Abschied „Inklusion ist eine echte Herzensangelegenheit“

Pfarrerin Elke Theurer-Vogt wurde im Behindertenheim Markgröningen verabschiedet.
Pfarrerin Elke Theurer-Vogt wurde im Behindertenheim Markgröningen verabschiedet. © Foto: Martin Kalb
Michaela Glemser 09.01.2017

Draußen vor den Toren der Stadt liegt das Behindertenheim der LWV Eingliederungshilfe GmbH. „Zu Beginn meiner Arbeit als Pfarrerin am Behindertenheim im Oktober 2005 gab es keine großen Berührungspunkte zwischen den Menschen in Markgröningen und den Bewohnern des Heims. Doch von Anfang an war es ein zentrales Anliegen von mir, Menschen aus dem Heim, den Kirchengemeinden in Markgröningen und allgemein aus der Stadt zusammen zu bringen“, betont Elke Theurer-Vogt.

Arbeit im Behindertenheim

Die 55-Jährige hat neben ihrem Theologiestudium auch Diakoniewissenschaften und Pädagogik studiert und vor allem die Arbeit mit behinderten Menschen war für die engagierte Pfarrerin schon immer eine echte Herzensangelegenheit. Die Jahre als Pfarrerin im Behindertenheim bezeichnet Theurer-Vogt als die wertvollsten in ihrer beruflichen Laufbahn. In der Tat hat die Theologin in der Vergangenheit vieles bewegt. „Die Inklusion ist jetzt in Markgröningen angekommen. In vielen unterschiedlichen Projekten sind wir auf einen guten Weg des Miteinanders gekommen“, betont die Pfarrerin, die auch Religionsunterricht an der benachbarten August-Hermann-Werner-Schule erteilt. Zudem betreut Elke Theurer-Vogt Konfirmandengruppen.

Im Behindertenheim selbst findet im 14-tägigen Rhythmus ein Sonntagsgottesdienst statt, bei dem die behinderten Heimbewohner aktiv mitwirken. „Ein blinder Bewohner liest beispielsweise regelmäßig die Lesung vor“, erzählt Theurer-Vogt. Für sie ist es wichtig, dass die behinderten Menschen mit allen ihren Talenten und Fähigkeiten wahrgenommen werden. „Es geht dabei nicht um eine falsch verstandene Hilfe. Es kommt darauf, dass die behinderten Menschen uns sagen, was wir für sie tun können“, unterstreicht Theurer-Vogt.

Der Pfarrerin ist es in den vergangenen Jahren gelungen, bestehende Berührungsängste abzubauen und zu überwinden und ein Miteinander aufzubauen. „Jetzt ist es Zeit, mich einer neuen Aufgabe zu widmen. Ich werde als Referentin für Inklusion in der Bildungsarbeit der evangelischen Landeskirche am Pädagogisch-Theologischen Zentrum in Stuttgart-Birkach tätig sein und weiterhin an meinem Herzensthema mitwirken“, so Theurer-Vogt, die am Sonntag in einem feierlichen Gottesdienst unter Mitwirkung der Kantorei Markgröningen offiziell verabschiedet wurde.

Froh ist Theurer-Vogt, dass ihre Pfarrstelle am Behindertenheim auch nach ihrem Weggang erhalten bleibt. Claudia Hertler, Pfarrerin an der Orthopädischen Klinik in Markgröningen, wird die Position zusätzlich einnehmen. „Ich denke, die beiden Aufgaben lassen sich gut kombinieren. Nachdem wir erreicht haben, dass die verstorbenen Bewohner der Behindertenheims, die keine Angehörigen mehr haben, in einer Urnenwand mit ihrem Namen bestattet werden, liegt das Augenmerk auf einer weiteren Verbesserung. Es muss gelingen, die behinderten Menschen, die in Wohngruppen in der Stadt leben, besser zu integrieren. Dafür brauchen wir gemeinsame Gespräche und Arbeitsgruppen von Vertretern der Stadt, der Vereine, des Heims und der Kirchengemeinden“, wünscht sich Pfarrerin Theurer-Vogt.