Es tut sich wieder ein wenig etwas in der Sachsenheimer Innenstadt. In der Bahnhofstraße gibt es Obst und Gemüse zu kaufen, und die Lammstraße entdeckt die Außenbewirtung für sich.

„Endlich wieder in der Innenstadt einkaufen können“, damit wirbt „Makedonia“ in der Großsachsenheimer Bahnhofstraße 8. Der Laden, der sich selbst als Lebensmittelgeschäft tituliert, bringt neben griechischen Produkten vor allem ein Angebot an Obst und Gemüse in die Innenstadt. Den Supermarkt ersetzt er aber nicht gänzlich. Matthias Friedrich, Wirtschaftsförderer der Stadt, begrüßt grundsätzlich das dadurch breitere Angebot im Zentrum, betont aber: „Man muss einfach schauen, was daraus wird.“ Denn letztlich stehe und falle alles mit der Nachfrage.

Wichtiger Baustein

Das gilt auch beim Thema Außenbewirtung: Die wurde jahrelang von Bürgern und ehrenamtlich Aktiven gewünscht und als ein wichtiger Baustein für eine belebte Innenstadt gesehen. Jetzt gibt es gleich zwei Angebote in der Lammstraße: Eines davon in der Gaststätte Bierfässle, die seit vergangenem Jahr mit neuem Besitzer am Start ist. Zudem bietet auch das kürzlich eröffnete Restaurant „Eco“ Tische im Freien an.

Für Friedrich sind die neuen Angebote eine wichtige Bereicherung. „Das wertet die Fußgängerzone auf. Auch im Gemeinderat kam die Forderung nach Außenbewirtung immer wieder auf, weil die Stadt abends immer so leergefegt sei. Das hat sich jetzt auch verbessert.“ Demnach werde damit auch ein Schritt in Richtung der Erfüllung der Ziele getan, die 2010 im Leitbild der Stadt festgelegt wurden. Als zentrale Zukunftsaufgabe ist dort formuliert: Die Innenstadt Großsachsenheims soll ein attraktives Stadtzentrum werden. Bis 2020 hatte man sich damals den Zeitrahmen gesetzt.

Im Zuge der Außenbewirtung müssen aber auch in Sachsenheim rechtliche Punkte geklärt werden, wie Bürgermeister Holger Albrich betont: „Wir werden prüfen, was ordnungsrechtlich möglich ist und was wir im Außenbereich erlauben können – und vor allem möchten.“ Denn die Flächen in der Lammstraße sind Privateigentum, die Stadt als Wohneigentümer beteiligt. „Klar ist jedenfalls: Die Leute dürfen nicht behindert werden. Wir wollen die Innenstadt lebendig, aber gleichzeitig verkehrssicher und für alle begehbar machen.“

Die Innenstadt ist für Albrich auch eine Herzensangelegenheit: „Als alter Großsachsenheimer Junge muss ich sagen: Mich schmerzt das Bild der Innenstadt.“ Auch in Gesprächen vor der Wahl hatten viele Einwohner ihren Unmut über die Situation in der Innenstadt geäußert. Deshalb hat er das Thema zu einem zentralen in seinem Wahlkampf gemacht – und wird sich am Ende daran messen lassen müssen. „Das wird eines der wichtigsten Themen in meiner Amtszeit, wobei wir das in einer Amtszeit vermutlich nicht hinkriegen werden.“ Ein zentrales Thema sind hier die angesprochenen Eigentumsverhältnisse.

Auf zehn Jahre war das alte Leitbild der Stadt konzipiert, 2020 soll es einen Abschlussbericht geben. In puncto Innenstadt will Albrich definitiv direkt anknüpfen. Dafür soll es wieder eine große Bürgerbeteiligung geben, ein „offener Prozess, der nicht aus dem Ruder laufen soll“. Auch der Gemeinderat wird natürlich integriert.

Neues Leitbild

Ein Langzeitziel ist eine „grundsätzliche städtebauliche Neuordnung“, wie es sich nicht nur Albrich wünscht: „Die Innenstadt soll für alle attraktiv werden, mit Möglichkeiten zum Einkaufen, Ausgehen und Verweilen.“ Bis 2035, also bis zum Ende einer möglichen zweiten Amtszeit Albrichs, sollen die Ziele des neuen Leitbilds angestrebt werden.

Ein großes Thema soll dabei Parken und Verkehr sein. Der Bürgermeister möchte sich dabei aber noch nicht auf eine Richtung festlegen. Die soll die Bürgerbeteiligung weisen. „Ob man den Verkehr aus der Innenstadt heraushalten oder, und gegebenenfalls wo und wie  mehr Parkmöglichkeiten schaffen soll, wird ein zentraler Punkt des Stadtleitbilds sein. Ich setze jedenfalls auf bessere Radwege und einen besseren ÖPNV zur Innenstadt. In der Innenstadt selbst steht für mich der Fußgänger im Mittelpunkt.“

Auch kurzfristig soll etwas geschehen


Damit in der Sachsenheimer Innenstadt auch zeitnah etwas passiert, hat sich die Stadtverwaltung auch schon Gedanken gemacht, was kurzfristig umgesetzt werden kann. „Sie können nur erst ein Teil des neuen Leitbilds sein“, sagt Bürgermeister Holger Albrich. Kurzfristig sollen lose Steine im Pflaster beseitigt und die Löcher mit Asphalt aufgefüllt werden. „Wir sind dabei, das kontinuierlich auszubessern. Das sieht zwar nicht so toll aus, aber so entfernen wir immer hin die Stolperfallen“, sagt Albrich. Denn nicht nur für Rollstuhlfahrer sind diese unangenehm. Nach BZ-Informationen ist es hier auch schon zu ernsthaften Verletzungen bei Fußgängern gekommen. Außerdem sollen mehr Blumen für eine höhere Aufenthaltsqualität sorgen. Auch das Aufstellen weiterer Bänke wird geprüft. msc