Als Felix Borkhardt vor zehn Jahren in den Musikverein Unterriexingen eintrat, hätte er nicht im Traum daran gedacht, dass er sich 2017 Leiter einer eigenen Blaskapelle nennen darf. „Ich konnte damals mit der traditionellen, ursprünglichen Blasmusik nichts anfangen. Wir spielen im Verein immer noch vorwiegend die sogenannte ‚sinfonische Blasmusik‘ mit zeitgenössischen Kompositionen“, macht der 20-Jährige deutlich.

Doch Borkhardt kam irgendwann in Berührung mit einer typischen Polka und einem typischen Marsch, wie sie der „König der Blasmusik“ Ernst Mosch mit seinen Original Egerländer Musikanten einst intoniert und bekannt gemacht hat. „Ich kann es nicht erklären, aber Ernst Mosch hat mich fasziniert. Was er musikalisch mit relativ einfachen Mitteln aus seinen Musikanten herausgeholt hat, ist für mich immer noch beeindruckend. Seine Musik hat mich in ihren Bann gezogen“, erinnert sich Borkhardt.

Verwunderung bei der Familie

Seine Familie und seine Freunde waren anfangs verwundert über seine plötzlich entdeckte Leidenschaft für Mosch und dessen Stücke wie die „Fuchsgraben-Polka“ oder den Walzer „Rauschende Birken“, die Borkhardt sogar abends zum Einschlafen hörte. „Ich habe mich einfach in diese Musikrichtung verliebt. Im Laufe der Zeit entstand so die Idee, meine eigene Blaskapelle nach dem Vorbild der Original Egerländer zu gründen“, schildert Borkhardt, der inzwischen in Bayern Saxophon studiert und seit 2009 auch die Klarinette im Kreisjugendmusikorchester spielt. „Ich habe mich bei meinen Freunden im Kreisjugendorchester umgehört, wer den Lust hätte, bei meinem Blaskapellen-Projekt mitzumachen. Natürlich waren manche zunächst erstaunt, aber es war gar dann nicht so schwierig, genügend Mitstreiter zu finden“, berichtet der Unterriexinger.

Bei der Gründung der Kapelle „Junges Blut“ im vergangenen Jahr hatten sich 20 Musiker aus den Musikvereinen Unterriexingen, Oßweil, Mundelsheim, Großbottwar, Sersheim, Vaihingen, Schwieberdingen, Sachsenheim und Besigheim zusammengefunden. „Wir sind alle zwischen 18 und 22 Jahren alt. Mit diesem Altersdurchschnitt nehmen wir als Blaskapelle in dieser Musikrichtung ein echtes Alleinstellungsmerkmal ein. Etwas Vergleichbares gibt es im Landkreis sicher nicht“, unterstreicht Borkhardt. Ihm war bei der Gründung schon etwas mulmig zumute, denn schließlich lastet auf seinen Schultern als Orchesterleiter eine große Verantwortung. Zwar steht der junge Mann auch dem Jugendorchester des Musikvereins Unterriexingen vor und sein großer Traum ist es, ein bekannter Orchesterleiter und Dirigent zu werden, doch sein Anspruch ist es auch, dass seine Musiker echte Blasmusik auf hohem Niveau spielen. „Dadurch, dass die meisten Mitglieder meiner Blaskapelle meine Freunde sind, kann ich deren Stärken und Schwächen gut einschätzen und fühle mich in ihrer Mitte richtig wohl. Dies macht es mir viel leichter“, so Borkhardt.

Seit der Gründung im vergangenen Jahr hat sich bei den jungen Musikern viel getan. Ihre Kapelle hat jetzt ein Logo und Präsenz im Internet sowie in den sozialen Medien. Auch ihren ersten Auftritt beim Musikverein Sersheim im Mai dieses Jahres hat die Kapelle „Junges Blut“ bereits erfolgreich absolviert. „Die Resonanz beim Publikum war toll, vor allem die ältere Generation hat bei unseren Stücken begeistert mitgesungen“, berichtet Borkhardt.

Auch das nächste Engagement stehe bereits fest: Ein dreistündiges Programm bei der „Musikantenlaube“ des Musikvereins Unterriexingen Ende Juni. „Das ist eine echte Herausforderung für uns, aber wir wachsen an unseren Aufgaben“, erklärt der Musiker. Lediglich geeignete Probentermine zu finden, sei bisweilen schwierig. Meist treffen sich die Musiker ein ganzes Wochenende lang und immer wieder bei einem anderen Heimatverein eines Kapellenmitglieds.