Mundart Internetradio auf Schwäbisch

Fred-Jürgen Bulach betreibt in Sachsenheim ein Internetradio auf Schwäbisch.
Fred-Jürgen Bulach betreibt in Sachsenheim ein Internetradio auf Schwäbisch. © Foto: Richard Dannenmann
Sachsenheim / Heidi Vogelhuber 24.10.2016

ahoim“. So heißt ein Song der deutschsprachigen Band „Gradraus“. „Schwäbisch zu singen bedeutet für mich ein Stück Freiheit“, sagt Leadsängerin Anke Hagner. „In diesem Dialekt bin ich ,dahoim’. Was gibt es Besseres als in seiner Muttersprache zu singen?“ Mit dieser Meinung steht die Gradraus-Sängerin nicht alleine da. „Das Lied ist für mich geschrieben“, meint Fred-Jürgen Bulach. Er führt ein Internetradio der anderen Art – auf Schwäbisch. „Mundartradio“ bietet schwäbischen Bands, Comedians und Dichtern eine Plattform. „Viele Schwaben sind sehr direkt, und schwäbische Texte übermitteln das einfach besser“, so Bulach.

Bereits 2006 hatte Bulach die Idee eines schwäbischen Internetradios. „Ich denke, die Mundart kommt gerade bei jungen Leuten zu kurz“, so der Radiobetreiber. Er wollte daran etwas ändern, doch anfangs wurden ihm viele Steine in den Weg gelegt. Allem voran das Problem mit den GEMA-Zahlungen. Erst im Oktober letzten Jahres konnte Mundartradio dann tatsächlich „on air“ gehen. Dies hat Bulach der Kooperation mit laut.fm zu verdanken. Das bisschen Werbung sei ein geringer Preis für die großen Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben hätten, erklärt Bulach.

Die Radiostation befindet sich in einem kleinen Raum im Privathaus des Betreibers. Zwei Schreibtische, Laptop, Bildschirme, Boxen, Mischpult und allerhand Technik – das braucht Bulach, um seinem Hobby nachzugehen. Das Radioprogramm läuft zwar 24 Stunden am Tag und das sieben Tage die Woche, wirft aber keinen Gewinn an den Betreiber ab. Bulach geht tagsüber ganz normal einem Beruf nach und kümmert sich abends, oder immer wenn es der Zeitplan erlaubt, um seine Herzensangelegenheit, sein Mundartradio. Dabei gehe es nicht um Geld oder kommerziellen Erfolg, sondern um die Sache. Auf die Frage, ob er das Radio gerne in Vollzeit betreiben würde, antwortete der Familienvater mit einem Lachen. „Wenn es sich verselbstständigen würde, wäre das für mich okay. Aber ich habe mir eigentlich noch keine Gedanken darüber gemacht wo es hingehen soll. Mir war es wichtig, den Anstoß zu geben.“

Durch seine Frau erfährt der eingefleischte Schwabe viel Unterstützung. Sie begleite ihn an Wochenenden zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Letztes Wochenende beispielsweise seien sie bei der Verleihung des Sebastian-Blau-Preises für schwäbische Mundart gewesen, um unter anderem Aufnahmen für seine Zuhörer zu machen.  Seiner 14-jährigen Tochter sei das alles eher peinlich. Aber eben dies sei der ausschlaggebende Punkt gewesen, weswegen alles begonnen hatte: Schwäbisch wieder in die Köpfe der Menschen – vor allem der jungen Menschen – zu bringen. „Ich denke, dass die Globalisierung wieder zur Heimatbesinnung führt“, erklärt Bulach. Daher käme auch der derzeitige Trend, vermehrt deutschsprachig zu singen. Nicht die Hörer seien so wild auf das schwäbische Radio, sondern die zahlreichen Bands, die aus den Proberäumen und der Anonymität heraus wollen.

Von Schlager bis Rock

„Es ist doch schade, dass so großartige Bands vor gerade mal 30 Leuten auftreten“, stellt Bulach mit ernstem Gesichtsausdruck fest. Gerade diesen Musikern möchte er eine Plattform bieten. Aus persönlichem Interesse hat Bulach einige schwäbisch-singende Bands gefragt, warum sie den schwäbischen Dialekt zum Transportieren ihrer Botschaften gewählt haben. Es käme aus dem Herzen, so die Antwort diverser Musiker. Eben dies habe der Radiobetreiber auch festgestellt. Der schwäbische Dialekt sei früher fast ausschließlich für komödiantische Zwecke und „Lumpa-Liedle“ verwendet worden. Inzwischen sei die Variation aber so groß, dass er einstündige Blöcke mit jeweils einem Genre füllen könne. Von Volksmusik und Schlager bis zu Pop- und Rockmusik sei mittlerweile alles vertreten. Bulach nimmt mit seinem Aufnahmegerät aber nicht nur Konzerte, sondern auch Shows von Comedians und Dichtern auf und präsentiert sie nach dem Schneiden seinen Zuhörern. Wenn einzelne Berichte besonders oft angeklickt werden, stellt er zusätzlich auf seiner Homepage die Potcasts dazu bereit.

Ein fertig zusammengestelltes Programm läuft einen Monat lang rund um die Uhr durch, bis Bulach wieder Neues einpflegt. Mittlerweile habe er neben diversen Lesungen und Comedyshows fast 1000 Lieder in seiner Datenbank. Der durchgehende Betrieb solle auch Schwaben, die im Ausland wohnen, die Chance geben, ein bisschen Heimat in die Ferne zu holen. „Mundart als Stückle Hoimat, egal wo uff dr Welt.“

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