Markgröningen Hotel bringt Strafprozess um Sex mit 13-Jähriger ins Rollen

Markgröningen/ Neuruppin / Heike Rommel 08.01.2018

Da hatten sich eine 13-Jährige aus Markgröningen und ein 15-Jähriger aus Neuruppin/Brandenburg im Internet ineinander verguckt und der Stiefvater des 15-Jährigen ließ sie alleine ins Hotelzimmer. Die Folge: Eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den Sohn und eine wegen Beihilfe dazu plus Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger vor dem Ludwigsburger Jugendgericht.

Dem 66-jährigen Adoptivvater legte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zur Last, vom 29. bis 30. März 2016 ein Zimmer in einem Hotel in Markgröningen gebucht zu haben, damit sein 15-jähriger Sohn darin Geschlechtsverkehr mit seiner 13-jährigen Freundin ausüben konnte. Während der Vater das Zimmer bewusst verlassen habe, um einen Ausflug in ein Spaßbad zu unternehmen, hätte der Sohn mit der 13-Jährigen Vaginal- und Analverkehr ausgeübt. Dem 15-jährigen Sohn – der im Übrigen Erzieher werden möchte – wurde vorgeworfen, er hätte die 13-Jährige und damit ein Kind unter 14 Jahren unter der Beihilfe seines Vaters sexuell missbraucht.

Dreckige Bettlaken

Zur Anzeige gekommen war die Sache, weil es der Rezeptionistin des Markgröninger Hotels seltsam vorkam, dass der Vater gleich beim Einchecken darum bat, in dem Zimmer nicht zu stören. Als Vater und Sohn wieder abgereist waren, erschrak eine der Reinigungsdamen über den Zustand des Zimmers. Sie informierte die Rezeptionistin über blut- und kotverschmierte Bettlaken und gebrauchte Kondome im Mülleimer des Badezimmers. In der Annahme, es sei etwas Schlimmes passiert, rief die Rezeptionistin den Chef des Hotels im Urlaub an und dieser riet ihr, die Polizei zu verständigen.

Vom Kot auf dem Bettzeug wollte die Reinigungsfrau als Zeugin vor Gericht nichts mehr wissen. Der heute 17 Jahre alte Angeklagte räumte den Sex mit der damals 13-Jährigen ein, die seine Freundin gewesen sei. Der Vater hüllte sich in Schweigen und ließ über seinen Verteidiger nur vortragen, nicht gewusst zu haben, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt ist.

Der Sohn erzählte, er hätte das Mädchen als Moderatorin eines Spiels im Internet kennengelernt und sich in sie verliebt. Dem Mädchen sei es genauso gegangen. Die Beziehung habe über ein Jahr lang gedauert und das Mädchen sei auch mit seiner Familie im Urlaub gewesen. Er habe, so der Jugendliche weiter, seinen Vater darum gebeten, ihn nach Markgröningen zu fahren. Und weil er mit seiner Freundin dort zum ersten Mal geschlafen habe, hätte es „eben geblutet“.

Beziehung lief weiter

Dass der Vorfall im Hotel nicht zur Trennung der Jungverliebten geführt hat, bestätigte das heute 15-jährige Mädchen vor Gericht. Sie gab an, den damaligen Freund danach noch in Brandenburg besucht und mit diesem geschlafen zu haben. Auf die Frage der Jugendrichterin, Dr. Franziska Scheffel, ob es ihr nicht unheimlich gewesen sei, sich mit ihrem Freund und dessen Vater in einem Hotel zu treffen, antwortete die Zeugin: „Ich weiß auch nicht, was mir da durch den Kopf gegangen ist.“ Sie habe den Verkehr mit ihren Freund gewollt.

Ein Beamter der Ludwigsburger Kripo berichtete, der Vater hätte bei der Polizei keine Angaben gemacht, sondern gleich einen Rechtsanwalt anrufen lassen. Für die Kripo habe „einiges darauf hin gedeutet“, dass der Vater über das Alter des Mädchens Bescheid wusste. Nachweisen konnte ihm das aber keiner.

Nach dem Bericht der Ludwigsburger Jugendgerichtshilfe war der Sohn zwar zur Tatzeit schon strafrechtlich verantwortlich, aber über seine „erste, große Liebe“ habe dieser „nicht groß nachgedacht“. Der Vater habe den Sohn indirekt bestärkt. Staatsanwaltschaft und Jugendgericht folgten am Ende dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe, die Strafverfahren gegen Auflagen einzustellen. Der Sohn muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und der Vater muss 2000 Euro an die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ in Neuruppin bezahlen.

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