Rauschschwaden steigen zwischen weißen Zeltspitzen auf, und schon von weitem kann man Fahnen im Wind wehen sehen. Seit Karfreitag wächst am Rande von Sersheim wieder die Zeltstadt des Schützenvereins. In der Kluft des Wilden Westens bereiten sich alle Gäste auf den Start des Schwarzpulverschießens am Maifeiertag vor.

Robert Supper hat seinen historischen Wohnwagen schon seit einigen Wochen auf der Wiese stehen. Der 78-Jährige organisiert das Fest schon seit der ersten Austragung: „Dieses Jahr erwarten wir wieder so um die 500 Zelte hier draußen, bis Mittwoch werden alle dann da sein“, sagt er.

Nach all den Jahren hat die Westernstadt und das Schwarzpulverschießen für Supper alias „Graubart“  nichts an Faszination verloren. „Ohne das Event hier würde mir einfach etwas fehlen, ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf die Atmosphäre hier“, so der Organisator.

„Tolle Gemeisnchaft“

Und nicht nur er schätzt das Sersheimer Western-Festival mit seinen weißen Tipi-Zelten und dem „Rustyspur Saloon“ besonders. Torsten „Joe“ Girrbach aus Freiberg kommt schon seit über 17 Jahren nach Sersheim. In seinem aus dem indianischen Kostüm bietet er in seinem Zelt neben Massagen auch vor allem das Messerschleifen an. „Jeder hier hat ein Messer oder eine kleine Axt, die geschliffen werden muss, und dann kommen die Leute zu mir“, so Girrbach.

Für ihn ist der Sersheimer „Wilde Westen“ praktisch ein Heimspiel. „Ich bin hier irgendwann mal aufgetaucht und seitdem hängengeblieben“, erinnert sich der Messerschleifer, „das hier ist auch einfach eines der schönsten Lager, weil es überschaubar ist und die Gemeinschaft so toll ist.“ Während dem stürmischen Wochenende hatte es einige Tipis aus den Heringen gerissen, sofort seien viele helfende Hände dagewesen, um die einfache Behausung wiederaufzubauen.

Für Recht und Ordnung sorgt in dem Zeltlager auch Christian „Stony“ Steinebronn. Mit seinem Team schaut der Platzsheriff nach dem rechten. „Wir helfen, wenn es Probleme gibt und schauen, ob die Autos richtig parken. Wir sind eigentlich den ganzen Tag über beschäftig und abends geht es dann in den Saloon“, so Steinebronn. Der 38-Jährige ist schon im Alter von zehn Jahren mit dem Western-Virus infiziert worden und besucht auch andere Camps in Deutschland und dem nahen Ausland.

Über Sersheim sagt er: „Das Organisatorenteam stellt jedes Jahr ein tolles Festival auf die Beine. Hier entwickeln sich echte Freundschaften und es macht immer Spaß hier zu sein.“ Das Gefühl trügt einen nicht – es geht nicht um die Schießturniere, sondern um das Zusammenleben in der Gemeinschaft. So kann man als Besucher vieles entdecken zwischen den weißen Zelten, in die sich bei dem regnerischen Wetter viele Widwest-Anhänger zurückgezogen hatten. Wägen, Tische und Stühle aus Holz, sowie Fellteile, Schmuckstücke und Kleidung sind noch die ganze nächste Woche zu Bestaunen.

Schon die 41. Veranstaltung


Der Sersheimer „Wilde Westen“ findet dieses Jahr zum 41. Mal statt. Trapper, Indianer und Cowboys kommen aus ganz Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz angereist. Westernstädte wie in Sersheim gibt es ebenfalls in vielen anderen Städten. Oft reisen die Western-Anhänger von Lager zu Lager.

Im großen Festzelt in Sersheim können Cowboys, Indianer und Besucher zu Live-Musik von den Bands „Arizona Fire“ (1. Mai und 5. Mai), „Paprika“ (3. Mai.) und „Tanglefoot“ (4. Mai) feiern. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Am  Mittwoch, 1. Mai ist Festbetrieb auf dem Gelände. Wanderer und Familien sind willkommen. yas