie wird zum 1. Mai geschlossen. Dies wurde am Montag bekannt.
Die Außenstelle Sachsenheim der Justizvollzugsanstalt Heimsheim: Sie wird zum 1. Mai geschlossen. Dies wurde am Montag bekannt. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / CAROLINE HOLOWIECKI 03.02.2015
Das Aus kommt im Jubiläumsjahr. Wie das baden-württembergische Justizministerium am Montag bestätigt hat, wird die Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Heimsheim in Sachsenheim, genannt "Kelterle", zum 1. Mai schließen.

Die schlechte Nachricht ist den Beschäftigten am Montag übermittelt worden: Das sogenannte "Kelterle", die Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Heimsheim in Sachsenheim, wird noch in diesem Jahr den Betrieb einstellen. Das bestätigt Steffen Ganninger, der Sprecher des Justizministeriums Baden-Württemberg, am Montag auf Anfrage. Nach aktuellem Stand sei geplant, neben Sachsenheim zwei weitere Außenstellen in Baden-Württemberg, nämlich Crailsheim als Außenstelle der JVA Heilbronn und Kleincomburg als Außenstelle der JVA Schwäbisch Hall, zum 1. Mai zu schließen.

Als Grund nennt Ganninger "Strukturüberlegungen". In den vergangenen Jahren sei die offene Vollzugsanstalt in Sachsenheim nicht ausgelastet gewesen, da die Gefangenenzahlen generell rückläufig seien. Von den 68 Haftplätzen im "Kelterle" seien im Jahr 2012 im Schnitt 43 belegt gewesen, in den Jahren 2013 und 2014 im Schnitt nur noch 37.

Bei einer Personalversammlung am Montag sind die insgesamt 18 Beschäftigten in Sachsenheim von Hubert Fluhr, dem Leiter der JVA Heimsheim, informiert worden. In den kommenden Wochen werde man nach sozialverträglichen Lösungen für sie suchen, kündigt Ganninger an. Und auch Fluhr erklärt, man werde nun nach Jobs in umliegenden Justizvollzugsanstalten für die Sachsenheimer Beschäftigten suchen.

Das Aus der Einrichtung in Hohenhaslach kommt im Jubiläumsjahr. 1974 kaufte das Land Baden-Württemberg das Areal und richtete die offene Vollzugsanstalt ein. Am 1. April 1975 begann hier die Arbeit. Am 13. Mai wurden schließlich 13 ausgesuchte Strafgefangene aus dem ganzen Land auf dem Areal untergebracht. Im Jahr 2000, in dem ein Festakt zum 25-jährigen Bestehen abgehalten wurde, waren es im Lauf der Zeit 6000 Häftlinge gewesen, die das "Kelterle" von innen gesehen hatten. Vorwiegend sogenannte Straßenverkehrstäter kommen bis heute ins "Kelterle". Daher gibt es vor Ort ein entsprechendes Angebot mit Einzelberatungen zum Thema Alkohol, Vorbereitungen von ambulanten und stationären Therapien, Vermittlungen in Selbsthilfegruppen, Vorbereitungen für die medizinisch-psychologische Begutachtung zur Wiedererlangung des Führerscheins, Schuldnerberatungen und mehr. JVA-Chef Fluhr bedauert das Aus der offenen Einrichtung sehr, wie er sagt. "Sie hat sehr gut funktioniert, es war ein idealer Standort, bei dem es alle Angebote gebündelt gab."

Neben Sachsenheim hat die JVA Heimsheim zwei weitere Außenstellen: das Freigängerheim in Ludwigsburg sowie die Jugendstrafanstalt Pforzheim. Sie sind laut Ganninger nicht von Schließungen betroffen.

Das "Kelterle" und seine lange Geschichte

Bienenstände In den Jahren 1889 und 1890 wurde das "Kelterle" von Gottlieb Scheerle, dem sogenannten "Bienenkönig", erbaut. Seinerzeit bestand das Anwesen aus einem Wohnhaus, einer Scheune, zwei Gartenhäusern und einigen Bienenständen. Am 5. Dezember 1925 starb Scheerle, seine Familie verkaufte das Anwesen an Gotthilf Weber. Der erhielt im April 1927 eine Wirtschaftserlaubnis, fortan war das "Kelterle" ein Lokal.

Firma Am 4. Dezember 1959 kaufte Friedrich Strecker das Gebäude und richtete dort die Firma Vacance und Touring, Gesellschaft für Ferien-Reisen und Wohnungsbau mbH, ein. Außerdem durfte Geschäftsführer Strecker in der 35 Quadratmeter großen Gartenhalle von April bis Oktober "Flaschenbier und nichtgeistige Getränke" ausschenken. So war das "Kelterle" für die Hohenhaslacher bis Ende der 50er-Jahre ein bliebtes Ausflugsziel.

Kinderheim 1962 kam die Immobilie schließlich in den Besitz von Ruth Benzing, die dort ein privates Kinderheim einrichtete. Dazu wurden neue Gebäude auf dem Gelände gebaut. Am 1. Januar 1965 wurde der Betrieb mit rund 35 Kindern und 15 Bediensteten aufgenommen. Weitere Gebäude kamen hinzu, so dass man 1967 bereits 80 Kinder und 20 Fach- und Hilfskräfte zählte. Am 4. Juli 1974 wurde das Kinderheim geschlossen - wegen Überschuldung und wohl auch, weil die Besitzerin von der Größenordnung überfordert war. Zudem führten neue pädagogische Erkenntnisse dazu, dass man Kinder stärker in die Gesellschaft integrieren wollte. Die Zuweisung neuer Kinder war bis zu dem Zeitpunkt zurückgegangen. Zuletzt lebten nur noch 40 Mädchen und Buben im Hohenhalsacher Heim. Im September 1974 ging das "Kelterle" in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über.

Name Der Name "Kelterle" rührt im Übrigen von der Adresse her. Die Postadresse lautet schlicht "Im Kelterle". Quelle: "Weinort Hohenhaslach. Geschichte und Geschichten aus 1200 Jahren Dorfleben".

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